Commerzbank-Studie ermittelt Corona-Folgen beim Einzelhandel in der Region Verden

Mit Optimismus aus der Krise

Ein Mann steht vor einem Geschäftseingang und hält die Studie in den Händen.
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Die Einzelhandelsstudie präsentierte Matthias Schmidt im Pressegespräch.

Landkreis – Mit einem überraschenden Optimismus blickt der Einzelhandel der Region in die Zukunft. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie, die die Commerzbank zu den Auswirkungen der Coronakrise anfertigen lassen hat. In der Metropolregion Bremen erwarten demnach die Einzelhändler zu 82 Prozent in den nächsten drei Jahren eine positive Entwicklung ihrer Betriebe. Beeindruckt zeigte sich Matthias Schmidt von der Kreativität und der Bereitschaft zur Krisenbewältigung, als er die Studie vorstellte.

Spurlos vorübergegangen ist die Krise an den Betrieben nicht. Auch das zeigt die bundesweite Erhebung des Meinungsforschungs-Instituts Ipsos. Unterteilt nach Regionen, hat das Institut 3 500 Unternehmen befragt. In der Region Bremen allein 100 Einzelhändler. Dabei seien nur Betriebe mit einem Jahresumsatz bis 15 Millionen Euro befragt worden. „Das ist schon einigermaßen repräsentativ“, meint Matthias Schmidt, der in der Verdener Niederlassung der Commerzbank für die Unternehmenskunden im Landkreis, aber auch in Rotenburg und Walsrode zuständig ist.

Krise wirkt sich bei 13 Prozent der Betriebe existenzbedrohend aus

In der Zeit des pandemiebedingten Stillstands sei der Umsatz bei 80 Prozent der Einzelhändler zurückgegangen. Angesichts des Lockdowns ist ein solcher Befund ebenso zu erwarten gewesen, wie die Klage von 40 Prozent der Betriebe, die von sehr starken Umsatzeinbrüchen berichten. Wenn jetzt in der Region 13 Prozent der Betriebe feststellen, dass sich die Krise existenzbedrohend ausgewirkt hat, so ist die Metropolregion immerhin besser davongekommen, als der Durchschnitt in der Republik. Bundesweit kämpfen laut Studie 17 Prozent der Einzelhändler ums Überleben ihres Betriebs.

Schmidt weist aber auch darauf hin, dass andere Betriebe keine Umsatzrückgänge beobachtet haben, immerhin 15 Prozent. „Der Online-Handel hatte Zuwächse“, weiß der Banker. Und daran haben sich auch die hiesigen Unternehmen nach Möglichkeit orientiert und in der Krise verstärkt auf die Digitalisierung eingelassen. Fast ein Fünftel der Befragten habe eine eigene Webseite aufgebaut oder betreibt jetzt eine App. Ebenso viele bieten ihre Waren in einem Online-Shop an. Nicht ganz so forsch wie im Bundesdurchschnitt verlagerten die hiesigen Läden ihre Vertriebswege und das Marketing etwa auf Soziale Medien. Bundesweit beschritten immerhin 27 Prozent diesen Weg, in der Region nur 16 Prozent.

Inhaber waren kreativ und flexibel

Umso flexibler hätten die Betriebe aber auf die veränderten Rahmenbedingungen reagiert. Ein Viertel habe angegeben, die Produktpalette verändert und die Möglichkeiten von Click&Meet oder Click&Collect ausgenutzt zu haben. Schmidt erinnerte in dem Zusammenhang an die „Kreativität, mit der sich manche Geschäfte auch vor Ort auf die schwierige Situation eingestellt hatten. Das Spielwarengeschäft in der Fußgängerzone hat die gewünschten Produkte nach meinen Angaben zusammengestellt, und dann konnte ich sie an der Tür abholen“, gibt er ein Beispiel aus der eigenen Erfahrung. Etwa 12 Prozent der Befragten habe einen eigenen Lieferservice aufgebaut, als die Ladentüren geschlossen bleiben mussten.

Zahlreiche Geschäftsleute hätten auf die Lockdowns flexibel reagiert, lobt der Abteilungsdirektor. „In Achim hat eine Schuhhändlerin Ware nach Hause geliefert und auch täglich einen Newsletter verschickt“, nennt er ein weiteres Beispiel. Viel mehr als früher seien Einkäufe online erledigt worden. „Aber die Corona-Krise haben viele auch zum Anlass genommen, verstärkt vor Ort einzukaufen und damit den Einzelhandel in Achim oder Verden zu unterstützen“, sagt Schmidt. „Die Palette der Krisenbewältigung wurde fast komplett angewendet“, stellt Dagmar Baier, Pressesprecherin der Commerzbank für Norddeutschland, fest.

Überbrückung mit Eigenkapital, Hilfen und Krediten

Fast die Hälfte der Teilnehmer an der Studie klagte über eine rückläufige Kundenfrequenz und den Verlust von Stammkunden. Dass dabei hohe Fixkosten den Umsatzverlusten gegenüberstehen, braucht kaum erwähnt zu werden. Auch nicht, dass viele der Ladeninhaber die Umsatzausfälle irgendwie kompensieren mussten. In der Metropolregion, so berichtet Schmidt, hätten 38 Prozent der Befragten auf Eigenkapital zurückgreifen können, bundesweit lag der Durchschnitt mit 44 Prozent sogar noch höher. Die dabei eingesetzte Summe habe überwiegend bei 100 000 Euro und mehr gelegen. 29 Prozent mussten die staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen und ein Zehntel brauchte einen Kredit von der Bank.

Kündigungen nur bei fünf Prozent der Befragten

Als erfreulich bewertet Matthias Schmidt, dass in der Region nur fünf Prozent der Befragten zu Kündigungen von Mitarbeitern greifen mussten. Bundesweit lag der Durchschnitt mit sieben Prozent nur wenig höher. Allerdings hatten auch Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträge weniger Chancen auf Verlängerungen. In zwei Prozent der Geschäfte wurden diese Verträge nicht verlängert. Mit einem Einstellungsstopp reagierten in der Region elf Prozent der Einzelhändler, bundesweit waren es 16 Prozent. Als meist genutztes Instrument führte etwa ein Drittel der Betriebe Kurzarbeit ein, in der Region wie auch im Bundesdurchschnitt. „Mehr als die Hälfte der Händler, 56 Prozent, haben gar keine Personalmaßnahmen durchgeführt“, stellt Schmidt fest.  kle / mm

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