Betreuer schlägt Alarm

„Kunststoff ist eine Gefahr“: Störche verhungern mit vollem Magen

Zwei Jungstörche sitzen in einem Horst.
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Auf Jungstörche lauern schon genügend natürliche Gefahren. Dass die Abfälle des Menschen hinzukommen, wäre nicht nötig.

Störche erleben ein insgesamt gutes Jahr, an vielen Orten nehmen die Populationen zu. Doch es gibt auch Ärgerliches zu berichten – und das hat mit Plastik zu tun.

Landkreis – Meister Adebar geht es eigentlich gut im Landkreis Verden. Mit der Entwicklung der Bestände ist Hans-Joachim Winter zufrieden. Sorgen bereitet dem Weißstorchbetreuer aber eine Beobachtung, die er in diesem Jahr schon mehrfach gemacht hat. Störche, meist sind es Jungtiere, verenden mit zunächst unklarer Ursache. Die Untersuchung eines Tiers in der tierärztlichen Hochschule in Hannover brachte ein alarmierendes Ergebnis: Der Magen war voller Kunststoff. Jetzt befürchtet Winter, dass so auch viele andere Todesfälle zu erklären sein könnten.

„Kunststoff ist eine unterschätzte Gefahr“

„Kunststoffmüll ist eine unterschätzte Gefahr“, da ist sich Hans-Joachim Winter sicher. Das große Problem des Plastiks in den Weltmeeren hätten viele ja schon wahrgenommen. Aber dass dieses Umweltproblem so nah ist, beunruhigt den Weißstorchbetreuer.

„In dieser Saison habe ich allein an einem Wochenende acht tote Storchenküken aus dem Nest geholt. Drei waren durch die Nässe gestorben, bei weiteren war die Ursache unklar“, berichtet Winter. Eines der Küken habe er zur Untersuchung nach Hannover gebracht. „Sein Magen war mit Dichtungsringen aus Kunststoff gefüllt, er ist also mit vollem Magen verhungert“, gibt Winter das Ergebnis der Hochschule wieder. „Jungvögel können das nicht auswürgen“, erklärt er und vermutet, dass viele Todesfälle auf den Plastikmüll zurückzuführen sein könnten. Um aber auch nur von einer Dunkelziffer sprechen zu können, bräuchte der vom Landkreis beauftragte Storchenbetreuer mehr Untersuchungsergebnisse.

Dass Vögel, auch die Störche, den Kunststoffmüll in der Landschaft verwerten, hat Winter sowieso schon länger beobachtet: „Die Störche tragen Fremdstoffe jeder Art ins Nest, an Bindegarnen strangulieren sich die Küken, eingebaute Folie wie von Silage macht das Nest zu einer Badewanne, in der die Jungtiere ertrinken oder zumindest an Nässe und darauf folgenden Krankheiten sterben“, beschreibt er die Probleme. Meist sei es Aspergillose, bei der Schimmelpilze die Lunge befallen.

Weißstorchbeauftragter Hans-Joachim Müller.

Winter hat nicht zuletzt deshalb die Müllsammelaktionen schätzen gelernt, bei denen Freiwillige Jahr für Jahr achtlos weggeworfene Abfälle in der Landschaft suchen. „Sie verschönern die Landschaft und retten das Leben von Störchen und anderen Tieren.“ Winter nimmt an, dass es anderen Tieren mit Plastik ähnlich geht wie den Störchen.

Verwechslung mit Regenwürmern und Schnecken

Warum aber verfüttern die Elterntiere so etwas? Auch auf diese Frage hat Winter eine plausible Antwort. „Kunststoffe in der Landschaft hat es früher nicht gegeben und sind, nicht nur für Störche, etwas Attraktives und Neues. Sie verwechseln es wohl mit Regenwürmern oder Schnecken“, vermutet er. Die Altvögel hätten ständig Stress, zur Aufzucht müssten sie eben besonders viel Futter sammeln.

Untersuchungen, wie die, die Winter vornehmen lassen hat, sind aufwendig und teuer. Er freut sich, dass der Förderverein zum Schutze des Weißstorchs im Landkreis Verden, der auch Träger der Storchenpflegestation ist, die Kosten für die Untersuchung übernommen hat. Die Fahrt nach Hannover hat der engagierte Betreuer selbst übernommen.

Nach dem Schlüpfen zwei Monate im Horst

Solche von Menschen verursachten Gefahren seien eigentlich nicht nötig, meint Winter. Für die großen Vögel gebe es genügend natürliche Gefahren, bis sie ausgewachsen sind. Junge Weißstörche verbringen vom Schlüpfen bis zum Ausfliegen zwei Monate im Horst, berichtet Winter. Dazu gehören innerartliche Kämpfe um den Horst, wenn Fremdstörche (oder auch ein zu spät angekommener Partner) das Nest erobern wollen. Dabei können Altvögel, Nestlinge und Eier verletzt oder getötet werden. „Das scheint in den letzten Jahren öfter vorzukommen“, hat Winter beobachtet.

Grund, so erklärt er, sei ein geändertes Zugverhalten. Mehr Tiere würden in der Region bleiben, anstatt sich auf die Reise ins Überwinterungsgebiet zu machen. Es gebe mehr verweilende vorjährige oder zweijährige Störche. Diese störten dann gerne Brutpaare, ohne selbst geschlechtsreif zu sein.

Viele natürliche Gefahren

Beutegreifer seien für Bruten auf einem Storchenmast selten ein Problem, solange beide Elternteile anwesend sind, Futter sammeln und die Nestlinge beschützen können. Dachhorste allerdings würden die Vögel gar nicht mal so gerne annehmen: „Ratten und Marder vom Dachboden sind hier die Gefahr für Eier und Küken.“

„Schon extremes Wetter, Starkregen, Sturm und Hagel, späte Fröste, auch Blitzschlag führen zu Verlusten von Jungvögeln“, weiß Winter. Der Beauftragte hat mittlerweile einen reichen Erfahrungsschatz. „Die bei uns brütenden Weißstörche leben im nördlichsten Teil ihres mitteleuropäischen Verbreitungsgebietes und sind wohl eher an ein wärmeres und trockeneres Wetter angepasst.“

Der Tod eines Elternteiles während der Aufzuchtszeit könne die ganze Brut vernichten. Wenn das Fehlen eines Partners rechtzeitig bemerkt wird, holen wir die Jungvögel aus dem Horst und bringen sie zur Pflege in die Storchenstation. „Ein Elterntier alleine kann die Jungen nicht hudern und gleichzeitig Futter ranschaffen.“

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