Chancen und Risiken von Schulabgängern

Bildungsbericht für den Kreis Verden: Mit Ausbildung sicherer im Job

Schule und Ausbildung im Landkreis: Der zweite Bildungsbericht gibt einen Überblick.
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Schule und Ausbildung im Landkreis: Der zweite Bildungsbericht gibt einen Überblick.

Im zweiten Bildungsbericht für den Landkreis sind zahlreiche Daten zusammengefasst. Auch über die Auswirkungen der Pandemie. Sie führt zu einer deutlichen Abnahme der allgemeinen Lebenszufriedenheit unter den Jugendlichen.

Landkreis – Fast Vollbeschäftigung im Landkreis, Arbeitslosigkeit scheint keines der drängenden Themen zu sein. Selbst die Corona-Krise hat die stabile Wirtschaftsstruktur eher bestätigt. Das belegen die Arbeitsmarktdaten. Dass das aber nur ein Teil der Wahrheit ist, zeigt der zweite Bildungsbericht, den Landkreis-Mitarbeiterin Tina Thierbach dem Schul- und Sportausschuss des Kreistags vorlegte.

Ihre Befragungen ergaben, dass 13,8 Prozent der 48 971 Kreisbewohner im Erwerbsalter, die keinen Ausbildungsabschluss haben, sehr wohl von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Von denen, die eine Ausbildung vorweisen können, sind nur 4,1 Prozent ohne Job, Akademiker sogar nur zu 2,1 Prozent.

Daten und Analysen liefert die Agentur für Arbeit verlässlich und auf hohem Niveau. Auch die liegen Tina Thierbach vor, ebenso wie die Daten des Statistischen Landesamtes. „Zusätzlich“, so berichtet die Soziologin, „führen wir jährlich auch Befragungen der Schüler in den Abgangsklassen durch.“ Da werde nach der Teilnahme an beruflicher Orientierung und der weiteren Perspektive gefragt, ob sie schon einen Ausbildungsvertrag haben oder ein Studium anstreben.

„Diesmal haben wir auch eine Unternehmensbefragung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie gemacht“, berichtet Thierbach. Ihr Bericht erscheint in einer turbulenten Zeit mit schweren Auswirkungen auf Schulen und Kitas, also den gesamten Bildungsbereich. So konnte Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung eine deutliche Abnahme der allgemeinen Lebenszufriedenheit unter den Jugendlichen beobachten. Auf einer Skala zwischen 1 (überhaupt nicht zufrieden) und 11 (völlig zufrieden) sank die durchschnittliche Zufriedenheit der Befragten von 7,8 auf 4,8.

Mit ihren Erhebungen konnte Thierbach für den Bildungsbereich, der vom Kindergarten bis zum Schulabschluss auf das Erwerbsleben vorbereiten soll, fehlende Daten gewinnen und Lücken schließen. Ihr Bericht überzeugte denn auch die Abgeordneten im Ausschuss von der sozial- und wirtschaftspolitischen Bedeutung, die ihre Arbeit im Bildungsmonitoring hat. Auf diese Bedeutung macht Landrat Peter Bohlmann im Vorwort der Auswertung aufmerksam: „Bildung ist wesentlich für die Zukunftsfähigkeit unserer wachsenden Region. Dazu gehört es, Chancengerechtigkeit herzustellen und jedem Menschen unabhängig von Alter, sozialem Status oder Herkunft die für ihn oder sie bestmögliche Bildung zu gewährleisten. Sie ist ein immer wichtigerer Standortfaktor, sowohl für die Ansiedlung von Unternehmen als auch bei der persönlichen Wohnortwahl. Dementsprechend gilt es, unsere Bildungslandschaft von der frühkindlichen Bildung bis hin zu Bildungsangeboten für Seniorinnen und Senioren mit allen Beteiligten stetig weiterzuentwickeln, um auch zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen stets gewachsen zu sein.“

Die von Bohlmann angesprochene Chancengerechtigkeit war für die Beratung ein zentraler Punkt. Für Erich von Hofe (Grüne), der die Angabe alarmierend fand, dass ein Viertel der Ausbildungsverträge vorzeitig beendet wird und dass damit schwerwiegende Folgen für die Chancen am Arbeitsmarkt verbunden sind. Er wies auf die Arbeit des Bildungsverbunds Schule Beruf hin, der sich mittlerweile kreisweit mit der Erleichterung des Übergangs von der Schule ins Berufsleben befasst. Möglicherweise seien hier Ansätze für die Arbeit zu erkennen, schlug von Hofe vor. Thierbach konnte allerdings die Zahlen ein Stück weit relativieren. Ausbildungsabbrüche lägen bereits seit vielen Jahren bundesweit bei etwa 25 Prozent der Verträge.

Anhand der zusammengestellten Daten verfolgt der Bildungsbericht die Schulische Laufbahn und die sich daran anschließenden Bedingungen für das Arbeitsleben. Dabei zieht sich quer durch die Ergebnisse, dass etwa die Laufbahnen von männlichen und weiblichen Kindern und Jugendlichen immer noch erheblich voneinander abweichen. So machen Mädchen am häufigsten das Abitur, und zwei Drittel der Auszubildenden sind männlich.

Deutsche Sprache entscheidender als der Migrationshintergrund

Noch größer sind die Unterschiede, wenn man die Laufbahn und Qualifikationen von Heranwachsenden mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit vergleicht. Demnach haben nur vier Prozent der Abiturienten im Landkreis eine ausländische Staatsangehörigkeit. Dabei ist der Anteil von Einwohnern mit ausländischer Staatsangehörigkeit mit 7,8 Prozent fast doppelt so hoch. Auch ist der Anteil von unter 18 Jahre alten Jugendlichen an der Gruppe mit ausländischer Staatsangehörigkeit höher als in der Bevölkerung mit deutschem Pass. Entscheidend für den Erfolg im Schulsystem sei allerdings nicht ein Migrationshintergrund, sondern, ob die Familiensprache Deutsch oder eine andere sei, erläuterte Thierbach.

Zahl der Kinder im Vorschulalter wächst

Der Bericht gibt außerdem einen Überblick über die allgemeine Entwicklung im Bildungsbereich. So zeige er etwa, dass die Zahl der Krippen- und Kitaplätze wächst. Gleichzeitig wachse die Zahl der Kinder im Vorschulalter. Diese Entwicklung stehe im Zusammenhang mit dem steigen Wachstum der Bevölkerung im Landkreis in den zurückliegenden zehn Jahren. „Das liegt an einem positiven Wanderungssaldo, der den negativen Geburtensaldo ausgleicht“, so Thierbach. Fast die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler wechselt nach der Grundschule auf ein Gymnasium. Dennoch verlassen die meisten Schülerinnen und Schüler die Schule mit einem Realschulabschluss.

Im zweiten Bildungsbericht nach der Premiere im Jahr 2019 wurden erstmals auch Zahlen der Kreisvolkshochschule ausgewertet. Besonders das Angebot an berufsbezogenen und abschlussbezogenen Kursen ist im niedersächsischen Vergleich stärker ausgebaut.  

Der Bildungsbericht ist auf der Internetseite des Landkreises unter www.landkreis-verden.de/bildungsbericht abrufbar.

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