Psychisch kranker Mann vor Gericht

Stimmen im Kopf befehlen Messerattacke: Anklage wegen versuchten Totschlags

Verpixelter, angeklagter Mann im Gericht
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Vor dem Landgericht angeklagt: Stimmen hätten ihm befohlen, das Messer zu nehmen, so der 23-Jährige.

Seit Mittwoch muss sich in einem Sicherungsverfahren am Landgericht Verden ein 23 Jahre alter Beschuldigter aus Hoya wegen versuchten Totschlags verantworten. Der Mann gilt als psychisch krank. Stimmen sollen ihm befohlen haben, bei einer Tat im Mai 2019 in Hoya auf einen 35-Jährigen einzustechen.

Verden - Bereits im November 2018 soll der 23-Jährige im Bereich des Verdener Ysotunnels erst ein Kind geschlagen und dann einen Taxifahrer, der eingeschritten war, krankenhausreif geprügelt haben. Wegen der Verdener Tat hatte die Staatsanwaltschaft später Anklage beim hiesigen Amtsgericht erhoben, doch das Verfahren wurde später angesichts des am Mittwoch gestarteten Sicherungsverfahrens eingestellt. Grund ist die Annahme der Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte in Hoya im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben dürfte.

Auslöser sei eine paranoide Schizophrenie, die den gebürtigen Sulinger nicht vorhandene Stimmen hören lasse. So soll es auch bei der Tat in Hoya gewesen sein. Der 23-Jährige habe sich krankheitsbedingt „verfolgt gefühlt und Stimmen gehört“, heißt es dazu in der gestern verlesenen Antragsschrift. Diese Stimmen hätten ihm „befohlen“, das Messer zu nehmen und auf das Opfer einzustechen.

Das Opfer überlebte laut Zeugenaussagen und eines Rechtsmediziners nur dank eines sehr schnellen Rettungseinsatzes. Der 35-Jährige ist aber noch immer krank geschrieben und leidet bis heute unter den körperlichen und psychischen Folgen. Eine weitere Operation steht kurz bevor.

Landgericht Verden: Mögliche Unterbringung in Spezial-Krankenhaus

Sollte das Gericht in dem am Mittwoch gestarteten Verfahren zu der Überzeugung gelangen, dass der 23-Jährige der Messerstecher bei der Tat in Hoya war und er für die Allgemeinheit gefährlich ist, dann droht ihm zwar kein Gefängnis, aber die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Dort befindet sich der junge Mann derzeit auf Grund eines vorläufigen Beschlusses.

Anders als bei Strafen, die sich aufsummieren lassen, macht es keinen Unterschied, ob die Unterbringung einmal oder mehrfach angeordnet wird, denn diese ist unbefristet. Deshalb wurde das Verfahren wegen der Tat in Verden eingestellt und nur die schwerwiegendere Tat in Hoya verhandelt.

An dem Überfall in Hoya sollen vier weitere Täter beteiligt gewesen sein. Im Bereich des dortigen Gymnasiums soll die Gruppe sich abends aufgehalten haben, als der 35-Jährige mit dem Fahrrad vorbeifahren wollte. Ohne ersichtlichen Anlass, so der Vorwurf, sei der Mann angegriffen worden. Die anderen vier Tatbeteiligten stehen seit November in Verden wegen versuchten Mordes vor Gericht, haben eine Tatbeteiligung durch Tritte und Schläge eingeräumt. Aber sie bestreiten eine Tötungsabsicht. Von allen wurde der 23-Jährige als derjenige benannt, der zugestochen habe.

Am Montag, eine Uhrzeit steht noch nicht fest, soll in dem Strafprozess gegen diese vier Angeklagten aus Eystrup, Hassel und Duddenhausen (Kreis Nienburg) ein Urteil verkündet werden. Die Staatsanwaltschaft hat mehrjährige Jugendstrafen beantragt.

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