Gero Hocker über Liste

Mattfeldt knapp im Bundestag: 1702 Stimmen vor SPD-Kandidat Michael Harjes

Voller Zuversicht: Andreas Mattfeldt auf seiner Wahlparty im Daverdener Waldschlößchen. Unterstützer und Familie sahen das ebenso.
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Voller Zuversicht: Andreas Mattfeldt auf seiner Wahlparty im Daverdener Waldschlößchen. Unterstützer und Familie sahen das ebenso.

Landkreis – Am Ende wurde es immer enger zwischen den beiden aussichtsreichsten Wahlkreiskandidaten Andreas Mattfeldt (CDU) und Michael Harjes (SPD). Aber wirklich in Gefahr war an diesem spannenden Wahlabend nicht, dass Andreas Mattfeldt erneut, zum vierten Mal in den Bundestag einzieht. Der CDU-Kandidat kann den Wahlkreis 34 für sich entscheiden, obwohl die SPD bei den Zweitstimmen eindeutig erster Sieger ist.

Während die Partei mit fast neun Prozent das Ergebnis der Christdemokraten (24,2 Prozent) in den Landkreisen Osterholz und Verden übertrifft, lag der Langwedeler dennoch gut ein Prozent vor dem SPD-Kandidaten Harjes. Mit Mattfeldt wird auch Dr. Gero Hocker in den 20. Bundestag einziehen. Der FDP-Kanditat war über die Landesliste abgesichert, umso mehr durch das verbesserte Ergebnis seiner Partei.

Am Ende waren es 1702 Kreuze. Aber diese Mehrheit hat für Andreas Mattfeldt gereicht. Für seine vierte Legislaturperiode im Bundestag erreichte er mit 33,66 Prozent der Stimmen fast das Ergebnis der vorangegangenen Wahl, damals waren es 34,26 Prozent. Gerührt reagierte er, alle Spannung der vorangegangenen fast vier Stunden abgefallen.

„Diesen Vertrauensbeweis hätte ich vorher nicht für möglich gehalten“, sagte Andreas Mattfeldt, nachdem um 21.53 Uhr das Ergebnis fest stand und eine tonnenschwere Last abgefallen war. „Für die Union natürlich ein erschreckendes Ergebnis, das wir hier in Niedersachsen eingefahren haben, und das auch im Wahlkreis Verden-Osterholz bei den Zweitstimmen zu Buche schlägt, aber dennoch kann man nicht sagen, ich hätte es alleine geschafft. Mich haben viele Menschen unterstützt und mich bekräftigt.“ Die erdrutschartigen CDU-Verluste ein Ergebnis der Kanzlerkandidaten-Kür? Mattfeldt bleibt zurückhaltend. „Es war ein anderer Wahlkampf, wir haben einen neuen Spitzenkandidaten, gleichzeitig sind SPD, Grüne und FDP erstarkt.“ Er habe für Friedrich Merz als Spitzenkandidat plädiert. Gleichzeitig bestätigte sich, Bundes- und Landespräsidium der CDU „haben sich meilenweit von der Basis entfernt.“

Auch wenn es nicht ganz gereicht hat für den Sitz im Berliner Parlament, der sozialdemokratische Direktkandidat, Michael Harjes, war zufrieden mit der Unterstützung, die ihm die Wähler im Wahlkreis an der Urne angedeihen ließen. „Es war richtig spannend“, stellte der Ritterhuder noch etwas atemlos fest.

„Nächstes Mal hol ich den Wahlkreis“, zeigte sich Harjes am Rande der SPD-Wahlparty kämpferisch. Der Wahlkampf hatte ihm richtig Spaß gemacht. Nachdem Mattfeldt vor fünf Jahren einen Vorsprung von fast acht Prozent vor SPD-Berwerberin Christina Jantz-Herrmann hatte, machte ihm gestern auch das knappe Ergebnis Mut. So war er denn auch entschieden, dass er es erneut versuchen will.

„Die Arbeit geht morgen los“, kündigte Dr. Gero Hocker an. Den Abend, nach dem die Wahllokale geschlossen waren, hatte der FDP-Kandidat in der liberalen Zentrale in Hannover verbracht. Mit dem Ergebnis konnten seine Parteikollegen und der Direktkandidat des Wahlkreises selbst zufrieden sein. Auch, dass die FDP im Wahlkreis etwa 1,5 Prozent im Vergleich zur Wahl 2017 zulegen konnte, empfand er als Bestätigung der politischen Arbeit. So konnte Hocker sich am Wahlabend darauf konzentrieren, was im politischen Berlin auf ihn wartet.

Wieder im Bundestag. Gero Hocker (l.) in der Zentrale der FDP.

Was die Wähler den Politikern ins Stammbuch geschrieben haben, ein knappes Ergebnis mit vielen sehr unterschiedlichen Möglichkeiten zur Regierungsbildung. Das konnte der FDP-Politiker eher schätzen: „Ein „Gewinn für die Demokratie“, sagte Hocker. Er freute sich, dass das Ergebnis nicht zur Lagerbildung anregt, wie es im Wahlkampf heraufbeschworen worden war. Hocker sieht im Wählerwillen eher die Aufforderung zu sachbezogener Arbeit. „In den letzten Jahren ist vieles liegen geblieben, was jetzt dringend aufgearbietet werden muss“, brauchte er denn auch nur eine Kernaussage des liberalen Wahlkampfes zu wiederholen.

Für die Grünen-Direktkandidatin endete der Abend völlig anders. Sie hat es nicht ganz geschafft, die Stimmung ließ sich Lena Gumnior (28) indes auch nicht vermiesen. „Ein historisches Wahlergebnis, das wir auf Bundesebene zu verzeichnen haben. Die Menschen wollen kein Weiter-So, sie wollen Bewegung. Wir stehen für diese Bewegung“, strahlte sie. Auch mit ihrem direkten Ergebnis sei sie zufrieden. „Ein starker Wahlkampf aller unserer Mitglieder, gleichzeitig ein Rückgang bei der Union, wir können also zufrieden sein. Und das bin ich auch mit meinem Ergebnis. Bei den Erststimmen haben wir im Wahlkreis ja ebenfalls spürbar zugewonnen.“

Unklar allerdings ist, wie es für Gumnior weitergeht. Sie wolle sich mit dieser Frage zunächst noch nicht befassen, sagte sie gestern, sie wolle erstmal das Ergebnis im großen Kreis feiern. „Und dann schauen wir weiter.“

„Ich hätte mir natürlich mehr Zustimmung gewünscht“, sagte Mizgin Ciftci. Für seine Partei, die Linke, als auch für sich selbst. Stundenlang befand er sich gestern Abend auf dem schmalen Grat zwischen Einzug in den Bundestag und Rückkehr in den Gewerkschafts-Alltag. Stand bei Redaktionsschluss: Er hat es nicht nach Berlin geschafft. Immerhin freue es ihn, oberhalb des Zweitstimmen-Ergebnisses der Linken im Wahlkreis zu liegen, es freue ihn besonders, in seiner Heimatstadt Osterholz-Scharmbeck gut abgeschnitten zu haben.

Zwei Monate unbezahlten Urlaub habe er für den Wahlkampf genommen, dennoch sei es schwer, so seine Erfahrung, „an Bekanntheit zu gewinnen.“ Sollte es im Nachhinein für ihn nicht zum Mandat in Berlin reichen, so bedeute das keineswegs den Abschied aus der Politik. „Ich bin ursprünglich Fußballer. Für mich ist nach der Wahl schon wieder vor der Wahl.“

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