Parksünder zur Kasse gebeten

Vier Stunden zu lang für McDonalds

Parkschild vor McDonalds-Restaurant
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Maximal 130 Minuten Parkzeit: „Wir dachten, wir sind im falschen Film.“

McDonalds in Verden ist nicht auf lange Gäste-Aufenthalte eingerichtet. Jetzt werden Dauerkunden zur Kasse gebeten. Der Betreiber wehrt sich.

Verden – Wie lange darf der Besuch bei McDonalds dauern? Vielleicht zweieinhalb Stunden? Oder gern auch mal vier Stunden? Wer den Schmaus im Verdener Schnellrestaurant so lange ausdehnt, bekommt jetzt die Quittung. „Wir sollten 25 Euro bezahlen“, echauffiert sich die Vilsenerin Andrea Meyer. „Bei uns standen sogar 35 Euro auf der Rechnung“, mosert der Langwedeler Nils Weißwange. Der Franchisenehmer der Restaurantkette wehrt sich. „Wir haben unter langfristig abgestellten Autos gelitten. Seit April läuft hier eine Parkraumüberwachung. Seitdem sind die Probleme vorbei“, sagt Uwe Breitkopf.

Mit ihrer Cousine aus Kirchlinteln hatte sie sich zum Plausch zwischen Hamburger Royal und Pommes Groß verabredet. Nach langer Zeit mal wieder, sagt Andrea Meyer. Viel zu erzählen hatte man einander. Das Ende vom Lied: Gründlich verquatscht haben sie sich. „Wir haben uns gut unterhalten.“ Ein paar Tage später flatterte ein Brief der Firma Parkdepot aus München ins Haus. 25 Euro standen unten auf dem Briefbogen, bitte zahlen. „Insgesamt 50 Euro für Chicken McNuggets und Pommes – das finden wir unverschämt.“

Kein Einzelfall. „Mein Kumpel und ich treffen uns regelmäßig einmal im Monat bei McDonalds,“ berichtet Nils Weißwange. „Ist zwar schwierig, einen gemeinsamen Termin zu finden, wir arbeiten in medizinischen Berufen, aber wenn wir beide mal Zeit haben, genießen wir sie in besagter Location. Bei nicht unbedingt gesundem Essen, einmal im Monat, das muss man sich gönnen.“ Ausgiebig werde über die Arbeit gesprochen, sie werde reflektiert, und das können halt dauern. Bis zu vier Stunden. In dieser Zeit habe man für 25 Euro Drinks und Burger geordert. Jeder. Der Schrecken kam einige Tage später. „Uns flatterte ganz unverhofft ein Strafzettel ins Haus mit der Aufforderung 35 Euro zu bezahlen, da wir die Parkzeit überschritten haben, die seit neuestem eingeführt wurde. Wir staunten nicht schlecht und fühlten uns im falschen Film.“

„Stimmt, wir haben die Höchstparkdauer auf zwei Stunden beschränkt, plus zehn Minuten Karenz“, sagt McDonalds-Betreiber Breitkopf. Das sei deutlich ausgewiesen. „Wir haben 16 Schilder aufgestellt, das muss reichen.“ Ein voll automatisiertes Parksystem sei installiert. „Kunden sind nicht mal verpflichtet, eine Parkscheibe hinters Fenster zu legen.“ Das System arbeite zuverlässig. Und noch eines sei ihm wichtig: „Da lauert niemand auf Falschparker.“

Jedenfalls habe die Maßnahme die Probleme auf dem Parkplatz behoben. „Wir hatten Absetzvorgänge“, sagt Breitkopf, „da standen plötzlich Fahrzeuge mit größeren Defekten, da standen Autos, die als gestohlen gemeldet waren, auf den Parkflächen. Das hat jedes Mal bis zu vierstellige Beträge gekostet, diese Pkw zu entfernen. Unter anderem war für das Öffnen des jeweiligen Wagens ein Gutachter zu bestellen, der den Inhalt des Fahrzeugs überwachte. Nicht, dass uns später vorgeworfen würde, wir hätten was gestohlen.“ Zudem habe der Parkplatz oft als Mitfahrerparkplatz gedient, mal mit Abstellzeiten für einen ganzen Arbeitstag, mal für ein Wochenende oder manchmal sogar für den ganzen Urlaub.

Gleichzeitig sei es für den Betrieb des Restaurants wichtig, ausreichend freie Parkplätze verfügbar zu haben. „Nicht unbedingt ganztägig“, sagt Breitkopf, „aber in den Stoßzeiten brauchen wir die Fläche komplett.“ Beim Bemessen der Höchstparkzeit habe man Wert darauf gelegt, nicht etwa Kunden zu vergraulen. Der Schnellrestaurant-Riese hat längst das Verhalten seiner Gäste analysiert. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer liege bei 15 bis 30 Minuten. „Mit 130 Minuten sind wir deutlich über diesen Satz gegangen.“

Richtig beruhigen lassen sich jene, denen ein Knöllchen ins Haus flatterte, damit freilich nicht. „Wir sind eigens noch mal hingefahren, und haben darauf hingewiesen, dass wir die gesamten vier Stunden Kunde waren“, berichtet Nils Weißwange. Damit habe er die Geschäftsleitung nicht erweichen können. „Wir sollten einen Restaurant-Bon vorlegen. Aber wer hebt schon seinen McDonalds-Bon auf?“ In seinen Augen sei das Abzocke.

Auch die Vilserin Andrea Meyer biss auf Granit. „Die haben sich nicht mal bemüht“, ist sie enttäuscht. Selbst der Umstand, dass sie aufgrund einer MS-Erkrankung weniger mobil sei, über einen Behinderten-Parkausweis verfügt und ihren Wagen, dementsprechend gekennzeichnet, auf einer solchen Fläche abgestellt hatte, ließ das Unternehmen nicht einlenken. Dabei wären die beiden Frauen auch mit ein paar Gutscheinen zufrieden gewesen, zum Ausgleich für das Knöllchen. Nun steht für Andrea Meyer fest: „Beim nächsten Mal treffen wir uns beim Mitbewerber.“

Franchisenehmer Breitkopf mag diese Dinge nicht so im Raum stehen lassen, wie er sagt. Jeder Einzelfall sei ihm zwar nicht bekannt, „aber wenn uns Kunden wegen Überschreitens der Parkdauer ansprechen, nehmen wir es raus.“

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