Nach langem Lockdown

Lockerungen für Gastronomie ab Montag: Restaurants in Verden reagieren

Innenstadt, 15. Mai 2020: Vielleicht schon bald könnte dieses Bild wieder auf einen sonnigen Nachmittag in der Verdener Innenstadt zutreffen.
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Innenstadt, 15. Mai 2020: Vielleicht schon bald könnte dieses Bild wieder auf einen sonnigen Nachmittag in der Verdener Innenstadt zutreffen.

Die Landesregierung plant weitreichende Lockerungen, unter anderem für die Gastronomie. Doch die Gastronomen im Landkreis Verden regieren eher Verhalten auf diese gute Nachricht: Zu viele Fragen blieben ungeklärt und zu wenig Sicherheit gebe der Stufenplan – sofern er überhaupt in Kraft tritt.

Verden – Das Ende des harten Lockdowns rückt anscheinend immer näher. So plant die Landesregierung in Niedersachsen im Rahmen der neuen Corona-Verordnung, die ab kommenden Montag, 10. Mai, in Kraft treten soll, weitreichende Lockerungen. Voraussetzung: Die Sieben-Tage-Inzidenz der Kommune muss an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter dem Schwellenwert von 100 liegen.

Ebenfalls erwähnt in dem Stufenplan wird die Gastronomie, für die nun, erstmals seit November 2020, Lockerungen vorgesehen sind. „Restaurants und Lokale in Niedersachsen dürfen ab dem 10. Mai die Außengastronomie öffnen“, heißt es da. Doch trotz dieser erfreulichen Nachricht reagieren die meisten Gastronomen im Landkreis eher verhalten. Zu viele Fragen blieben ungeklärt und zu wenig Sicherheit gebe der Stufenplan– sofern er überhaupt in Kraft tritt.

„Erstmal muss man zu den Lockerungen dazu sagen, dass selbst wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt und wir die Außengastronomie wirklich öffnen dürfen, unsere Kunden trotzdem entweder vollständig geimpft sein müssen oder einen negativen Corona-Test vorzuweisen haben“, stellt Wolfgang Pade, Inhaber des gleichnamigen Restaurants in Verden, klar. Doch noch sei überhaupt nicht festgelegt, welcher Test ausreichend sei. „Genügt es, wenn ich einen Selbsttest durchführe oder muss ich ins Testzentrum, um dort ein schriftliches Testzeugnis zu erhalten?“, fragt sich Pade.

Restaurant Pade startet mit kleiner Karte und bewährtem Hygienekonzept

Ebenfalls beschäftige ihn der Aspekt des Wetters. „Es könnte jederzeit sein, dass Gäste stornieren oder ausbleiben, wenn es mehrere Tage lang regnen sollte oder zu kalt ist. In dem Falle müsste ich dann alle Frischprodukte, die sich nur zwei Tage lang halten, wegschmeißen.“ Zumindest hier könne eine verkleinerte Karte Abhilfe schaffen, die bereits vorliege, allerdings nur einen Bruchteil des üblichen Angebots beinhalte. „So oder so, wir werden ab Dienstag unsere Außengastronomie öffnen – mit dem Hygienekonzept, das sich in der Vergangenheit vielfach bewährt hat.“

„Wir warten aktuell auf Bernd Althusmann und Stephan Weil, dass die ihre Gespräche beenden und zu einer Entscheidung kommen, ob die Lockerungen, so wie sie jetzt stehen, auch wirklich beschlossen und in Kraft treten werden, bevor wir endgültig darüber entscheiden, wie wir weitermachen“, so Gördt Glander, Inhaber des Akzent Hotels Höltje. Sofern es das „Go“ für die Außengastronomie gebe, seien sie aber auf jeden Fall dabei. „Dann würden wir selbstverständlich unseren Biergarten und unsere Bereiche in der Fußgängerzone wieder öffnen“, stellt Glander klar.

Öffnungen gehen mit vielen Unsicherheiten und Risiken einher

Doch das ginge mit einem nicht zu unterschätzenden Risiko einher: „Wenn wir jetzt durchstarten und ich alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit hole, wodurch wiederum Personalkosten entstehen, kann ich die vielleicht am Ende des Tages nicht decken, wenn zu wenig Leute das Angebot draußen nutzen“, so Glander. Die Pandemie habe ihm ohnehin nur wenige seiner alten Mitarbeiter gelassen. „Ich habe zwei an HelloFresh verloren, zwei andere wiederum arbeiten mittlerweile bei Dodenhof und eine fünfte ist ebenfalls letzte Woche ausgestiegen.“ Ein paar von ihnen seien zwar noch angestellt, aber von heute auf morgen wieder umzustellen, sei kein Leichtes. „Wir sind einfach ein bisschen am Ende. Der Lockdown hat zu lange gedauert und selbst mit den Lockerungen sind wir relativ handlungsunfähig, weil die Öffnung von so vielen Faktoren abhängt, die wir nicht kontrollieren können“, seufzt Glander frustriert.

Dem stimmt auch Martin Fenzau, Geschäftsführer der Domschänke in Verden, zu, und ergänzt: „Es sind und bleiben schwierige Zeiten für Gastronomen. Nichts ist abschätzbar und im Zweifelsfalle erfahren wir erst Sonntag endgültig, ob es wirklich Lockerungen gibt oder nicht.“ Und dann müsse wieder alles ganz schnell gehen. „Darum würden wir auch erst ab Dienstag starten, fangen aber jetzt schon an, uns vorzubereiten.“

„Also für uns gibt es kein zurück, sobald wir aufmachen dürfen, starten wir durch“, so Julia Fortmann, Tochter von Gerd Haag, Inhaber von Haag"s Hotel Niedersachsenhof. „Natürlich sind auch wir darauf angewiesen, dass das Wetter mitspielt, aber falls es regnen sollte, haben wir das Zelt draußen und unsere Heizpilze aufgebaut, sodass Besucher sogar abends draußen sitzen könnten, sofern sie das möchten.“ Für den Fall, dass Selbsttests für einen Besuch im Restaurant oder Lokal ausreichen sollten, habe sich das Team vorbereitet. „Wir verkaufen nämlich nun auch Selbsttests bei uns, sodass Besucher sich sogar vor Ort im Auto testen könnten, bevor sie bei uns Platz nehmen.“

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