Fachstelle Verden berät

Suchtgefahr bei Medien so groß wie beim Alkohol

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Heike Gronewold (l.) und Julia Stief werben für das Beratungsangebot bei exzessiver Mediennutzung.

Verden - PC, Internet und Smartphone sind für die meisten aus dem Alltag nicht wegzudenken. Aber immer mehr Menschen können ihren Umgang mit Onlinemedien nur schwer kontrollieren und geraten so in Schwierigkeiten. Jugendliche sind besonders gefährdet.

Doch wie viel Medienkonsum ist noch normal und was nicht mehr? Wo liegen die Risiken? Seit einem Dreiviertel-Jahr bietet die Fachstelle Sucht und Prävention Beratung bei exzessivem Medienkonsum an. Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung fördert das Projekt „re:set!“.

„Die Suchtgefahr durch Onlinemedien ist ähnlich wie beim Alkohol“, weiß Julia Stief. Circa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung seien abhängig. „Bei Jugendlichen ist die Zahl mit fünf bis sechs Prozent allerdings höher, daher seht diese Gruppe besonders im Fokus“, erklärt die Projektverantwortliche. Das Internet allein mache nicht abhängig. Suchtpotenzial böten vor allem interaktive, nicht endende Onlinespiele, soziale Netzwerke, Onlineshopping oder Onlineglücksspiele. „Männer sind eher von Spielen und Glücksspielen abhängig, während bei Frauen die sozialen Netzwerke und das Shoppen im Internet die größte Suchtgefahr bergen“, erklärt Stief beim Gespräch in der Fachstelle Sucht.

Nicht jede exzessive Nutzung sei gleich eine Abhängigkeit. Auch hier schaffe ein Beratungsgespräch in der Fachstelle Klarheit. „Wir schätzen ab, ob eine Abhängigkeit vorliegt und beraten, wie der Konsum reduziert werden kann. Zum Beispiel zeigen wir andere Möglichkeiten auf, Freizeit sinnvoll zu verbringen“, erklärt Stief.

Spezielle Therapien und Strategien

Erkennen die Fachleute eine Abhängigkeit, vermitteln sie eine ambulante oder stationäre Therapie und entwickeln bei Bedarf Motivationsstrategien, damit der Betroffene die Hilfe auch annimmt. Leider sei exzessiver Medienkonsum noch kein anerkanntes Krankheitsbild, daher sei die Anzahl der geeigneten Kliniken begrenzt, bedauert Stief. Als Kriterien einer Abhängigkeit nennt sie Kontrollverlust, die Betroffenen schaffen es nicht, ihre Internetzeiten zu reduzieren; Interessenverlust, Freunde Hobbys und Familie werden vernachlässigt, weil nur das Internet im Mittelpunkt steht sowie Entzugserscheinungen, wenn kein Internet verfügbar ist.

Das Beratungsangebot der Fachstelle richtet sich nicht nur an Betroffene, sondern auch an Eltern Lehrer, Freunde und weitere Bezugspersonen, die sich Sorgen machen.

Abrutschen ein schleichender Prozess

Die Leiterin der Fachstelle Sucht, Heike Gronewold, erklärt, dass das Abrutschen in die Sucht oft ein schleichender Prozess sei. „In den nächsten Jahren wird noch viel auf uns zukommen“, ist sie sicher. Erschwerend komme hinzu, dass Medien in der Gesellschaft oft als toll dargestellt werden. Das Spannungsfeld sei daher extrem. Gerade deshalb sei dieses neue Beratungsangebot als Ergänzung zum bestehenden Präventionsangebot so wichtig.

Die offene Mediensprechstunde findet jeden Montag von 15 bis 17 Uhr in der Fachstelle Sucht, Anita Augspurg-Platz 14 statt. In Achim gibt es dieses Angebot in der Feldstraße 2 immer dienstags von 14.30 bis 15.30 Uhr. Termine können auch individuell vereinbart werden. Die kostenlose und vertrauliche Beratung findet in Einzelgesprächen statt.

ahk

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