WOCHE DER DIAKONIE Beratungsstelle Wohnen und Leben

Den Menschen zuhören

Das Team der Beratungsstelle Wohnen und Leben informiert über seine Arbeit (v.l.): Marita Ehlert, ehrenamtliche Mitarbeiterin, Anna-Fiona Rehse, André Klug und Stefan Ihnen. Foto: haubrock-kriedel

Verden - Von Antje Haubrock-kriedel. Die Woche der Diakonie der Landeskirche Hannover vom 1. bis 8. September steht unter dem Motto „Unerhört!“, ein Wort das durchaus doppeldeutig zu verstehen ist. Dies haben wir zum Anlass genommen, in einer Artikelserie über Bereiche der Diakonie im Kirchenkreis Verden zu informieren, die eher im Verborgenen stattfinden. Den Anfang macht die Beratungsstelle Wohnen und Leben des Lebensraums Diakonie e.V. am Nikolaiwall 10.

An einem Donnerstagmorgen herrscht in der Beratungsstelle schon viel Betrieb. Ein Familienvater aus Eritrea braucht Hilfe, um das Bildungspaket für seine Kinder zu beantragen, ein anderer braucht ein neues Schloss für seine Wohnung. Einige sind auch einfach nur zum Frühstück vorbeigekommen. Frühstücken kann man hier immer donnerstags zum Preis von zwei Euro.

Die Beratungsstelle in Verden ist eine Begegnungsstätte des Lebensraums Diakonie e.V. für Menschen in Notlagen. Das ist vor allem Wohnungslosigkeit oder drohender Verlust der Wohnung, Arbeitslosigkeit, Armut, Krankheit, Behinderung und Suchtmittelabhängigkeit.

Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, zum Beispiel durch eine Zwangsräumung, landen zunächst in einer städtischen Notunterkunft. Dann greift das Wohncoaching. „Unsere Aufgabe ist es, zu gucken, wie es zu dieser Notlage gekommen ist. Wir überlegen, was getan werden muss, um wieder eine Wohnung zu bekommen“, erklärt Sozialarbeiter Stefan Ihnen. Die Umstände, die zum Wohnungsverlust geführt haben, seien dabei ganz unterschiedlicher Natur. „Einige waren zu laut, andere haben finanzielle Probleme“, weiß der Diplom-Sozialpädagoge. Eine Verhaltenstherapie oder eine Schuldnerberatung hilft, die Menschen auf ein selbstständiges Leben im eigenen Wohnraum vorzubereiten. „Es wird aber von Jahr zu Jahr schwieriger, geeigneten Wohnraum zu finden. Es gibt einfach zu wenige Sozialwohnungen“, bedauert Ihnen.

Darüber hinaus bietet der Lebensraum Diakonie ambulante Betreuung für Menschen an, die unter erheblichen sozialen, gesundheitlichen und psychischen Folgeschäden ihrer Abhängigkeitserkrankung leiden. „Wir achten darauf, dass sie nicht wohnungslos werden, gehen mit ihnen zum Arzt, unterstützen beim Umgang mit Behörden oder leisten Haushaltshilfe“, beschreibt Ihnen das Angebot.

Die Beratungsstelle am Nikolaiwall ist für die Klienten Anlaufstelle. Hier können sie sich während der Bürozeiten aufhalten, im geschützten Rahmen in Ruhe einen Kaffee trinken und klönen. Obdachlose können duschen, ihre Wäsche waschen oder sich eine warme Mahlzeit zubereiten. „Fast alle, die zu uns kommen, sind langzeitarbeitslos und beziehen Hartz IV“, berichtet Ihnen. „Für einige verwalten wir auf Wunsch auch das Geld, achten darauf, dass die Miete und der Energieversorger pünktlich gezahlt werden und sorgen dafür, dass das Geld bis zum Monatsende reicht“ , erzählt Teamkollegin Anna-Fiona Rehse.

Manchmal können schon kleine Dinge Großes bewirken. „Einmal haben wir für eine Frau schnell ein Fahrrad organisiert. Ihres war kaputt und sie hätte ihre Putzstelle verloren, da sie ohne Fahrrad nicht hingekommen wäre. Das ist praktische Sozialarbeit wie ich sie liebe“, sagt Stefan Ihnen.

Vom 1. bis 8. September läuft die Woche der Diakonie, die in diesem Jahr unter dem Motto „Unerhört“ steht. Die Diakonie Deutschland und mit ihr auch die Landeskirche Hannover und der Kirchenkreis Verden werben mit der „Unerhört“-Kampagne für eine offene Gesellschaft. Die Diakonie in Niedersachsen wird sich thematisch insbesondere den Alltagshelden widmen, die hauptberuflich oder freiwillig engagiert Menschen begleiten und eine zentrale Stütze unserer Gesellschaft sind. Einige dieser Menschen stellt unsere Zeitung in einer Serie zur Woche der Diakonie vor.

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