„Maiklänge“ wieder 2021

„Maiklänge“ hinter verschlossenen Türen: Dirigent Nabil Shehata spielt das Konzert für den Deutschlandfunk im Domgymnasium ein. Es wird später dann in der Mediathek verfügbar sein. Foto: shumpeiohsugi

In Verden aufgewachsen, macht Nabil Shehata als Musiker und Dirigent Karriere. Seit vier Jahren kehrt der Deutsch-Ägypter regelmäßig nach Verden zurück und organisiert das Festival „Maiklänge“. Wegen Corona muss das Event ausfallen, wird aber mit einem Kurzprogramm im Deutschlandfunk zu hören sein (wir berichteten). Treffen wird sich Shehata am Wochenende mit den Musikern zwecks Aufnahmen im Domgymnasium. Der Künstler gab uns dazu ein Interview.

VON MARKUS WIENKEN

Als Sohn deutsch-ägyptischer Eltern erhielt Nabil Shehata im Alter von sechs Jahren zunächst Klavierunterricht von seiner Mutter Susanne Shehata, langjährige Musiklehrerin am Domgymnasium Verden. Anschließend begann er mit dem Kontrabassunterricht. Ein Studium bei Michinori Bunya und Esko Laine folgte. Eine äußerst efolgreiche Karriere nahm ihren Lauf. Seinen Werdegang als Dirigent begann Nabil Shehata im Jahre 2006, nach Anregungen und Unterricht von Daniel Barenboim, Rolf Reuter, Lawrence Foster und Christian Thielemann.

Herr Shehata, Sie arbeiten derzeit as Chefdirigent der Kammeroper München und der Philharmonie Südwestfalen. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Nabil Shehata: Mein Alltag als Chefdirigent ist momentan eher am Schreibtisch, Computer und am Telefon, wir haben sehr viele Meetings und Gespräche, um die nächste Spielzeit umzuplanen, aber auch um Wege zu finden, noch in dieser Spielzeit mit kleineren Konzerten auch vor Publikum wieder zu spielen. Das ist ein sehr schwieriger Prozess, der sehr viel umdenken, Spontaneität und Geduld erfordert, da die Auflagen sich im Zwei-Wochen Takt ändern und wir eigentlich eine längere Vorausplanungszeit benötigen.

Zum vierten Mal organisieren Sie die Maiklänge im Domgymnasium. Dieses Mal ist in der Pandemie alles anders. Wie gehen Sie damit um?

Naja, wir sind froh, dass wir überhaupt zusammenkommen und wenigstens zwei der vier geplanten Konzerte spielen können. Für uns Künstler war das ja auch eine lange Durststrecke und die Begeisterung der Kollegen ist daher trotzdem sehr groß. Natürlich werden wir auf der Bühne mit Sicherheitsabstand musizieren und uns nicht wie sonst nach den Proben gemütlich zusammensetzen und lange Gespräche führen. Dieses Jahr ist alles anders. Aber für mich steht die Sicherheit an erster Stelle, damit alle Kollegen auf der ganzen Welt bald wieder anfangen können zu arbeiten.

Kein Publikum in der Aula des Domgymnasiums, kein Beifall, keine Emotionen, alles was Künstler lieben, entfällt. Was treibt Sie dennoch an, zu spielen?

Die Freude nach so langer Zeit wieder live Kammermusik zu spielen, reicht als Motivation vollkommen aus.

Viel hat sich in den vergangenen Wochen abrupt verändert. Die Musik- und Kunstszene ist komplett ausgebremst worden, Auftritte und Festivals finden erstmal nicht statt. Wie geht es den Künstlerinnen und Künstlern damit?

Den Künstlern mit festem Engagement geht es den Umständen entsprechend gut, für sie entfallen nur die Gastauftritte. Es gibt jedoch viele freiberufliche Musiker, Solisten und Kammermusiker, die jetzt um ihre Existenz bangen. Das gibt es in anderen Branchen ja auch und ist wirklich ein großes Problem für alle, die davon betroffen sind. Dazu kommt der psychische Stress, niemand weiß ja, wann und ob es in den nächsten Monaten beziehungsweise Jahren wieder so weitergehen wird wie vor Corona.

Daran anknüpfend eine letzte Frage: Maiklänge 2021, dürfen die Verdener hoffen?

Ja. Auf jeden Fall. Wir müssen alle positiv bleiben, gerade in solchen Zeiten. Zusammenhalt und Vorfreude auf bessere Tage werden uns durch die Krise bringen. Und nächstes Jahr gibt es dann zum fünften Jubiläum ein außergewöhnliches Festival mit einem sehr vielfältigen und besonderen Programm!

Herr Shehata, vielen Dank für das Interview, bleiben Sie gesund!

Info

Keine Zuschauer, keine Einnahmen, das zehrt am Etat. Der Verein für Musik und Kultur des Domgymnasiums bittet daher um Zuwendungen. „Wir wollen damit die Künstler durch ein Ausfallhonorar unterstützen, sowie bereits entstandene Kosten decken“, sagt Renate Kracke, Sprecherin des Vereins. Nach der Absage des Festivals bietet der Verein folgende Lösungen an: Mithilfe eines Rückerstattungsformulars, das in der Tourist-Information Verden und auf der Homepage zur Verfügung steht, können sowohl Kosten zurückerstattet als auch eine Spende veranlasst werden. Außerdem gibt es dort die Möglichkeit, rechtzeitig über den Vorverkaufsstart für 2021 per E-Mail informiert zu werden. Weitere Infos auf www.domgymnasium-verden.de.

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