Keine Extrawurst bei Impfstoff

Langwedeler muss nehmen, was da ist

Eine Hand in einem blauen Gummihandschuh hält ein Fläschen mit dem Impfstoff von Biotech in die Kamera, im Hintergrund sind aufgereiht weitere Fläschen zu sehen.
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Keine freie Wahl des Impfstoffs: In den Impfzentren wird verabreicht, was da ist. Nicht immer trifft sich das Angebot mit den Wünschen der Impflinge.

Das hatte sich der Langwedeler Eckhard Monke anders vorgestellt. Nach seiner Erstimpfung mit Astrazeneca wollte der 73-Jährige die Zeitimpfung mit einem mRNA-Vazin. Inzwischen empfiehlt dies auch die Ständige Impfkommission (Stiko). Doch im Juni stieß Monke mit seinem Anliegen noch auf taube Ohren, trotz triftiger Gründe.

Landkreis – Eckhard Monke bekennt sich schuldig. Er ist einer von denjenigen, die ihren Termin für die Zweitimpfung im Impfzentrum schließlich ungenutzt verstreichen lassen haben. Der 73-Jährige hat das ganz bewusst gemacht, weil er so aufgebracht war, dass er weder in Verden noch in Hannover jemanden fand, der auf seine speziellen Bedürfnisse eingehen wollte oder konnte.

Über Wochen hatte der Langwedeler erfolglos darum gekämpft, einen anderen Impfstoff verabreicht zu bekommen, als Astrazeneca wie bei der Erstimpfung.

Kritik an komplizierter zentralisierter Vergabe

Als die Impfkampagne so schleppend anlief, viel zuwenig Impfstoff verfügbar war, um die 137 000 Einwohner des Landkreises in einer überschaubaren Zeit immunisieren zu können, hatten sich schon erste Stimmen erhoben, die die komplizierte zentralisierte Vergabe der Impftermine beim Sozialministerium kritisierten. Im Verdener Impfzentrum war andererseits die Organisation so überzeugend, dass sich etwa der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Kreistag, Wilhelm Hogrefe, eher für eine dezentrale Organisation im Kreishaus ausgesprochen hatte. Auf Kreisebene könnten die Probleme differenzierter und individueller gelöst werden, war seine Begründung.

Damals hatte es zunächst gar nicht klappen wollen, die Hochbetagten beim Vereinbaren eines Impftermins zu unterstützen. Aber ob da Eckhard Monke größere Chancen gehabt hätte, kann bezweifelt werden. Die Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) haben bislang auch nicht anders ausgesehen. Sie sind nach Darstellung des Landkreises die Richtschnur, an die sich das Impfzentrum halten muss. Erst am Donnerstag, für Eckhard Monke deutlich zu spät, hat die Kommission ihre Empfehlung geändert, und zwar genau in dem Sinne, wie es sich der Senior gewünscht hat.

Angst vor sich ausbreitender Delta-Variante

Dass der Langwedeler mit seinem Anliegen so beharrlich ist, ist indes keine Prinzipienreiterei, und ein Impfgegner ist Eckhard Monke schon gar nicht. „Ich bin auch kein Querdenker“, macht er deutlich. Er ist nur besorgt. Ausgerechnet nach Irland muss der 73-Jährige im September, eine Reise, die er aus familiären Gründen antreten muss, sagt er. Und angesichts der sich ausbreitenden hochaggressiven Delta-Variante des Coronavirus befürchtet er, dass ihn die Erkrankung schließlich doch noch erwischen wird. Und seine Vorerkrankungen, „langjährige Herzerkrankungen mit zeitweisem Vorhofflimmern und mittlerweile vier Stents“, würden Covid-19 für ihn noch gefährlicher machen.

Da er nun einmal die Reise nicht verhindern könne, will sich der Langwedeler zumindest mit dem bestmöglichen Schutz auf den Weg machen. Und den, so hat Monke recherchiert, biete die zweifache Impfung mit dem gleichen Impfstoff nicht. Tatsächlich kann er auf Studien verweisen, die belegen, dass der Schutz besser sei, wenn etwa bei ihm auf die Impfung mit Astrazeneca eine zweite mit einem der mRNA-Impfstoffe wie dem von Biontech Pfizer oder von Moderna folgt. Diese „Kreuzimpfung“ will der 73-Jährige, und die Stiko hat sie jetzt auch genauso empfohlen.

Impfzentrum hält sich an Vorgaben

In Monkes Briefwechsel geht es denn auch vor allem darum, dass seine Zweitimpfung, die im Impfzentrum für den 24. Juni angesetzt war, eben eines der anderen Vakzine gespritzt wird, nur nicht Astrazeneca. Aber genau diesen Wunsch konnten ihm weder das Impfzentrum und Amtsärztin Jutta Dreyer, noch Ministerin Daniela Behrens im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung seinerzeit erfüllen. Das Impfzentrum begründete das mit den bis dahin gültigen Vorgaben, nach denen die Zweitimpfung mit demselben Vakzin vorzunehmen sei: „Insofern dürfen wir keine Kreuzimpfungen machen.“ Auch sei die Wahl des Impfstoffes in Niedersachsen nicht möglich.

