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80.000 Euro Beute in Achim: Als aus Liebe Erpressung wurde

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Von: Wiebke Bruns

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Landgericht Verden
Vor dem Landgericht Verden geht es um einen Betrag von 80000 Euro. © Bruns

Nach Amtsgericht und Berufung ist jetzt das Landgericht Verden Schauplatz eines Prozesses mit bemerkenswerten Wendungen.

Verden/Achim – Es fühlte sich mitunter an wie ein Déjà-vu gestern am Landgericht Verden. Dieselben Angeklagten wie in einem Berufungsverfahren im November 2021. Wieder ging es um geklaute 80.000 Euro. Immer noch oder schon wieder sitzt einer der Brüder in Haft. Und die mutmaßliche Komplizin schilderte erneut, wie sie vor fünf Jahren ihren Großeltern in Achim heimlich Schlafmittel verabreicht habe, um den Angeklagten die Tat zu ermöglichen. Und doch ist alles neu, denn der Anklagevorwurf lautet nicht mehr auf Diebstahl, sondern mittlerweile auf schweren Raub.

Einen solchen Verlauf nehmen Strafverfahren nur sehr selten. Trotz der hohen Beute mussten sich die beiden Bremer im Jahr 2019 wegen der im Januar 2018 verübten Tat zunächst vor dem Amtsgericht Achim verantworten. Dort wurde der heute 32-Jährige wegen Diebstahl zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt und sein „erheblich und einschlägig vorbestrafter“ Bruder zu einer zweijährigen Haftstrafe.

Beide legten Berufung ein, die Staatsanwaltschaft ebenfalls. Diese mit der Begründung, dass das Amtsgericht auf einen besonders schweren Fall des Diebstahls hätte erkennen müssen. Die Verteidiger erklärten einen Freispruch zum Ziel ihres Rechtsmittels.

In dem Berufungsverfahren am Landgericht Verden dann die Überraschung: die Zeugin, die im ersten Prozess geschwiegen hatte, sagte umfangreich aus. Schilderte, dass sie sich in einen der Brüder verliebt habe, dieser sie aber nur ausgenutzt habe. Seine Brüder hätten sie zu der späteren Tat gedrängt, nachdem sie zuvor schon immer wieder für den Mann ihres Herzens in die Restaurantkassen ihrer Familie gegriffen habe.

Einer der vier Brüder habe ihr kurz vor der Tat das Schlafmittel gebracht. „Ich habe das dann meinen Großeltern in den Tee gegeben“, sagte die Zeugin damals. Nachdem dies Wirkung gezeigt habe, will sie einem der bislang nicht wegen der Tat vor Gericht stehenden Brüder die Terrassentür geöffnet haben und der Beschuldigte habe dann aus dem Schlafzimmer der Großeltern die Wocheneinnahmen aus fünf Betrieben geholt. Von Müdigkeit übermannt, habe der Großvater das Geld nicht mehr in den Tresor legen können.

Das Verfahren wurde ohne Urteil beendet. Denn nach der Aussage wäre es kein Diebstahl, sondern schwerer Raub gewesen. Mehr als vier Jahre Haft wurden im Fall einer Verurteilung, zumindest für den heute 43-Jährigen, als wahrscheinlich angesehen. Weil bei einer zu erwartenden Strafe in dieser Höhe eine große Kammer verhandeln muss, wurde das Verfahren von der damals zuständigen 5. Kleinen Strafkammer ausgesetzt und „hochgegeben“ an die nun zuständige 3. Große Strafkammer und mit der Anklageverlesung gestern neu gestartet ist.

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Die Angeklagten sagten wieder nichts, die Zeugin aber umso mehr. Über Stunden wurde die 24-Jährige befragt und wiederholte ihre Vorwürfe. Dann machten die Verteidiger deutlich, wo sie „krasse Widersprüche“ zur Aussage im November 2021 sehen. Sprach sie damals von Liebe, will sie nun mit Fotos unter Druck gesetzt worden sein. Nur eine von mehreren kritisierten Punkten, weshalb ein Verteidiger anregte, die damalige Richterin als Zeugin zu hören.

Bislang sind vier weitere Verhandlungstage bis zum 21. Februar geplant.

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