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Missbrauch: Sechs Jahre Haft für Thedinghauser

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Von: Wiebke Bruns

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Ein Mann sitzt  vor Gericht und hält sich einen Aktendeckel vor das Gesicht, um nicht erkannt zu werden.
Der 37-Jährige ist einschlägig vorbestraft. © Bruns

Er ist einschlägig vorbestraft und steht unter Führungsaufsicht. Dennoch übte ein 37-Jähriger aus Thedinghausen erneut sexuelle Gewalt gegen Kinder aus. Jetzt sprach die 3. Große Strafkammer des Landgerichtes Verden ihr Urteil darüber.

Verden/Thedinghausen – Zu sechs Jahren Haft ist gestern am Landgericht Verden ein einschlägig vorbestrafter und unter Führungsaufsicht stehender Sexualstraftäter aus Thedinghausen verurteilt worden. Schuldig gesprochen hat die 3. Große Strafkammer den 37-Jährigen des vierfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern, davon in zwei schweren Fällen, sowie des Herstellens kinderpornografischer Schriften.

Die vier Taten hat er an drei Kindern verübt, die scheinbar häufig zu Gast bei ihm waren. Das jüngste Kind war laut dem Vorsitzenden Richter Lars Engelke erst fünf Jahre alt. Nur eine Tat im ehelichen Schlafzimmer hatte der Mann bis zuletzt geleugnet. Niemals sei er mit dem Mädchen alleine gewesen. Deshalb musste das Kind in dem Prozess aussagen.

Mädchen unter Vorwand ins Schlafzimmer gelockt

Er lockte das Mädchen unter dem Vorwand, „ihr ein Buch über Ponys zu zeigen“, in das Schlafzimmer, wo er es dazu brachte, sich vollständig zu entkleiden, so die Feststellungen im Urteil. Bei dieser Tat kam eine Massageliege zum Einsatz. Als mobiler Masseur soll der Angeklagte seine Dienste angeboten haben und wurde damit von der Polizei in eine Falle gelockt und festgenommen.

Kind muss vor Gericht aussagen

Die Aussage des Kindes, die genauso wie die Plädoyers und die Angaben des Angeklagten zu seiner Person, unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgte, war „von Detailreichtum geprägt“ und konstant, stellte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung fest. „Sodass wir von dieser Tatbegehung absolut überzeugt sind“, betonte Engelke.

Keine der vier Taten wertete das Gericht als minderschweren Fall. Die volle Schuldfähigkeit des gebürtigen Osterholzers stand außer Frage. Sein Geständnis, seine Entschuldigung und die Tatsache, dass er zwei Kindern die Aussage in dem Prozess erspart hat, wertete die Kammer positiv.

Zum Schweigen genötigt

Strafschärfend wurde jedoch das Alter des jüngsten Opfers gewertet und, dass dieses Kind bei der Tat „nicht unerhebliche Schmerzen“ erlitten hat. Außerdem die psychischen Folgen für alle drei Kinder und das „Schweigegelübde“, mit dem der Mann ein Opfer in „echte Gewissenkonflikte gestürzt“ habe. Zudem seine einschlägigen Vorstrafen.

2013 war der heute 37-Jährige wegen Besitzes einer Schusswaffe zu einer Geldstrafe verurteilt worden. In den Jahren 2014 und 2015 folgten drei Verurteilungen zu Freiheitsstrafen mit und ohne Bewährung durch das Amtsgericht Rotenburg wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Diese wurden im August 2015 in einer Gesamtstrafe in Höhe von zwei Jahren und zehn Monaten zusammengefasst, die der Angeklagte bis zum 12. Januar 2017 verbüßte.

Die vier in Thedinghausen verübten Taten wurden somit „unter laufender Führungsaufsicht“ begangen. „Eigentlich in geschütztem Rahmen“, merkte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung an.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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