Mäusefänger suchen Unterschlupf

Tierheim in Verden beherbergt wachsende Anzahl wilder Katzen: Vier sind schon vermittelt

Verden/Landkreis – Janina Grube freut sich. „Vier sind schon vermittelt“, gibt die stellvertretende Leiterin des Tierheims einen kurzen Sachstandsbericht zum Thema wilde Katzen. Doch noch immer bevölkern sie zu Dutzenden die Einrichtung in Verden-Walle. Und täglich kommen neue Meldungen über wild lebende Katzen aus dem gesamten Kreisgebiet. 

Update, 18. Mai: „Wir sind auf die Mithilfe aller angewiesen“, sagt Grube und meint damit nicht nur den Anruf beim Tierheim, wenn wieder irgendwo ein Streuner gesichtet worden ist. Sie appelliert auch an die Vernunft der Menschen, die Katzen nicht zu füttern und ihrer ungehinderten Vermehrung damit Vorschub zu leisten. Gerade jetzt konnten wieder sechs Katzen eingefangen werden. 

Zwei tragende Tiere allerdings entwischten, eines hat, soweit Janina Grube weiß, inzwischen geworfen. „Aber keiner weiß, wo die Babys sind.“ Der Versuch, nun die andere werdende Mutter vor der Geburt des Nachwuchses einzufangen, scheiterte bislang. Und das nicht zuletzt deswegen, weil jemand die Katze füttere. „Dann geht sie natürlich nicht in die Falle“, sagt Grube. „Das ist ärgerlich, denn im nächsten Jahr geht alles wieder von vorne los.“ Denn die Katzenkinder von heute sind die Mütter und Väter von morgen. 

In diesem Zusammenhang weist Janina Grube darauf hin, dass die meisten Kommunen im Landkreis eine Kastrationspflicht für Katzen, auch für wilde, eingeführt haben. Wer diese füttert, gilt laut Grube als deren Besitzer und muss dieser Pflicht nachkommen. Andernfalls droht ein Bußgeld, verhängt vom jeweiligen Ordnungsamt. Kein Tierfreund muss befürchten, dass die eingefangenen Kitten getötet werden. Sie werden kastriert, geimpft, gechipt und registriert. Anschließend geht es, wenn möglich, zurück in die Freiheit oder aber in die Vermittlung. Als verschmuste Hausgenossen eignen sich die wilden Katzen freilich nicht. Das Tierheim-Team denkt eher an Besitzer von (Rest-)Höfen oder Pferdeställen, die Mäusefänger brauchen, als Abnehmer.

Ursprüngliche Meldung vom 15. Mai: Verden/Landkreis - 16 Hunde, 3 Kaninchen und 14 Mäuse – Stand Freitag – beherbergt das Tierheim in Verden-Walle. Vor allem aber jede Menge Katzen. 107 waren es Ende vergangener Woche, ein Großteil davon Wildkatzen. „Und die gehen jetzt hier die Wände hoch“, sagt Janina Grube.

Die stellvertretende Heimleiterin verbindet mit der Vorstellung des Zahlenwerks eine Hoffnung: dass sich Menschen melden, die gewillt sind, den in Freiheit geborenen Katzen eine Heimat zu geben. In diesem Falle ist das idealerweise ein Bauern- oder Resthof, ein Reitstall oder einfach ein Haus mit großem Garten, wo die Tiere zwar einen Unterschlupf finden und gefüttert werden, sich aber frei bewegen können. Denn um zahme Schmusekatzen handelt es sich hier nicht, wohl aber um geschickte Mäusefänger.

Während Janina Grube erzählt, klingelt das Telefon. Jemand aus dem Flecken Langwedel beobachtet schon seit geraumer Zeit eine wilde Katze und hat Fragen dazu. Es ist einer von vielen Anrufe, die zurzeit aus dem gesamten Landkreis zu diesem Thema beim Tierheim eingehen.

Kater Will ist seit 2018 im Tierheim in Verden-Walle. Auch für ihn wünscht sich das Team eine Heimat, die ihm Schutz und Freiheit bietet.

