Eine Bereicherung des Wortschatzes?

Liebe Leser*innen: Gendersternchen ist der Anglizismus des Jahres

Das Gendersternchen ist zum Anglizismus des Jahres gewählt worden. Laut der Jury ist es „eine klare Bereicherung des Wortschatzes“. Symbolfoto: dpa
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Das Gendersternchen ist zum Anglizismus des Jahres gewählt worden. Laut der Jury ist es „eine klare Bereicherung des Wortschatzes“.

Verden - Von Lea Oetjen. Der Anglizismus des Jahres lautet „Gendersternchen“. Dies gab die Jury der Initiative „Anglizismus des Jahres“ jetzt bekannt. Das Gendersternchen ist ein typografisches Zeichen, das zwischen der männlichen und der zusätzlich angefügten weiblichen Endung gesetzt wird, um neben Männern sowie Frauen auch Menschen mit anderer geschlechtlicher Identität miteinzubeziehen und sichtbar zu machen. Es stelle „eine klare Bereicherung des deutschen Wortschatzes dar“, so die Jury in ihrer Begründung. „Gendersternchen“ sei ein gut verständlicher Ausdruck für die Diskussion.

Ist das wirklich so? Wenn es nach dem hiesigen Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt (CDU) geht, ist das Gendersternchen völliger Quatsch. Es sei „völlig übertrieben“. „Gleichberechtigung sieht in meinem Verständnis anders aus“, erklärt der Christdemokrat. Sie solle nicht durch übertriebene sprachliche Formulierungen geprägt sein. „Es scheint trotzdem momentan das größte Thema zu sein, das Deutschland beschäftigt“, wundert sich Mattfeldt.

Andreas Mattfeldt, CDU-Abgeordneter

Ähnlich ist da Landrat Peter Bohlmann (SPD) eingestellt. Auch er ist der Auffassung, dass es deutlich wichtigere Themen gibt. Trotzdem gebe es auch Bereiche, in denen das Gendern unerlässlich ist. „Es ist zum Beispiel bei Stellenausschreibungen sehr wichtig, um einen offenen Wettbewerb zu garantieren“, betont Bohlmann. Daher richte die Kreisverwaltung ihre Jobanzeigen an „m/w/d“, sprich an jedes Geschlecht. Trotzdem ist es nicht in der Planung, dass „Gendersternchen“ künftig im Kreishaus einzuführen. „Das ist kein Thema. Wir werden weiterhin die weibliche und die männliche Form voll ausschreiben“, so Bohlmann.

Peter Bohlmann, Landrat

Absolut „pro gendern“ im sprachlichen Bereich ist laut eigener Aussage Angelika Saupe, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Achim. Sie fand auch die Umsetzung wie Leser/innen oder LeserInnen sinnvoll, „aber das Gendersternchen ist insbesondere für das dritte Geschlecht gut“. Auch wenn es gewöhnungsbedürftig sei, wäre es sehr wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Angelika Saupe, Gleichstellung Achim

Kathrin Packham, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Verden, pflichtet Saupe bei. Sie ergänzt: „Geschlechtergerechte Sprache ist grundsätzlich wichtiges Thema. Deutsch bringt da aber schon einiges mit.“ Man solle nicht unterschätzen, wie viele Menschen sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen. Da ist das Gendersternchen eine charmante Lösung.

Kathrin Packham, Gleichstellung Verden

Packham mahnt jedoch, dass bestehende strukturelle Ungleichgewichte zwischen den Geschlechtern nicht einfach verschleiert werden dürfen. So sei bekannt, dass nach wie vor in manchem Unternehmen einige Kolleginnen schlechter bezahlt werden als Kollegen. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Verden zeigt sich aber überzeugt davon, dass mit etwas Achtsamkeit in Schrift und Sprache einiges erreicht werden kann. „Das kostet weder Geld noch Zeit, nur etwas Aufmerksamkeit.“

Kommentar zum Thema

Von Lea Oetjen

Gendern, was das Zeug hält

Der Genderstern, der neue Superstar der Geschlechtergerechtigkeit, wird oft völlig gedankenlos oder hysterisch übertrieben gebraucht. Das haben selbstbewusste Frauen nicht nötig. Das Gendern nervt mich als Mensch, der logischerweise auch die „Menschin“ mit einbegreift. Überhaupt sind es oft scheußliche Worte, die durch das „in“ weder weiblicher noch schöner werden. Besonders absurd wirkt es bei Anglizismen, etwa der neudeutschen „Userin“.

Wir müssen uns daran erinnern, dass das generische Maskulinum nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat. Auch der Gast kann eine Frau oder ein Mann (oder divers) sein. Der ganze Genderstreit ist meiner Meinung typisch deutsch. Es gibt sogar andere Sprachen, die überhaupt kein grammatisches Geschlecht kennen.

Wir sollten die ganze Sache also endlich entkrampfen, statt diskutieren zu müssen, wie wir eine männliche Krankenschwester oder einen weibliche Feuerwehrmann nennen.

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