Eigene Erfahrungen

Tim Klinker arbeitet als Genesungsbegleiter

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Genesungsberater Tim Klinker mit Karin, eine Besucherin, die das Beratungsangebot gern und regelmäßig wahrnimmt.

Verden - Seine psychischen Probleme hat er überwunden. Nun kann Tim Klinker aus eigener Erfahrung anderen Menschen helfen, Wege aus der Krise zu finden und arbeitet bei der Kontaktstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) am Sandberg als Genesungsbegleiter.

Schon seit den 1980er-Jahren gibt es die Idee, dass Patienten, die selbst in psychiatrischer Behandlung waren, anderen Patienten im Genesungsprozess unterstützend zur Seite springen. Die Kurzformel dafür heißt EX-IN. Diese Abkürzung steht für „Experienced Involvement“, übersetzt „Die Beteiligung Erfahrener“. EX-In ist nicht nur eine wertvolle Unterstützung für Psychiatriepatienten, sondern ebenso für Psychatrie-Erfahrene ein innovativer Beitrag zur beruflichen und sozialen Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Seit drei Jahren ist Tim Klinker fest bei der Awo angestellt. Vor zwei Jahren hat er eine umfassende EX-IN-Ausbildung durchlaufen. „Das war für mich ein großer Glücksfall. Leider gibt es noch nicht so viele Möglichkeiten, als Genesungsbegleiter zu arbeiten“, sagt er.

Verein 2011 gegründet

2011 wurde der Verein EX-IN-Deutschland gegründet. Er dient der Interessenvertretung, der Information sowie der Qualitätssicherung der Arbeit und der Ausbildung von Genesungsbegleitern. Um anderen helfen zu können, ist es wichtig, dass der Begleiter seine Erfahrungen reflektiert und so strukturiert, dass daraus Wissen wird.

In der Praxis werden Genesungsbegleiter oft zu „Dolmetschern“ zwischen zwei Kulturen. Aufgrund ihres eigenen Erfahrungshintergrundes können die EX-Inler eher das Vertrauen der Patienten gewinnen. Der große Vorteil ist, dass Genesungsbegleiter und Betroffene über Erlebnisse statt über Symptome reden können. „Es geht bei den Gesprächen darum, Selbstwertgefühl zu entwickeln und die Erkrankung anzunehmen. Jeder muss lernen, mit seinem eigenen Leben klarzukommen“, erzählt Tim Klinker.

Offenes Angebot

Die Genesungsbegleitung in der Awo-Kontaktstelle am Sandberg ist ein offenes Angebot, die Besucher können kommen, wann sie möchten. „Manchmal kommen nur fünf, dann wieder sind es 25“, so Klinker. Die Krankheitsbilder reichen von Depressionen, Psychosen, Borderline bis hin zu Angststörungen. Viele haben Traumata durchlebt und müssen erst wieder lernen, Vertrauen aufzubauen. „Die Besucher, die hier herkommen, sind aber alle schon auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass die Menschen hier so sein können, wie sie möchten“, weiß Klinker.

Die Erfahrungen aus seiner eigenen Erkrankung helfen ihm bei den Gesprächen. „Wir Genesungsbegleiter wissen, wie es sich anfühlt, wenn man Angst, Panik oder Depressionen hat. Das ist für gesunde Menschen gar nicht nachvollziehbar. Wir bringen Verständnis auf und nehmen die Menschen so wie sie sind und lassen uns auf ihre Geschichte ein. Wir können aus eigener Erfahrung sagen, dass es auch wieder besser wird“, berichtet er.

Tim Klinker selbst ist körperbehindert, litt zudem unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und war suchtkrank. „Ich gelte als geheilt, bin seit 13 Jahren krisensicher“, sagt er. Eine längere Zeit ohne Krise gelebt zu haben, sei auch eine wichtige Voraussetzung, um als Genesungsbegleiter arbeiten zu können.

Alle EX-INler, Angehörige und Interessierte sind morgen, Freitag, um 15 Uhr, herzlich zum EX-IN-Niedersachsen-Netzwerktreffen in die Awo-Kontaktstelle, Sandberg 7, in Verden, eingeladen. Anmeldungen unter timklinker@freenet.de, www.ex-in-niedersachsen.de.

ahk

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