Heute Abend wird die Domweih wieder zu Grabe getragen

Die lustigste Beerdigung

So dürfte es auch heute wieder zugehen: Der Beerdigungsverein in voller Aktion. - Foto: Röttjer

Verden - Zur Tradition der Verdener Domweih gehört ein ganz besonderes Ritual, wenn sich heute Abend eine Gruppe vier Stunden durch die Menschenmassen auf dem Festplatz „kämpft“, die in Trauerkleidung und mit einem Sarg sowie Blasmusik und einem „Pastor“ an der Spitze unterwegs ist.

Es ist die „Beerdigungsgemeinschaft Verdener Domweih“, die schon seit etlichen Jahren für ein stil- und würdevolles Ende der Domweih sorgt. Im Akzent-Hotel Höltje stärken sich die Mitglieder der Gemeinschaft für den vierstündigen Trauerzug, der gegen 20 Uhr am Pöttjermarkt beginnt. Von hier aus geht es in Richtung des Nordertor-Kreisel und von dort weiter zur Bodega, unterwegs werden mehrere Pausen eingelegt.

Bereits im Vorfeld war abgefragt worden, welche Schausteller oder Festwirte die Mitglieder der Gemeinschaft gerne sehen wollen und sich dabei spendabel zeigen würden. Für diese Beschicker der Domweih durchaus profitabel, denn dem Trauerzug folgt eine stetig wachsende Anzahl an Besuchern. Als Dank der Beerdigungsgemeinschaft gibt es ein gerahmtes Foto und nach einem Ehrentanz setzt sich der Trauerzug wieder in Bewegung.

Kurz vor Mitternacht wird die Bodega erreicht, und in Begleitung von Fackelträgern marschiert die stetig angewachsene Trauergemeinde von hier aus in Richtung Südbrücke. Hunderte von Menschen sind wohl wieder Zeuge, wenn der geschmückte Sarg in den Fluten der Aller versenkt und gleich wieder geborgen wird. Feuerwehrleute sind für die Ausleuchtung und das Feuerwerk zuständig. Während auf dem Festplatz bereits der Abbau im vollen Gang ist, endet das Volksfest für viele Gäste am Morgen nach durchfeierter Nacht in den Verdener Kneipen.

Aus einer Bierlaune heraus war der Brauch der Domweihbeerdigung Mitte der 70er-Jahre wieder ins Leben gerufen worden, nachdem schon Anfang der 50er-Jahre von Fußballern der Liga-Reserve des TSV Verden die Domweih beerdigt wurde. Es waren Carl-Bernhard Gramm und Kurt Rosenbach, die sich auch von einer ähnlichen Zeremonie zum Abschluss des Bremer Freimarkts inspirieren ließen. Gefunden wurden die Mitglieder der Gemeinschaft unter den Aktiven der Fanfarenzüge des Verdener Schützenvereins und der Verdener Feuerwehr.

Nach zehn Jahren wurde diese ursprüngliche Gruppe aufgelöst. Die 1986 neu gegründete Gemeinschaft steht jedem Interessierten offen, der gut in diese Gemeinschaft passt. Die Zahl der Mitglieder soll dabei die 30 nicht überschreiten. „Beim Rundgang gibt es immer wieder schöne Erlebnisse und Begegnungen mit Touristen, die staunend und manchmal auch befremdlich diesen Trauerzug über den Festplatz verfolgen und uns mit Fragen löchern“, erzählen Renate und Franz-Josef Jurdzik, die seit über 25 Jahren der Beerdigungsgemeinschaft angehören.

Eine lustige Begebenheit trug sich vor vielen Jahren zu. Ein Schausteller machte sich einen Jux daraus, sein Karussell „über Kopf“ einfach stehen zu lassen. Erst, nachdem die Musiker, die ebenfalls in der prekären Situation waren, die Nationalhymne gespielt hatten, ging die Fahrt weiter. Bevor der Trauerzug aber weiter voran kam, wurde erst mal ein Mundstück im Bereich des Karussells gesucht. Mit dem Sarg wurde in der Vergangenheit auch öfter Karussell gefahren, sei es im Ketten- oder im Kinderkarussell.

Nicht so gerne erinnert sich das Ehepaar an ein Erlebnis des Jahres 1999. Zum einen konnte die Domweih nicht „beerdigt“ werden, da die Verdener Feuerwehr, die gegen Mitternacht den Sarg aus der Aller bergen sollte, zu einem Großbrand alarmiert wurde. Der Sarg musste mit auf Kneipentour und der Frust wurde noch größer, als das Requisit auf einmal verschwunden war. Erst einige Wochen tauchte er wieder auf. Absender: Nach wie vor unbekannt. Daraus wurde der Slogan: „Wer den Sarg klaut, bezahlt auch die Domweih.“ - rö

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