Auftritt in Verden

Ludger K. trifft den Nerv

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Ludger K. sang und ätzte über Politik und Gesellschaft.

Ordentlich auf den Putz haute Kabarettist Ludger K. , traf damit den Nerv des Publikums und begeisterte mit seinem Soloprogramm „Böst of“ in der Stadthalle. „Gut Abgehangenes und brandneue Nummern“ hatte der für seinen zynischen Humor bekannte Kusenberg mitgebracht.

Verden - Als Solist und unkonventioneller Moderator des Bremer-GOP-Varieté-Theaters weiß Kabarettist Ludger K. alias Ludger Kusenberg zu überzeugen. Am Freitag war er mit seinem Soloprogramm „Böst of“ zu Gast in der ausverkauften Stadthalle. Bewusst überschritt Kusenberg bei manchen Gags Grenzen, dem Publikum in der Stadthalle gefiel es.

Zu Beginn nahm sich Kusenberg die Politiker vor. „Merkel, Söder und Bouffier haben alle eine Wahlschlappe erlebt und bleiben trotzdem im Amt. Wer vom Bürger angepinkelt wird und sich trotzdem nicht bewegt, ist noch lange keine Statue“, ätzte er.

Den Titel als „Wackelpudding des Jahres“ verlieh er Horst Seehofer. Dieser würde bei schwierigen Entscheidungen Franz Josef Strauß im Himmel um Rat fragen. „Wie naiv muss man sein, um Strauß da zu vermuten?“, fragte Luder K. unter dem Jubel des Publikums. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen alias „Flinten-Uschi“ bekam für ihre Forderung nach familienfreundlicheren Einsatzzeiten beim Militär, ihr Fett weg. „Wenn der kaukasische Diktator vor der Tür steht, fragt er sicherlich, ob die Kita schon geöffnet hat“, so der Kabarettist bissig.

Als Kabarettist sei er ein großer Freund der Linkspartei. Diese sei mit ihren Forderungen für ihn ein „kostenloses Team von Gagschreibern“, so Kusenberg weiter. Seine eigene politische Einstellung bezeichnet er als konservativ. „Die Sachlichen, die Gegenwartsbezogenen, die Nüchternen, die die Welt so sehen, wie sie ist und nicht so sehen, wie man sie gern hätte, das sind die Konservativen“, lautet seine persönliche Definition. Thilo Sarrazin habe bei seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ enormen „Weitblick“ bewiesen, findet Kusenberg. Dass viele das auch so sehen, sähe man daran, dass das Buch jedes Jahr zu Weihnachten erneut auf den Bestsellerlisten erscheint. „Sarrazin ist der „George Michael der Sachbuchindustrie.“

Die oft gehörten Befürchtungen, dass die Deutschen aussterben, sind laut Ludger K. so nicht richtig. „Nur die Schlauen sterben aus, die Bekloppten vermehren sich wie vor 50 Jahren“, provozierte er. Durchaus amüsant verlief die Schilderung seiner Oberstufenzeit. „Hauptsache labern. Wir diskutierten über Nicaragua, ohne zu wissen, wo das Land in Afrika überhaupt liegt“, so die doppelte Pointe.

Zum Ende des ersten Teils gab es eine Hommage an Dieter Thomas Hecks legendäre Hitparade. Als „Jürgen Marcus“ sang Ludger K. unter dem Jubel der Zuschauer „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und ließ sich von einer Dame sogar die obligatorische Rose reichen.

Ein starker Teil des Abends war Kusenbergs Blick in alte Literatur. Anhand von Beispielen aus Büchern von Walther Rathenau oder Hermann Löns zeigte er auf, wie treffend die Autoren die Zukunft bezüglich der globalen Vernetzung, Kommunikation oder Uniformität der Weltstädte vorhergesehen haben.

„Political Correctness“ war ein weiteres Thema. Ludger K. beklagte, dass ein Ziguenerschnitzel nun „Feuerschnitzel“ heißen muss und auch die Kinderbuchklassiker „bereinigt“ werden. In Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ gibt es nun keine „Türken“ mehr , sondern „Messerwerfer“. „Das wird die Türken aber freuen“, kommentierte Kusenberg trocken.

Am Ende seines Auftritts bekam Ludger K. begeisterten Applaus. Zum Dank gab er noch einen Vorgeschmack auf sein neues Programm „Verstehen sie Deutsch“, mit dem er am 3. Oktober 2020 auch wieder in Verden zu sehen sein wird.

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