Neue Dynamik aus Hannover: Schüler-und Azubi-Ticket für den Landkreis Verden tragbare Lösung

Mit einem Euro am Tag durchs Land

Junge Menschen stehen auf dem Bahngleis am Zug.
+
Große Freiheit mit Bahn und Bus: Mit dem Schüler- und Azubi-Tcket soll ÖPNV billiger und attraktiver werden.

Landkreis – Studenten kommen günstig durchs Land. Auch wenn sie gerade nicht zur Vorlesung gehen, berechtigt sie ein Ticket zur Nutzung von Bahn und Bus, das sie jedes Semester mit den Uni-Gebühren erwerben. Eine ähnliche Reisefreiheit sollten auch Azubis, Bufdis und alle Schüler bekommen, die über die Mittelstufe hinaus Schulen besuchen. Eine solche Entlastung für manche Familie streben der Landkreis, aber auch der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) schon seit Jahren an.

Bislang scheiterten sämtliche Bemühungen, weniger an den Kosten als an den Zuständigkeiten. Jetzt gewinnt das Vorhaben in Hannover neue Dynamik, das Schüler- und Azubi-Ticket könnte im nächsten Jahr Wirklichkeit werden.

Bis zum Ende der Mittelstufe kommen die Schüler auf Kosten des Landkreises zur Schule. Das ist seine Aufgabe und die lässt er sich auch Jahr für Jahr einige Millionen Euro kosten. Oberstufenschüler, aber auch Azubis müssen die Bus- oder Zugfahrt zur Schule selbst finanzieren. Auch alle jungen Menschen, die einen Freiwilligendienst für die Gesellschaft leisten, müssen die Fahrt zu ihrer Bufdi- oder FSJ-Stelle vom Taschengeld bezahlen. Da wächst dann manchmal die Belastung für die Betroffenen und ihre Familien so stark an, dass sie überlegen müssen, ob ihre Zukunftspläne überhaupt zu finanzieren sind.

Mehr Chancengleichheit und ÖPNV-Förderung

Neben einem Stückchen mehr Chancengerechtigkeit würde ein günstiges Ticket auch den ÖPNV förden und die Bindung der jungen Nutzer daran. Dieses verkehrspolitische Ziel haben Land und Landkreis. Auch der Zusammenschluss von sechs Landkreisen und vier Städten im Raum des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen, ZVBN, dient diesem Ziel. Der Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr hat deshalb ebenfalls bereits seit 2014 versucht, eine regionale Lösung zu schaffen. Für das Schuljahr 2020/21 hatte ein Jahresticket für 365 Euro eingeführt werden sollen, das den Schülern und Azubis zumindest im Verbandsgebiet, in dem auch der Landkreis Verden liegt, freie Fahrt ermöglicht hätte. „Ursprünglich firmierte der Fahrschein auch unter ,365 Euro-Ticket", weil es Ziel war mit einem Euro pro Tag im gesamten VBN-Gebiet fahren zu können“, erklärt Landrat Peter Bohlmann.

Gescheitert ist das Vorhaben dann am Land, das eigene Pläne hatte. „Leider konnte dies wegen der fehlenden finanziellen Unterstützung des Landes Niedersachsen nicht umgesetzt werden. Begründet wurde dies damit, dass das Land selber plane, ein landesweites Angebot für diese Personengruppe einzuführen“, berichtet die Stabsstelle Planung von Karin Vesper den Abgeordneten des Kreistags in einer gerade veröffentlichten Mitteilungsvorlage. Ziel des Landes sei eine Lösung, mit der alle Oberstufenschüler, Azubis und jungen Leute in einem Freiwilligendienst in den Genuss kommen.

Unterschiedliche Zuständigkeiten verhinderten die Lösung

Dass immer noch keine praktikable Lösung vorliegt, ist nach Bohlmanns Auffassung nicht nur mit der Corona-Krise zu erklären. Was das ganze schwierig macht, seien die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Demnach tragen die Landkreise die Verantwortung für den ÖPNV. Die haben sie auf den VBN als Zweckverband wegen der erforderlichen Großräumigkeit übertragen. Den schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV) finanzieren hingegen die Bundesländer. „In diesem Fall spielt das eine große Rolle, weil Bremen und Niedersachsen mit den verbilligten Tickets Verluste entstehen“, merkt Bohlmann an. Das müsse kompensiert werden, ebenso wie die wegfallenden Einnahmen der Busunternehmen, wie zum beispiel der VWE, und Straßenbahnen.

Für die Lösung aus Hannover könnten bereits im Herbst die Grundlagen im Landesnahverkehrsgesetz gelegt werden, ist offenbar die Zeitplanung im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. 30 Millionen Euro mehr Ausgaben im Landeshaushalt für ÖPNV-Förderung sind damit verbunden, im Verdener Kreishaus wäre die Belastung auf ein erträgliches fünfstelliges Maß begrenzt. Die Lösung hat eine vom Wirtschaftsministerium eingesetzte Arbeitsgruppe aus Vertretern der kommunalen Spitzenverbände und Aufgabenträgern des ÖPNV erarbeitet: „Grundlagen landesweite Einführung regionaler Schüler- und Azubitickets.“

Ein Euro pro Tag bei der Einführung

„Um sich preislich in Zukunft nicht namentlich zu sehr zu binden, wird jetzt von Schüler- und Azubitickets gesprochen. Mit einem Euro pro Tag soll aber begonnen werden. Zumindest ist es richtigerweise die Vorgabe vom Land, dass das Ticket bei der Einführung nicht mehr als 30 Euro pro Monat kosten darf“, stimmt Bohlmann den Plänen zu.

Gerechtigkeit unabhängig von Fahrzonen

Damit werde Gerechtigkeit auch im Kreisgebiet geschaffen, weil Fahrschüler unabhängig von den Fahrzonen das Gleiche bezahlen oder erstattet bekommen. „Auch für Schülerinnen und Schüler zwischen der 11. und 13. Klasse wäre ein solches Ticket erschwinglich – zumal der ÖPNV/SPNV auch für Nichtschulwege in Anspruch genommen werden kann.“

Von Ronald Klee

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Meistgelesene Artikel

Das vielleicht letzte Baugebiet Verdens

Das vielleicht letzte Baugebiet Verdens

Das vielleicht letzte Baugebiet Verdens
217 Kritiker-Unterschriften gegen Ruheforst-Pläne

217 Kritiker-Unterschriften gegen Ruheforst-Pläne

217 Kritiker-Unterschriften gegen Ruheforst-Pläne
CDU und Grüne gehen mit von Seggern:  „Für ein starkes Dörverden“

CDU und Grüne gehen mit von Seggern: „Für ein starkes Dörverden“

CDU und Grüne gehen mit von Seggern: „Für ein starkes Dörverden“
Achim: Landkreis plant Sporthalle auf dem Campus

Achim: Landkreis plant Sporthalle auf dem Campus

Achim: Landkreis plant Sporthalle auf dem Campus

Kommentare