„Ungerecht und unverschämt“

Frust über Lockdown-Regeln: Verdener Einzelhändler fühlen sich im Stich gelassen

In Frankreich ist der Verkauf von Waren, die nicht lebensnotwenig sind, verboten. Dazu gehören auch potenzielle Weihnachtsgeschenke sowie Spielzeuge für Kinder, weswegen die Regale abgesperrt wurden.
+
In Frankreich ist der Verkauf von Waren, die nicht lebensnotwenig sind, verboten. Dazu gehören auch potenzielle Weihnachtsgeschenke sowie Spielzeuge für Kinder, weswegen die Regale abgesperrt wurden.

Verden – „Es ist der absolute Hammer. Einfach unmöglich.“ Carmen Witte, Inhaberin des gleichnamigen Kinderparadies Witte in der Verdener Fußgängerzone, kann es immer noch nicht richtig glauben. Seit Mittwoch muss die 61-Jährige ihre Türen für den Kundenverkehr schließen – und das kurz vor Weihnachten, in der sonst verkaufsstärksten Zeit. Doch es ist nicht der Lockdown selbst, der sie so frustriert: „Wir stehen voll hinter den Maßnahmen, die jetzt zum Infektionsschutz erlassen wurden. Aber dass ich hier meinen Laden schließen muss und nebenan die Leute das Spielzeug säckeweise aus den Drogeriemärkten wegschleppen, das ist in meinen Augen ungerecht und unverschämt.“

Anfangs sei Witte davon ausgegangen, dass die Spielwarenabteilungen in den Geschäften, die trotz Lockdown noch geöffnet haben dürfen, abgesperrt werden müssen. „So ist das nämlich beispielsweise in Frankreich geregelt“, weiß sie. Ein Anruf beim Landkreis verschafft Klarheit: Tatsächlich dürfen Geschäfte, die überwiegend Lebensmittel oder Hygieneartikel verkaufen – eben „Güter oder Dienstleistungen des täglichen Bedarfs“ (siehe Infokasten) – nicht nur geöffnet bleiben, sondern darüber hinaus auch weiterhin ihr gesamtes Sortiment anbieten. Die Krux, wer aufmachen darf und wer nicht, liege in der Gewerbeanmeldung. „Das muss doch ein Fehler im Gesetz sein. Nebenan werden jetzt ganz ohne Mehraufwand die Einnahmen gemacht, die mir wegfallen. Für mich ist diese Verzerrung des Wettbewerbs absolut nicht nachvollziehbar. Wenn schon Lockdown, dann sollte es auch ein gerechter Lockdown für alle sein“, bringt Witte ihre Empörung zum Ausdruck.

Auch Illja Bormann, Inhaber von Bormann Eisenwaren, ist alles andere als begeistert von diesem Missstand im Rahmen der neuen Corona-Verordnung. „Wir Kleinen haben halt so überhaupt keine Lobby. Ich kann aber auch nicht richtig verstehen, was sich die Regierung dabei gedacht hat, schon ab Mittwoch alles dichtzumachen.“ Er hätte es sinnvoll gefunden, den Einzelhändlern wenigstens noch den Rest der Woche zu lassen, damit sich der zu erwartende Strom an Kunden etwas entzerrt. „Aber es ist wie es ist“, seufzt Bormann. „Ich kann natürlich jetzt nach Hause gehen und schlechte Laune haben, oder ich bereite meinen Laden auf die Wiedereröffnung vor. Allerdings kostet uns die Schließung eine ganze Menge Umsatz. Ist ja klar. Aber wir machen das Beste draus“, zeigt sich der Inhaber positiv mit Blick auf die Zeit nach dem harten Lockdown.

Verdener Supermärkte konnten laut eigenen Angaben noch keinen massiven Zustrom an Kunden feststellen. „Derzeit gibt es keine großen bemerkbaren Veränderungen in Hinsicht auf den Verkauf von Spielwaren“, informiert Stephan Meyer, Marktleiter des Rewe Im Ohrt. „Wir verzeichnen zwar höhere Absätze, aber keine Massenverkäufe.“ Das könne ebenfalls der Filialleiter des örtlichen Kauflands bestätigen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten

Die Samsung Galaxy S21 im Test

Die Samsung Galaxy S21 im Test

Rüstige Rentner statt Hippies und Hare Krishna

Rüstige Rentner statt Hippies und Hare Krishna

Meistgelesene Artikel

Landkreis Verden: Dienstag erstmals seit langem null Neuinfektionen

Landkreis Verden: Dienstag erstmals seit langem null Neuinfektionen

Landkreis Verden: Dienstag erstmals seit langem null Neuinfektionen
„Villa Rotstein“ steht zum Verkauf

„Villa Rotstein“ steht zum Verkauf

„Villa Rotstein“ steht zum Verkauf
Verwell im Corona-Lockdown: Umfassende Bauarbeiten starten bald

Verwell im Corona-Lockdown: Umfassende Bauarbeiten starten bald

Verwell im Corona-Lockdown: Umfassende Bauarbeiten starten bald
Barmer Geisterauto kommt jetzt weg

Barmer Geisterauto kommt jetzt weg

Barmer Geisterauto kommt jetzt weg

Kommentare