Barmer Gesundheitsreport für Landkreis Verden

Alarmierende Zahlen: Wenn Milchzähne bröckeln

Kind mit offenem Mund beim Zahnarzt: Kreidezähne bei Kindern.
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Kreidezähne bei Kindern. Gelb, bräunlich und dann bröckelt es, so die Diagnose. Immer mehr Heranwachsende leiden darunter.

Es sieht nicht nur übel aus, es ist auch so und tut sehr weh: Die Zähne gelb, dann braun, dann bröckeln sie. Schon bei kleinen Kindern, und oftmals muss man hilflos zu sehen und keiner weiß so Recht die Ursache. Auch im Landkreis Verden leiden immer mehr jüngere Menschen darunter....

Verden – Zunächst gelb, dann bräunlich, dazu empfindliche Schmerzen und schließlich werden die Zähne auch noch bröselig. Nicht bei älteren Menschen, schon bei Kindern in ganz jungen Jahren. Der jüngste Gesundheitsreport der Barmer schlägt Alarm. „Insbesondere Milchzähne sind befallen und der Landkreis Verden liegt bei den Betroffenen in Niedersachsen mit an der Spitze“, sagt Michael Erdmann, Pressesprecher der Barmer in Niedersachsen, in einem Gespräch.

Kreidezähne im Landkreis Verden: Schon beim Putzen schmerzen die Zähne

Was sich zunächst wie ein Wortungetüm liest, entpuppt sich auch im wahren Leben als ein Ungeheuer. Ärztinnen und Ärzte sprechen von der sogenannten Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Kreidezähne ist der gängige Begriff, der sich umgangssprachlich durchgesetzt hat, wenn die Mediziner bei einem Kind sehr weichen Zahnschmelz mit den nachfolgend dramatischen Folgen feststellen. „Schon beim Putzen schmerzen die Zähne, was es für die Betroffenen nicht einfacher macht“, sagt Michael Erdmann. Weil sich die Fälle immer mehr häuften, hat die Barmer dem Problem eine umfangreiche Studie gewidmet, die Daten ihrer neun Millionen Versicherten, davon 300 000 in Niedersachsen, anonym ausgewertet. Das Ergebnis des jüngsten Gesundheitsreports: „Bundesweit sind etwa 230 000 Sechs bis Neunjährige seit 2019, also vor der Pandemie, in Behandlung. In Niedersachsen sind es in der Altersgruppe 15 000 oder 7 Prozent. Damit liegt das Bundesland zwar im Mittelfeld, allerdings schneidet Verden da mit 7,3 Prozent vergleichsweise schlecht ab“, so Erdmann. „Umgerechnet sind das circa 300 Kinder, also fast eine komplette Grundschule.“

Betroffene im Landkreis Verden: Umgerechnet sind das circa 300 Kinder, also fast eine komplette Grundschule

Die Zahlen sind besorgniserregend, um so mehr, weil wissenschaftlich nicht erwiesen ist, wo genau die Gründe der Krankheit zu suchen sind. „Nach unseren Untersuchungen werden verschiedene Ursachen diskutiert. So kommen unter anderem Mikroplastik in Spielzeugen oder in kosmetischen Produkten und Kunststoffweichmacher wie Bisphenol A etwa in Babyprodukten, infrage“, zählt Erdmann auf. Aber auch Probleme in der Schwangerschaft, die Einnahme von Antibiotika oder Erkrankungen wie Windpocken könnten der Auslöser sein.

Sowohl Kinder aus einkommensschwachen als auch aus sehr einkommensstarken Elternhäusern

Systematisch haben die Forscher bei der Datenausweitung auch die sozialen Strukturen der Betroffenen unter die Lupe genommen. „Aus der Analyse geht hervor, dass sowohl Kinder aus einkommensschwachen als auch aus sehr einkommensstarken Elternhäusern vermehrt unter Kreidezähnen leiden und in Behandlung sind“, berichtet Erdmann. Regional stellten die Experten vor allem bei Heranwachsenden im Westen und Nordosten Deutschlands verstärkt positive Befunde fest. Am höchsten liegt der Wert mit einem Anteil von 10,2 Prozent in Nordrhein-Westfalen, so die Studie der Barmer.

Was sich hinter MIH oder eben Kreidezähnen verbirgt, macht nicht nur den Betroffenen, sondern auch der Familie insgesamt erheblich zu schaffen. „Die Schmelzbildungsstörung tritt meistens an den ersten bleibenden Backenzähnen auf, häufig auch an den bleibenden Frontzähnen“, erklärt Jonas Kück, Regionalleiter der Barmer in Verden. In manchen Fällen seien schon Milchzähne betroffen. Sobald die entsprechende Diagnose vorliege, müssten daher umgehend die Prophylaxe einsetzen. Andernfalls sei das Risiko groß, dass die Zähne schneller porös würden und einzelne Stücke abbrächen.

Nur sieben von zehn Menschen einmal pro Jahr beim Zahnarzt vorstellig

Prophylaxe, da ist Regionalleiter Kück mittendrin in einem weiteren Thema: „Wir können immer wieder nur an die Menschen appellieren, regelmäßig den Zahnarzt aufzusuchen, und nicht erst dann, wenn es schmerzt.“ Bedenklich sei, dass nachweislich nur sieben von zehn Menschen einmal pro Jahr beim Zahnarzt vorstellig werden. Noch alarmierender seien Untersuchungen, wonach laut einer Befragung mehr als 64 Prozent der Zwölfjährigen noch keine Vorsorgeerfahrung, also noch nie beim Zahnarzt gewesen seien. Kück und Erdmann sind angesichts der Corona-Pandmie in großer Sorge, dass sich der Wert eher noch verstärke: „Die Dunkelziffer dürfte mittlerweile mit Blick auf die vergangenen eineinhalb Jahre deutlich höher liegen. Da dürfte noch einiges auf uns zu kommen.“

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