Das Ministerium bestätigt das: „Ein gesetzliches Verbot für eine sogenannte ,Kreuzimpfung’ gibt es nicht. Allerdings ist es in den niedersächsischen Impfzentren grundsätzlich nicht möglich, sich das Serum auszusuchen, mit dem man geimpft werden möchte. Die Impflinge erhalten jeweils den Impfstoff, der im Impfzentrum an diesem Tag zur Verfügung steht – immer unter Einhaltung der Zulassungskriterien und Stiko-Empfehlungen.“

Inzwischen hatte ein Hausarzt ein Einsehen

Für den Langwedeler ist aber die Kernaussage der Antwort aus Hannover die folgende Anmerkung: „Die Entscheidung, ob Ihnen ein anderer Impfstoff verabreicht werden kann, trifft demnach das zuständige Impfzentrum.“ Monke schließt daraus: „Nun ist der Vollkreis geschlossen und der Ball liegt wieder im Spielfeld des Impfzentrums Verden.“ Er erkennt darin einen „Ermessensspielraum“ der Einrichtung am Kreishaus. Auf seinen Wunsch eingehen konnten dessen Organisatoren aber dennoch nicht: „Aus medizinischer Sicht gibt es keinen Grund für einen Wechsel und in Deutschland gibt es keine Wahlmöglichkeit des Impfstoffs“, hieß es im Juni.

Mittlerweile hat Eckhard Monke die gewünschte zweite Impfung erhalten. Ein Hausarzt hatte ein Einsehen mit seinem Anliegen und ihm das gewünschte mRNA-Vakzin verabreicht, berichtet der 73-Jährige. Die Entrüstung über „mangelnde Bereitschaft“ in Verden und in Hannover, auf seine speziellen Bedürfnisse einzugehen, wirkt im Gespräch aber noch nach. Über Inkompetenz und Arroganz wettert der Senior mit Blick auf die inzwischen ansehnliche Korrespondenz, die er mit dem Impfzentrum, dem Gesundheitsamt und dem Sozialministerium geführt hat.

Impfzentrum Verden passt sich neuer Stiko-Empfehlung an

Landkreis – Wer für den Donnerstag oder Freitag dieser Woche im Impfzentrum des Landkreises eine Erstimpfung erwartet hat, muss sich auf einen neuen Termin einstellen. Nach Angaben der Kreisverwaltung betrifft das rund 1 400 Menschen. Grund für die Absage ist die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Kreuzimpfung.

Vor dem Hintergrund der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus empfehle die Stiko, dass Menschen, deren Erstimpfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca erfolgte, ab sofort ihre Zweitimpfung – unabhängig vom Alter – mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) erhalten. „Diese kurzfristige Änderung der Impfstrategie sorgt aktuell bei uns im Verdener Impfzentrum für einen Impfstoffengpass“, so Andrea Schröder, organisatorische Leiterin des Impfzentrums, in einer Pressemitteilung. Denn durch die Umstellung bestehe ein erhöhter Bedarf an mRNA-Impfstoffen, der entgegen den Ankündigungen von Bund und Land kurzfristig leider nicht gedeckt werden könne. „Es ist einfach nicht genügend mRNA-Impfstoff für die parallel geplanten Erst- und Zweitimpfungen da“, so Schröder.

Um die Impfintervalle der Astrazeneca-Geimpften nicht zu überschreiten, werden die in dieser Woche anstehenden Zweitimpfungen aus den verfügbaren mRNA-Impfstoffbeständen bedient. „Für das Verdener Impfzentrum bedeutet das, dass wir rund 1 400 für diesen Donnerstag und Freitag geplante Erstimpfungen verschieben müssen“, so Schröder.

Das Impfzentrum sagt aktuell die Termine dieser Erstimpfungen ab. Sie sollen aber in Kürze nachgeholt werden, sobald die entsprechenden Impfstoffkapazitäten geliefert werden. Die betroffenen Personen erhalten dann automatisch eine erneute Terminbestätigung.

Personen, die ihre Zweitimpfung weiterhin mit Astrazeneca wünschen, können diese nach wie vor im Impfzentrum erhalten. Eine Verkürzung des Zeitintervalls zwischen Erst- und Zweitimpfung ist allerdings derzeit nicht möglich. Ebenso kann das Impfzentrum ausschließlich Personen zweitimpfen, die auch im Impfzentrum Verden erstgeimpft wurden.

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