930 Leiharbeiter im Landkreis: NGG fordert Nachbesserungen zu Gesetzentwurf

Beschäftigte zweiter Klasse

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Besonders in der Ernährungswirtschaft und in der Fleischindustrie ist Leiharbeit weit verbreitet.

Landkreis - Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Leiharbeiter und Beschäftigte mit einem Werkvertrag sollen im Kreis Verden besser gestellt werden. Das fordert zumindest die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Silke Kettner, Geschäftsführerin in der Region Lüneburg, erwartet mehr, als die geplante Neuregelung aus dem Bundesarbeitsministerium vorsieht.

„Ein Schritt in die richtige Richtung ist der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles zur Begrenzung von Leiharbeit und Werkverträgen“, sagt Silke Kettner. Der Geschäftsführerin der NGG Lüneburg gehen die geplanten Änderungen aber nicht weit genug: „Die Politik muss endlich dafür sorgen, dass heimische Stammbelegschaften nicht dauerhaft durch Beschäftigte zweiter Klasse ersetzt werden“, fordert Kettner. Dabei sollten insbesondere die Betriebsräte „ein Wörtchen mitreden“ können.

930 Leiharbeiter gab es nach Angaben der Gewerkschaft im vergangenen Jahr im Verdener Kreisgebiet. Neun Jahre zuvor seien es noch etwa 520 gewesen. „Leiharbeiter machen dabei oft genau den gleichen Job wie die Stammbelegschaft – nur für weniger Geld. Außerdem haben sie meist weniger Urlaub, häufig keine Extra-Alterssicherung und müssen manchmal in der Werks-kantine auch noch höhere Preise bezahlen“, kritisiert Kettner.

Besonders in der Fleischindustrie und in der Ernährungswirtschaft sei Leiharbeit weit verbreitet. Auch im Landkreis Verden setzten viele Unternehmen mit dieser art von „Billig-Jobs“ darauf, Tarif- und Sozialstandards zu umgehen.

Dieses Kalkül stecke auch hinter den Werkverträgen. Hier werde der Mitarbeiter für eine bestimmte Tätigkeit, ein Gewerk, bezahlt. „Auch hier gehört Missbrauch zum Alltag. Es ist eine schlechte Ausrede, wenn Firmen immer wieder mit flexiblen Arbeitskräften für wechselnde Auftragslagen argumentieren und diese in Wahrheit wie Stammpersonal einsetzen“, bemängelt die Gewerkschaftssprecherin.

Nach dem Vorschlag des Bundesarbeitsministeriums soll die Nutzung von Leiharbeit künftig auf maximal 18 Monate begrenzt werden. Bei Werkverträgen solle stärker überprüft werden, ob dahinter nicht in Wirklichkeit ein ganz normales Arbeitsverhältnis steckt. „Aber damit diese Kontrolle auch wirklich funktioniert, brauchen die Betriebsräte mehr Mitbestimmungsrechte. Sie müssen erkennen, ob ein Werkvertrag wirtschaftlich gerechtfertigt ist“, fordert NGG-Geschäftsführerin Kettner. Ohne starke Arbeitnehmervertreter sei der Missbrauch von Leih- und Werkvertragsarbeitern in den Betrieben nicht in den Griff zu bekommen.

red

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