Marktausschuss will Initiative starten / Zeitweilige Vergrämung reicht nicht

Krähe von der Roten Liste

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Idyllisches Plätzchen am Allerufer – aber nur, wenn dort keine Krähen brüten.

Verden - Von Markus Wienken. Krähen sind schlaue Tiere. Das ist nichts Neues. Hätten sie im städtischen Marktausschuss am Donnerstagabend Beobachtungsposten bezogen, so wüssten sie, dass ihrer Art Ungemach drohen könnte. In Verden, so der Tenor, sind die Vögel an bestimmten Plätzen unerwünscht. Nun soll geprüft werden, wie der Plage, rechtlich abgesichert, beizukommen ist. Es wäre nicht der erste (vergebliche) Versuch.

Verden als Stadt ist nicht nur bei Touristen beliebt, auch die Saatkrähe hat sich hier häuslich eingerichtet. Mit zunehmenden Erfolg. Der Vogel steht auf der Roten Liste, Feinde gibt es nicht und seine Nachkommen sind zahlreich. Doch jetzt haben es die Vögel übertrieben. Auslöser einer neuerlichen Initiative sind die Zustände im Bereich des Mehrgenerationenspielplatzes im Allerpark (wir berichteten). Spielgeräte, Bänke und Wege waren von Kot und Tierkadavern übersät. Mittlerweile ist die Brutzeit der Krähe vorbei, die Nester sind leer. Geräte und Tierkadaver wurden von den Mitarbeiter des Bauhofes gereinigt. Doch nach der Saison ist vor der Saison. Und das soll verhindert werden.

Über das „Wie“ diskutierte der Marktausschuss knapp eine Dreiviertelstunde und musste wiederholt erkennen, dass Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderliegen. Ordnungsamtsleiter Rüdiger Nodorp machte deutlich, dass derzeit schon alles gesetzlich mögliche getan werde, um die Krähen von markanten Plätzen fern zu halten. „In Absprache mit dem Landkreis vergrämen wir. Mehr dürfen wir nicht.“ Auch im Allerpark war die Feuerwehr angerückt, spritzte Nester aus den Baumkronen, musste allerdings mit Beginn des Brutgeschäftes die Bemühungen einstellen. „Liegen Eier im Nest, darf nicht vergrämt werden, sonst machen wir uns strafbar“, so Nodorp. Jetzt, wo das Brutgeschäft abgeschlossen ist, will sich der Ordnungsamtsleiter darum kümmern, die zurückgebliebenen Behausungen aus den Kronen zu holen. Ob es hilft? Die Krähe ist zwar gelehrig, aber auch zäh. „Meist dauert es Jahre, bis sich die Vögel von einmal lieb gewonnen Plätzen vertreiben lassen“, so Nodorps Erfahrung.

Darauf wollen sich die Auschussmitglieder nicht verlassen. „Es muss doch möglich sein, wo Bedarf ist, ein Gesetz zu ändern“, äußerte Ausschussvorsitzender Horst-Heiner Pabst (SPD). Jürgen Weidemann (FDP) sieht angesichts der stark wachsenden Population „Gefahr im Verzug“ und damit die Notwendigkeit einer Ausnahmegenehmigung durch den Landkreis, um dagegen vor zu gehen. Johanna König (Grüne) machte wiederum deutlich, dass weder Landkreis noch Land Niedersachsen zuständig seien. „Zuständig ist der Bund. Demnach ist Artenschutz ein besonderes Gesetz und nicht mehr abwägbar.“ Thomas Müller (CDU) blieb indes hartnäckig: „Was einmal auf die Rote Liste kommt, kann auch wieder gestrichen werden. Wir sollten das prüfen lassen.“

Darum will sich jetzt die Verwaltung kümmern und zeitnah informieren.

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