Mehr Nachhaltigkeit

Mehrweg statt Plastik auf dem Weihnachtsmarkt - Kunden meckern und klauen

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Suppe aus recyclebaren Schüsseln und mit Mehrweglöffel: für Köchin Monika Bornscheuer selbstverständlich, doch etliche Kunden mögen es nicht.

Nachhaltigkeit, darauf legt Monika Bornscheuer Wert. Gesagt, getan, bietet sie auf dem Verdener Weihnachtsmarkt ihre Suppen an. Dieses Mal in recyclebaren Schüsseln. Vorbildlich! Aber nicht alle Leute mögen das und meckern. Und sogar geklaut wird!

  • Mehrweg statt Einweg auf dem Weihnachtsmarkt in Verden
  • Kunden von Monika Bornscheuer wollen lieber Einweggeschirr
  • Doch Mehrweg bleibt - der Umwelt zuliebe

Verden – „Ich mache mit.“ Monika Bornscheuer, die auf dem Verdener Weihnachtsmarkt Monis Verdener Futterkrippe betreibt, hat sich in diesem Jahr etwas einfallen lassen, hat kompostier- und recyclefähiges Geschirr und Besteck geordert und die Plastikvarianten aus ihrer Hütte verbannt. Wer an ihrer Bude Suppe, Burgunderbraten, Knipp oder das vegetarische Angebot ordert, bekommt das Gewünschte jetzt auf umweltfreundlichem Geschirr.

Weihnachtsmarkt in Verden: Kunden wollen lieber Einweg

Doch es gibt Anlaufschwierigkeiten. Gespült und recyclebar kommt nicht überall an. Viele Leute wollen lieber Einweg und Plastik. „Manche Besucher meckern sogar und gehen dann weiter“, berichtet Moni kopfschüttelnd. Und noch was: „Größtes Problem sind die hölzernen Suppenlöffel, die gar nicht angenommen werden“, erzählt Bornscheuer. „Dafür habe ich Verständnis, weil das Gefühl im Mund nicht so angenehm ist.“

Die pfiffige Unternehmerin hat sofort reagiert: „Ich habe daher kompostierbare Suppenlöffel eingekauft, aber auch die werden zu von etlichen Kunden nicht angenommen“, wundert sie sich. „Diese Löffel gibt es nur in Schwarz und das mögen viele offenbar nicht.“

Verden: Bornscheuer kauft Mehrweglöffel - Kunden klauen sie

Nächster Versuch: „Ich habe wieder investiert und auf die Schnelle noch 30 Mehrweglöffel angeschafft.“ Erfolgreich, aber: „Schon am ersten Abend waren acht Löffel auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Wo sie abgeblieben sind, weiß ich nicht, aber ich ärgere mich schon darüber“, sagt sie.

Aber Moni Bornscheuer gibt nicht auf: Um das rätselhafte Verschwinden in den Griff zu bekommen, hat sie Pfand in Höhe von einem Euro eingeführt. „Das wollte ich eigentlich nicht, aber anders ist der Schwund nicht in den Griff zu bekommen.“

Kampf für Nachhaltigkeit geht weiter in Verden

Die gute Laune ist Monika Bornscheuer dennoch nicht vergangen. „Ich bleibe einfach entspannt. Es muss sich wohl alles erst einspielen. Ich sehe keinen Grund aufzugeben.“ Und sie sieht alle in der Pflicht: „Die Meere sind voller Plastik und alles schreit nach Nachhaltigkeit, aber scheinbar nur solange, wie es eigene Bereiche und Befindlichkeiten nicht tangiert. Dabei sind wir alle gefordert, und auf dem Weihnachtsmarkt will ich gerne Vorbild sein.“

Nicht zuletzt knüpft Monika Bornscheuer auch an Fridays for Future an. Denn das Geschirr ist ein kleines Beispiel, wie man mit vergleichsweise geringem Aufwand etwas verändern kann.

Auch im Landkreis Oldenburg gibt es interessante Ansätze um Plastikmüll zu vermeiden. So hat Familie Meyer einen Selbstversuch mit spannenden Ergebnissen gestartet.

Kommentar zum Thema: Die Suppe auslöffeln

Von Markus Wienken.

Jeder kennt das. Ein Jahrmarkt mit Buden voller Köstlichkeiten – und rundherum überquellende Mülleimer mit Plastiktellern. Was nicht reinpasst, wird einfach daneben geworfen, den Rest besorgt der Wind und verteilt es in alle Himmelsrichtungen. „Nicht mit mir“, hat sich Monika Bornscheuer gedacht. Ihre dampfenden Suppen landen in appetitlichen und blitzsauberen Mehrwegtellern. Alles picobello. 

Und dann das: Es wird gemotzt und nun muss sich die pfiffige Unternehmerin auch noch dafür rechtfertigen, dass sie sich der Umwelt zuliebe Gedanken gemacht hat. Und Löffel werden auch noch geklaut! Für mich steht fest: Heute esse ich meine Suppe bei Moni! Und ich bin mir sicher: Alles ist tippitoppi – der Umwelt zuliebe.

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