Manfred Dannebauer trifft Elisabeth Lorenz aus dem früheren Nachbardorf

Wiedersehen 70 Jahre nach Flucht aus Ostpreußen

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Manfred Dannebauer (rechts) und sein Bruder Dieter zu Besuch bei Elisabeth Lorenz.

Bierden - Manfred Dannebauer staunte nicht schlecht, als er den Brief öffnete. „Den hat Elisabeth Lorenz geschrieben, doch sie ist mir unbekannt“, dachte er Ende Februar. Beim Lesen jedoch kamen ihm Erinnerungen an Dinge und Begebenheiten, von denen seine Eltern und älteren Geschwister erzählt hatten. Von früher, von der alten Heimat Ostpreußen, von der Flucht mit Pferd und Wagen gen Westen. Der Bierdener war zu Tränen gerührt.

Seitdem stehen Manfred und seine Ehefrau Irmtraud mit Elisabeth Lorenz in Kontakt. „Es ist schon etwas Besonderes, nach 70 Jahren jemanden zu treffen, der die Flucht miterlebt hat“, meint das Paar. Elisabeth Lorenz, geborene Friedrich, wohnt in Brake – nah genug, um sie zu besuchen.

Der Kontakt kam auf einfache Weise zustande, völlig unaufgeregt und doch ergreifend. Im Juni vergangenen Jahres feierte Manfred Dannebauer seinen 70. Geburtstag. Das war im „Schloßberger Brief“, der ostpreußischen Heimatzeitung, veröffentlicht, die jedes Jahr um Weihnachten herum verschickt wird.

Elisabeth Lorenz hatte die Anzeigen genau gelesen. Der Name Dannebauer kam ihr bekannt vor, das Dorf Edern ebenfalls – eine Familie des Namens wohnte dort, im Nachbarort von „ihrem“ Dorf Grundhufen. Nun wollte sie wissen, wie die große Familie die Strapazen der Flucht bei Eis und Schnee gemeistert hat – vor allem, ob das Baby Manfred alles gut überstanden hat – und wie es ihm seitdem ergangen ist.

Manfred Dannebauer kann sich an die Zeit nicht erinnern, war er doch gerade mal vier Monate alt, als seine Eltern ihn im September 1944 in ein Bärenfell packten, zu seinen acht Geschwistern auf den Wagen setzten und sich dem Treck nach Westen anschlossen. Doch sein Vater hatte die Stationen der Flucht genau aufgeschrieben, auf sechs Din-A4-Bögen. Außerdem weiß sein Bruder Dieter, damals neun Jahre alt, einiges. Und der wohnt auch in Achim-Bierden.

Um Erinnerungen an Ostpreußen und den Treck auszutauschen, lud Elisabeth Lorenz die Ehepaare Dannebauer zu sich nach Brake ein. Die kamen prompt und wurden herzlich empfangen und bestens bewirtet – mit Königsberger Klopsen, Stachelbeertorte und Streuselkuchen nach ostpreußischem Rezept.

Es gab viel zu erzählen, die Zeit vom Vormittag bis zum frühen Abend flog nur so dahin. Die 84-Jährige erfuhr, dass das Baby Manfred samt Familie nach einem halben Jahr in Holtum (Geest) ankam und Bauer Wahlers die große Familie bei sich aufnahm. „Luise und Heinrich Wahlers haben mich als Kind mit Bratkartoffeln, Buttermilch und Reis verwöhnt“, berichtet Manfred Dannebauer von seiner Kindheit. Klar, dass er, seine Geschwister und Mutter auf dem Hof halfen – der Vater kam in englische Gefangenschaft. „Es hat Spaß gemacht, bei der Ernte zu helfen“, sagt er. Seit 1957 wohnt er in Bierden, begann eine Friseurlehre und brachte es bis zum Meister.

Elisabeth Lorenz erzählte von der Familie mit den vielen Kindern, die sie jedesmal sah, wenn sie an Dannebauers Hof vorbeifuhr. Gemeindeschwester und Hebamme Tante Clara war ebenfalls Thema, auch wenn Manfred Dannebauer sie nur vom Hörensagen kannte. „Dabei hat sie mir auf die Welt geholfen“, sagt er schmunzelnd.

Von Elisabeth Lorenz erfuhr Manfred Dannebauer so manches über Ostpreußen, das er noch nicht kannte. „Was sie alles weiß“, staunt er und sah sich ihre Fotos genau an. „Und alles ist sorgfältig beschriftet.“

Bilder hatte der Bierdener ebenfalls mitgebracht: von seiner Reise nach Ostpreußen, die er vor fünf Jahren unternommen hatte. Darauf war der Grund und Boden zu sehen, auf denen einst der Hof seiner Eltern gestanden hatte, gleich neben dem Ehrenfriedhof für Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Den Kontakt wollen sie aufrecht erhalten, waren sich Dannebauers und Elisabeth Lorenz einig, und so lud Manfred Dannebauer sie nach Bierden ein.

is

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