Mehr Sicherheit mit Kreisel oder Ampel

Fast im Minutentakt biegen die schweren Lastwagen in die Max-Planck-Straße oder den Berliner Ring ein.
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Fast im Minutentakt biegen die schweren Lastwagen in die Max-Planck-Straße oder den Berliner Ring ein.

Zu schmal, kräftig abgefahren, unübersichtlich und für alle, die sie benutzen, auch nicht mehr zeitgemäß, so liest sich die Mängelliste der Max-Planck-Straße. Beschrieben ist damit der Abschnitt zwischen Einmündung Berliner Ring und Borsteler Chaussee. „Da wollen wir unbedingt ran, Ideen gibt es und auch ein Planungsbüro soll eingeschaltet werden“, so Rainer Kamermann, Fachbereichsleiter Straßen und Stadtgrün.

Verden – Ob mit Lkw, Auto, Fahrrad oder zu Fuß, wer sich im Bereich der Max-Planck-Straße, zwischen Berliner Ring und Borsteler Dorfstraße bewegt, der muss genau gucken. Es ist der ältere Teil des Abschnittes, über den das ausgedehnte Gewerbegebiet mit seinen Seitenstraßen erschlossen wird. Vieles und in allen Größenordnungen rollt da ab dem frühen Morgen durch. Das soll so sein, doch was vor Jahrzehnten den Ansprüchen genügte, ist jetzt aus der Zeit gefallen. „Wir haben die Straße Mitte der 1990er-Jahre schon einmal saniert“, blickt Rainer Kamermann zurück. 25 Jahre ist das her und der Belag der circa 1,2 Kilometer langen Piste ist lange wieder ab. „Die Verkehrsdichte mit mehr Teilnehmern, aber auch mit deutlich schwereren Fahrzeugen macht eine neue Lösung notwendig“, so Kamermann.

In welche Richtung es gehen soll, ist grob angedacht. Derzeit 6,50 Meter breit, soll der Querschnitt der Max-Planck-Straße in Zukunft bei sieben Metern liegen. Der Schwerlastverkehr könnte sich dann bequem begegnen. Der Vorschlag kommt nicht von ungefähr. „Der eine oder andere Rückspiegel ist schon auf der Strecke geblieben“, weiß Kamermann. Das gelte auch für die zu beiden Seiten liegenden Parkstreifen, die mit 2,50 Metern zu schmal seien und damit immer wieder für Probleme sorgten, wenn Türen geöffnet oder abgestellte Fahrzeuge in den Straßenraum ragten.

Für Fußgänger und Radfahrer gibt es auf den angrenzenden Pflasterungen zwar Raum, allerdings ebenfalls viel zu eng und daher nicht ungefährlich.

Der gesamte Straßenbereich ist mit 16 Meter Breite begrenzt. Der Planer muss mit dem arbeiten, was an Fläche zwischen den Grundstücken zu beiden Seiten zur Verfügung steht. „Die neue Straße sollte einen vernünftigen Querschnitt von sieben Metern haben“, so Kamermann. Auch der Parkstreifen muss, entsprechend der Größe der Lkw, drei Meter breit werden. Außerdem, so ist angedacht, sollen auf der einen Seite die Radfahrer und auf der anderen die Fußgänger getrennt voneinander unterwegs sein. Um alle Teilnehmer unterzubringen, würde einer der beiden Parkstreifen wegfallen. Ganz ohne den Parkraum, das komme nicht infrage. „Wir brauchen die Stellflächen für die Lkw, schließlich ist es ein Gewerbegebiet.“ Allerdings nur begrenzt und nicht auf kompletter Länge. Daher blockiert die Stadt in gewissen Abständen mit Betonkübeln eine ausufernde Nutzung.

Ist die Umgestaltung der Straße noch relativ einfach zu regeln, gestaltet sich die neue gedachte Anbindung an den Berliner Ring deutlich aufwendiger. „Der Einmündungsbereich, wo sich Fußgänger, Radfahrer und Autoverkehr treffen, muss neu gedacht werden. Infrage kommen die Regelung durch eine Ampel oder als große Lösung der Bau eines Kreisels“, so Kamermann. In welche Richtung es gehen soll, da will er den Experten nicht vorgreifen. „Wir werden das prüfen, die Ergebnisse in die Beschlussempfehlung einfließen lassen und diese dann dem Ausschuss vorlegen.“

Bei den Fraktionen rennt der Fachbereichsleiter mit dem Projekt offene Türen ein. „Das Verkehrsaufkommen in dem Bereich ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dem müssen wir Rechnung tragen“, sagt Carsten Hauschild (SPD). „Insbesondere die angrenzenden Einkaufsmärkte ziehen verstärkt Publikum an. Den sogenannten unterrangigen Verkehr müssen wir sicher auf die Straße bringen“, so Hauschild. „Ob mit Kreisel oder Ampel, da bin ich mir noch nicht so sicher. Aber ein Kreisel braucht natürlich viel Platz“, schränkt der SPD-Verkehrsexperte ein.

Eine übersichtliche Lösung mit klaren Strukturen stellt sich Johanna König (Bündnis 90/Die Grüne) vor. „Spontan würde ich mir deswegen eine Ampel wünschen. Da weiß auf dem begrenzten Raum jeder genau, was er machen und was er nicht machen darf.“ Außerdem ließe sich die Ampelregelung schneller umsetzen als der Bau eines Kreisels, für den dann auch noch ein Teil des angrenzenden Rhododendronparkes geopfert werden müsse.

In den Reihen der CDU stößt die Neu- und Umgestaltung des Einmündungsbereiches auf großen Zuspruch. „Wie es genau ausehen wird, darüber wollen wir uns in der Fraktion noch austauschen“, so Parteichef Jens Richter. Er erinnerte an den tödlichen Unfall in dem Bereich. „Wir brauchen an dem Knotenpunkt zügig eine deutlich sicherere Regelung, die insbesondere Radfahrern und Fußgängern gerecht wird.“ Ob ein Kreisel allerdings für Sicherheit und zugleich den schnellen Abfluss der Verkehrsteilnehmer sorge, gelte es zu hinterfragen.

Mehr Sicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer, so würde auch die FDP an das Projekt herangehen. Henning Wittboldt-Müller denkt dabei vor allem an Radfahrer und Fußgänger. „Machen wir uns nichts vor: wer aus der Straße Trift kommt, beim Rewe gegenüber einkaufen will, der nutzt nicht die Ampel Höhe Nadelberg, sondern nimmt den direkten Weg.“ Kreisel oder Ampel? „Ein Kreisel hat sicherlich den Vorteil, dass Lkw, die sich im Gewerbegebiet verfahren haben, ohne große Probleme drehen können“, sagt Wittboldt-Müller. Und er denkt noch einen Schritt weiter: Sollte doch noch irgendwann der dritte Allerübergang kommen, mit Anschluss an den Berliner Ring, dann macht ein Kreisel Sinn, weil sich damit der Autoverkehr besser regeln lasse. „Aber nur, wenn das Bauwerk erheblich größer als bislang in Verden üblich gestaltet wird“, so die Forderung von Wittboldt-Müller.

Von Markus Wienken

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