Flächendeckend verlangen die Banken im Landkreis Verden mittlerweile Gebühren für das Verwahren von Geld

Minuszins knabbert am Vermögen

Ein halb gegessener Keks auf einem Teller
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Die Inflation und die Negativzinsen lassen deponierte Guthaben schrumpfen.

Die Inflation knabbert am Ersparten und mittlerweile auch Strafzinsen, Verwahrentgelte oder Negativzinsen. Eine Bank zu finden, die nicht für die Aufbewahrung auch kleinerer Vermögen Gebühren erhebt, ist kaum noch möglich. Zumindest nicht im Landkreis Verden. Die Kreditinstitute verlangen durchgängig ein halbes Prozent für die Aufbewahrung der Guthaben. Allerdings trifft das doch eher einen kleinen Teil der Kundschaft. Je nach Bank wird der Strafzins erst ab einer Einlage von 25 000 oder 50 000 Euro erhoben.

Landkreis – Das Plüschfaultier Willi soll in diesem Jahr die kleinen Kunden zur Sparwoche der Kreissparkasse locken. Wer sein Sparschwein opfert und schlachtet, darf mit dem textilen Spielkameraden davonziehen. Zumindest die Sparkasse hält an der traditionellen Veranstaltung fest, mit der sie einst als Weltspartag den Sinn für den Aufbau von Privatvermögen fördern wollte. Angesichts des Zinsgewinns, den der Inhalt des Sparschweins nach dem Schlachtfest verspricht, ist Willi allerdings sicher die lukrativere Rendite. Die großen Sparer müssen damit rechnen, dass ihre Rücklagen aus dem, was sie mit ihrem Konsumverzicht angesammelt haben, langsam aber sicher vor sich hin schrumpfen.

Unter dem Druck der niedrigen Zinsen und der Kosten, die auch in den Banken für die Aufbewahrung von Geldern anfallen, haben mittlerweile alle Kreditinstitute sich darauf eingerichtet, diese Kosten den Kunden in Rechnung zu stellen. Das Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland hat allerdings Zweifel, ob das immer gerechtfertigt ist. Hier und da wurden auch die Gerichte bemüht, um einzelne Punkte der Verfahrensweise zu klären.

Es gibt unterschiedliche Freibeträge

„Wir haben uns im Laufe des Jahres entschlossen, den Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) in Form eines Verwahrentgelts von derzeit 0,50 Prozent an unsere Kunden weiterzugeben. Hierbei gibt es Freibeträge, sodass nur wenige Kunden Verwahrentgelte zahlen beziehungsweise nur in einem geringen Umfang“, berichtet Dr. Beate Patolla für die Kreissparkasse den Stand der Dinge im Landkreis Verden.

Damit zieht die Kreissparkasse mit der Volksbank Niedersachsen-Mitte gleich. „Aus diesem Grund erheben wir für unsere Firmen- und Privatkunden ein Verwahrentgelt auf Einlagen ab einem Guthabensaldo von 250 000 Euro in Höhe von 0,5 Prozent. Für Neukunden stellen wir einen Freibetrag von 100 000 Euro auf dem laufenden Konto zur Verfügung“, berichtete Helke Dierks, die Pressesprecherin der Bank.

Schritt zum Negativzins fiel nicht leicht

So ganz leicht ist es den Kreditinstituten offenbar nicht gefallen, die Entgelte zu erheben. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich die Bremische Volksbank, die auch eine Niederlassung in Achim hat, dazu entschlossen. „Das ist ein extrem schwerer Schritt“, hatte Ulf Brothuhn, Vorstandsvorsitzender, der Bremischen Volksbank, den Mitgliedern auf der Vertreterversammlung erklärt. Seit geraumer Zeit beschäftigt die Genossenschaftsbank das Szenario. So lange wie möglich habe man versucht, diesen Schritt abzuwenden, sagte Brothuhn.

