Unternehmen nach Lockdown (9): Online-Unterricht für alle Altersgruppen

Lernen und lehren trotz Corona

Lisa Fischer, Rafael Struwe, Dozentin Jocelyn Tauscher, Moritz Semmler, und Tillmann Röpke (v.l.) verbessern ihr Englisch auf Abstand.  
FOTO: FRIEDERIKE MÜLLER
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Lisa Fischer, Rafael Struwe, Dozentin Jocelyn Tauscher, Moritz Semmler, und Tillmann Röpke (v.l.) verbessern ihr Englisch auf Abstand. FOTO: FRIEDERIKE MÜLLER

Verden – Computer an, Kopfhörer auf, etwas zum Mitschreiben auf den Tisch. So sieht eine Unterrichtsstunde der Sprachschule Verden aus. Normalerweise. Ab dem 17. März mussten sich die Dozentinnen und Schüler umstellen, auf Videokonferenzen und Hausaufgaben per E-Mail. Dank dieser Möglichkeiten gab es nie eine Schließung im klassischen Sinne, erläutert Inhaberin Sandra Bruns. Daher habe das Unternehmen kaum finanzielle Einbußen verbucht.

Die unterrichtsfreie Zeit während der Schulferien arbeitete das Team durch, um zu kompensieren, dass die Lehrstunden nicht wie gewohnt abgelaufen waren. „Gerade die Kindergartenkinder fanden den Online-Unterricht erst einmal sehr aufregend“, berichtet Bruns. Der Grund: Es war etwas Neues, Faszinierendes. Außerdem dürften die zwei- bis sechsjährigen normalerweise nicht an die Computer ihrer Eltern. Zunächst hätten sich auch die gefreut, weil sie zum ersten Mal miterleben konnten, was ihren Kindern beigebracht wird. Auf beiden Seiten klang die Begeisterung jedoch schnell ab.

Obwohl alle Kurse seit Mitte Mai wieder vor Ort möglich sind, wird der Unterricht per Videokonferenz weiter angeboten. „Wir haben alle Schüler gefragt, ob sie online oder in Präsenz weitermachen wollen“, so Sandra Bruns. Besonders Einzelunterricht, Nachhilfe sowie Bildungsangebote für Erwachsene seien als Videokonferenz beliebter. „Man muss den Abstand nicht einhalten“, nennt die Inhaberin als weiteren Vorteil. Im Präsenzunterricht lassen Eltern ihre Kinder „wegen dem kleinsten Schnupfen“ zu Hause.

Obwohl die Dozentinnen ihre Arbeit weiterführen konnten, über eine Sache ärgert sich die Inhaberin doch: „Zwei Wochen vor den Osterferien haben wir ein voll ausgebuchtes Easter Camp geplant. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon alle Einkäufe getätigt und Aufgaben an Mitarbeiter verteilt. Dann mussten wir es absagen.“

Die sogenannte Summer School konnte zwar stattfinden, jedoch anders als geplant. Statt zehn Kindern konnten sich nur noch sechs anmelden. „Um mehr Abstand zu ermöglichen“, bekam jeder eine Einzelstunde in einem Wahlfach. Das gemeinsame Kochen entfiel, die Bastelzeit wurde um eine Stunde reduziert. Wer Scheren, Kleber und Stifte teilte, musste sie desinfizieren. Den Sportpfad im Stadtwald Verden konnten Schüler immer noch betreten. Trotz der Probleme zieht die Inhaberin ein positives Fazit: „Die Kinder waren außerordentlich begeistert.“

In Corona-Zeiten wurde vor allen Dingen der Sprachunterricht für Geflüchtete zu einer Herausforderung, da Sandra Bruns sie online kaum erreichen konnte. Zu einer Familie ging der Kontakt komplett verloren.

Ein bisschen Angst hat Sandra Bruns immer noch, denn die Unsicherheit in der Bevölkerung könnte zunehmen, was zu weniger Kunden führen würde. Außerdem lernen bei ihr auch über 70-Jährige, eine Risikogruppe, aus der Bruns niemanden anstecken möchte. Sie selbst habe keine Angst zu erkranken. Aber: „Es geht mir um das Gesamt-gesellschaftliche.“

Momentan dürfen maximal acht Personen in eine Gruppe des Präsenzunterrichts. In der Regel befinden sich drei bis vier Schüler in einem Kurs. Die Abstandsregelung gilt überall, den Mund-Nasen-Schutz muss man im Unterricht nicht tragen. Kinder unter sechs Jahren sind von der Maskenpflicht befreit. Bei dieser Altersgruppe ist es laut Bruns am schwersten, die Abstandsregelung durchzusetzen. „Für Disziplin zu sorgen, ist jetzt ein größeres Thema.“ Dozentinnen tragen die Maske nur dann, wenn sie den Schülern etwas am Platz erklären. Ansonsten sei es zu schwer, deren Mimik zu deuten. Weisen die Mitarbeiterinnen Symptome auf, fühlen sich aber noch gesund genug, um zu arbeiten, steigen sie gerne spontan auf den Online-Unterricht um.

Zu den Corona-Sicherheitsmaßnahmen der Politik sagt die Privatlehrerin: „Es ist nicht schön, aber notwendig.“ Als der Präsenzunterricht noch nicht stattfinden konnte, informierten der Landkreis, die Behörden sowie die Steuerberatung schnell über Anträge, die sie hätte stellen können.

Bei ihren Schülern und deren Eltern habe jedoch eine starke Unsicherheit geherrscht, da die staatlichen Schulen vor allem mit der Digitalisierung zu langsam vorgegangen seien.

„Ich versuche, optimistisch zu sein“, sagt Bruns. Wie bereits zuvor wolle sie sich im Bereich Online-Unterricht weiterbilden und sich darauf vorbereiten, dassihre Angestellten krankheitsbedingt ausfallen können. Auch wenn man den Erwartungen von Kunden nie zu 100 Prozent gerecht werden könne, wolle sie sich dem doch annähern.

Von Friederike Müller

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