Ob es am Wetter liegt, das jetzt mehr aufmerksame Spaziergänger nach draußen in die Natur lockt, oder am Frühjahr, in dem viele Kitten auf die Welt kommen, fest steht: Die Zahl der wilden Katzen, die im Tierheim landen, steigt im Moment explosionsartig. Dennoch ist es Janina Grube und ihren Kolleginnen lieber, dass die Bürger die Tiere melden, statt sie zu füttern und so für ihre weitere ungehinderte Vermehrung sorgen.

„Ein paar Tage beobachten und sich dann bei uns melden. Nicht erst warten, bis aus einer Katze zehn geworden sind“, formuliert Janina Grube, wie sich der verhalten sollte, dem in seiner Umgebung eine freilaufende Katze auffällt. Gemeinsam mit dem Team des Tierheims kann dann eine Strategie entwickelt werden, sollte es sich tatsächlich um ein wild lebendes Tier handeln. In der Regel bedeutet dies: erst ein paar Tage lang mit Fressen anlocken und dann einfangen. Lebendfallen stellt das Tierheim zur Verfügung.

Der Schein trügt. Auch wenn Kater Kim, ein Jahr alt, hier fürs Foto posiert, ist er kein Schmusetier, sondern überaus freiheitsliebend. Fotos: Preuß

Die Einrichtung sorgt dann dafür, dass die Tiere kastriert, gechippt, registriert und geimpft werden. „Hier wird nicht eingeschläfert, nur weil kein Platz mehr da ist“, stellt Grube unmissverständlich klar.

Nach Möglichkeit werden die Streuner nach der tierärztlichen Behandlung wieder ausgesetzt oder eben vermittelt, am besten in kleinen „übersichtlichen Grüppchen“ von zwei bis vier Katzen, die sich bereits im Tierheim aneinander gewöhnt haben. „Wir möchten, dass die Tiere irgendwo gewollt sind“, sagt Janina Grube.

Wilde Katzen zu füttern, weitere anzulocken und damit zu ihrer unkontrollierten Fortpflanzung beizutragen, hält die stellvertretende Heimleiterin für falsch verstandene Tierliebe. Irgendwann könnten eben doch nicht mehr alle Streuner versorgt werden, weiß sie. Außerdem käme es vermehrt zu Inzucht und in diesem Zusammenhang zu Krankheiten und Behinderungen bei den Tieren. Grube appelliert an die Vernunft des Menschen. Wer Streuner nicht meldet, macht sich unter Umständen der Quälerei schuldig. Janina Grube: „Nicht kastrieren fördert Katzenelend.“

Für Tierfreunde und Spender

Wer das Tierheim besuchen möchte, kann dies derzeit nur nach telefonischer Terminvereinbarung. Die Einrichtung ist täglich, von 10 bis 17 Uhr, unter Telefon 04230/942020 zu erreichen.

Für finanzielle Zuwendungen ist das Tierheim dankbar, zumal das Kastrieren, Impfen und Chippen der zahlreichen wilden Katzen einiges an Kosten verursacht. Wer helfen möchte, hier die Kontoverbindungen: Kreissparkasse Verden, IBAN DE78 2915 2670 0010 2121 32, BIC BRLADE21VER; Volksbank Aller-Weser, IBAN DE04 2566 3584 0000 1210 00, BIC GENODEF1HOY. Bitte als Stichwort/Verwendungszweck „Spende“ angeben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Fachkraft Rohr-, Kanal- und Industrieservice?

Wie werde ich Fachkraft Rohr-, Kanal- und Industrieservice?

Wahlkrimi in Polen: Das Rennen zwischen Duda und Trzaskowski

Wahlkrimi in Polen: Das Rennen zwischen Duda und Trzaskowski

Totalschaden für Vettel und Ferrari bei 85. Hamilton-Sieg

Totalschaden für Vettel und Ferrari bei 85. Hamilton-Sieg

Das Motorrad fit für die Saison machen

Das Motorrad fit für die Saison machen

Meistgelesene Artikel

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Koks und Gras machen ihnen großen Spaß

Dankeschön-Botschaft rollt durch den Landkreis

Dankeschön-Botschaft rollt durch den Landkreis

Turnübungen in der Gastwirtschaft

Turnübungen in der Gastwirtschaft

Im grünen Domizil

Im grünen Domizil

Kommentare