Erst wenige Tage ist es her, dass die Volksbank Wümme-Wieste mit ihren Niederlassungen in Ottersberg und Fischerhude sich auf den Weg in Richtung Negativzins gemacht hat. Die Vertreterversammlung habe den Beschluss gefasst, berichtete Kai Hollinger mit. Der Mann fürs Privatkundengeschäft in der Bank erläuterte, dass sein Haus bereits seit Längerem mit Kunden, die 250  000 Euro und mehr auf dem Konto hatten, individuelle Verträge geschlossen wurden.

In Planung sei jetzt aber, wahrscheinlich ab Dezember ab einem Guthaben von 50 000 Euro pro Person, ebenfalls ein halbes Prozent zu erheben. Bei Firmenkunden gehe der Freibetrag bis 100 000 Euro.

Den Banken entstehen durch Einlagen Kosten

Die Oldenburgische Landesbank, die in Verden eine Niederlassung betreibt, beschäftigt sich schon länger mit dem Problem. „In Verden betreuen wir Firmen- und Unternehmenskunden, mit denen es auch in der Vergangenheit häufig schon entsprechende Vereinbarungen gegeben hat. Bei kleinen und mittelständischen Firmenkunden sowie Freiberuflern gilt das Verwahrentgelt ab einer Höhe von mehr als 500 000 Euro Einlage auf dem Businesskonto, bei Unternehmenskunden/Corporateskunden gilt die Grenze von 2,5 Millionen Euro“, erläutert Silchmüller.

Banken, die sich mehr auf Firmen und vermögende Kunden ausrichten, sind natürlich häufiger davon betroffen, dass ihre Kundschaft größere Guthaben bei ihnen deponieren. „Für überschüssige Einlagen müssen Banken negative Zinsen am Interbankenmarkt zahlen und durch den EZB-Strafzins entstehen zusätzliche Kosten“, so erklärt OLB-Sprecherin Britta Silchmüller den Zusammenhang.

Die Deutsche Bank verlangt laut Preissaushang für die Verwahrung von Einlagen auf persönlichen Konten, Anlagekonten zum Wertpapierdepot, Tagesgeldkonten, Verrechnungs- und Wertpapierkonten ein variables Verwahrentgelt in Höhe von derzeit 0,5 Prozent. Auch sie räumt Freibeträge ein, für die kein Verwahrentgelt erhoben wird. Bei Tagesgeldkonten wird das Entgelt ab 25 000 Euro, bei Persönlichen Konten, Anlage- und Verrechnungskonten ab 50 000 Euro erhoben.

Bei Sparkasse und Volksbank, die mit dem Anspruch am Markt agieren, einen Querschnitt der Gesellschaft zu bedienen, ist der Anteil großer Vermögen in ihrer Kundschaft kleiner. „Das Thema Negativzinsen/Verwahrentgelte ist in unserer täglichen Beratung nur ein Randthema. Die wenigsten Kundinnen und Kunden sind von dieser Regelung betroffen“, berichtet denn auch Helke Dierks.

Keine Rückbesinnung auf Omas Sparstrumpf

Das Problem aber wächst mit der Höhe der Summe, die in den Büchern der Banken schmort. „Wir als Volksbank Niedersachsen-Mitte stellen weiterhin einen enormen Zuwachs an Kundeneinlagen fest und werden bedauerlicherweise seit Langem durch negative Geld- und Kapitalmarktzinssätze belastet“, berichtet Helke Dierks.

Die Rückbesinnung auf Oms Sparstrumpf haben die Banken allerdings nicht im Sinn. Sie sehen sich nicht als Verwahranstalten von Geld, sondern als Anbieter von Finanzprodukten, und die wollen sie verkaufen. „Sollten die Guthabensalden die Freibeträge überschreiten, führen unsere Beraterinnen und Berater mit den jeweiligen Kundinnen und Kunden ein persönliches Gespräch zu möglichen Anlagealternativen. Gemeinsam werden individuelle Lösungen passend zu den Bedürfnissen der Kundinnen und Kunden gefunden“, sagt Volksbanksprecherin Dierks. Und fast wortgleich äußern sich auch die Kollegen in den anderen Häusern.

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