37-Jähriger gesteht Tat

Mit Messer ins Gesicht

Verden – Seit Mitte Januar muss sich ein 37 Jahre alter Angeklagter aus Oyten vor dem Schwurgericht der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden verantworten. Er hat gestanden, am Abend des 5. Mai 2019 einem heute 25 Jahre alten Bewohner einer Oytener Obdachlosenunterkunft mit einem Messer ins Gesicht gestochen zu haben. Doch was die Staatsanwaltschaft Verden als versuchten Totschlag wertet, war nach Darstellung des Angeklagten nur Notwehr.

Laut dem Angeklagten ging es um Drogen und seine Überlegung, das spätere Opfer wegen des angeblichen Besitzes von 1 000 Gramm Cannabis und 1 000 Euro Falschgeld anzuzeigen. Ein Bekannter habe ihm davon berichtet. Allerdings habe der Bekannte auch dem 25-Jährigen von der geplanten Anzeige erzählt.

Am Tattag will der Angeklagte zunächst auf einer Konfirmationsfeier reichlich getrunken haben. Abends habe er Drogen gewollt und sei dafür in die Obdachlosenunterkunft zu dem 25-Jährigen gefahren. Die spätere Tatwaffe, ein Messer mit sieben Zentimeter Klingenlänge, habe er vorsorglich mitgenommen und in seiner Socke versteckt. Weil er nicht gewusst habe, was passieren würde. „Ich habe ihn genötigt. Du gibst mir was oder ich bin morgen bei der Polizei“, erklärte er. „Aber ich habe nicht gedacht, dass ich das Messer einsetzen würde.“

Gleich nach Betreten der Unterkunft habe sich der Bekannte, der übrigens eine Zeugenaussage vor Gericht verweigert hat, in seinem Zimmer eingeschlossen. Vorher soll er dem Angeklagten gesagt haben, dass der 25-Jährige im Bad sei. „Da werden immer die Geschäfte abgewickelt, weil da keiner reingeht“, erklärte der Angeklagte den Richtern. Beim Betreten des Bades habe er gleich einen Gegenstand ins Gesicht geschlagen bekommen. Von dem 25-Jährigen der hinter der Tür gestanden habe. „Ich ging zu Boden, lag auf dem Rücken. Mir wurde schwarz vor Augen“, schilderte der 37-Jährige. Der Angeklagte habe ihn getreten. Seinen Kopf habe er geschützt, doch zwei Rippen habe ihm der 25-Jährige gebrochen, die sei später in Untersuchungshaft festgestellt worden.

Er habe den 25-Jährigen zu Fall gebracht. Aber nur kurz. „Er nahm mich in einen Würgegriff. Hielt mich wie eine Zange. Ich geriet in Panik, versuchte, mich zu befreien. Er sagte mir immer wieder, dass er mich umbringen werde. Es gelang mir, das Messer aus meiner Socke zu holen.“ Dann habe er nach hinten gestochen. „Ich dachte, das musst du machen, sonst kommst du hier nicht lebend raus. Ich wollte den Arm treffen, nicht das Gesicht. Das tut mir absolut leid.“

„Plötzlich sah ich, dass alles voller Blut war. Ich war völlig geschockt.“ Nacheinander seien sie rausgelaufen. „Du bist tot“, habe der Verletzte ihm draußen noch gedroht. Dann flüchtete der Angeklagte. Am nächsten Tag stellte er sich der Polizei.  wb

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