Geschäftsführer von Verdener Unternehmen engagiert sich international

Leidenschaft für die Tierzucht

Auszeichnung für sein Engagement: Der ICAR-Vorsitzende Jay Mattison (USA) überreicht Dr. Reinhard Reents (rechts) den President’s Award. Foto: ICAR /Mosconi

Verden – Sein Name ist in der Branche ein Begriff – weltweit. Dr. Reinhard Reents, Geschäftsführer der Verdener Unternehmensgruppe vit, hat viele Jahre lang die gesamte deutschsprachige Rinderzucht als Vorstandsvorsitzender von Interbull in Schweden vertreten und war dafür in vielen Ländern unterwegs. Seine Ehrung und Verabschiedung aus den Gremien von Interbull fand jetzt in Prag in Tschechien sowie in Cincinnati in den USA statt. Reents größtes Anliegen in den vergangenen Jahrzehnten war, die deutsche Tierzucht voranzubringen, auch hinsichtlich Tierwohl und Tiergesundheit.

Die Unternehmensgruppe vit (siehe Infokasten), am Verdener Tierzuchtstandort Lindhooper Straße gelegen, hat 130 Mitarbeiter, für die Reents als Geschäftsführer seit 1999 die Verantwortung trägt. Darüber hinaus hat er internationale Aufgaben wahrgenommen. „So etwas würde man nicht on top machen, wenn man nicht für das Thema brennt“, so der 56-Jährige.

Frühes Interesse an der Zucht

Dabei kommt er gar nicht aus der Landwirtschaft. In Ostfriesland als Sohn von Kaufleuten aufgewachsen, bekam er in Kühe nur von Weitem zu sehen. Sein Interesse an der Landwirtschaft zeigte sich trotzdem früh. „Meine Eltern sagten zu mir: Wenn du Landwirt werden willst, solltest du aber erst mal studieren.“ Schon während des Studiums der Agrarwissenschaften in Göttingen kristallisierte sich Reents’ Schwerpunkt heraus. Er promovierte über die Zuchtwertschätzung beim Milchrind.

Als Stipendiat an der Universität Guelph, Ontario, Kanada, war er beteiligt an der Entwicklung eines sehr aufwendigen Rechenverfahrens zur Verwendung von Einzelkontrolldaten beim Milchrind, das danach erstmals zur Anwendung kam und inzwischen das Standardverfahren der Zuchtwertschätzung (ZWS) darstellt.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland ging es direkt nach Verden zu vit, wo er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war, aber schon wenige Jahre später vom Vorstand zum Geschäftsführer der Unternehmensgruppe gewählt wurde.

Die Daten, die vit für deutsche Tierzüchter sammelt und verarbeitet, spielen auch international eine wichtige Rolle. „33 Länder, in denen es diese Datenverarbeitung gibt, haben sich zusammengeschlossen. In Schweden fließen diese Daten zusammen bei Interbull“, erklärt Reents. „Unser gemeinsames Ziel ist, einfach formuliert, unseren Mitgliedern die besten Zuchtergebnisse zu ermöglichen. Und die besten Rinder sind nicht nur die, die viel Milch geben. Sondern es geht auch darum, dass sie gesund sind, lange leben und fruchtbar sind.“

Seit 1999 war Reents Mitglied des Vorstandes von Interbull für die deutschsprachigen Länder, seit 2006 Vorsitzender des Vorstandes. Von 2006 bis 2014 war er außerdem Sekretär des geschäftsführenden Vorstandes von ICAR (International Committee on Animal Recording) mit Sitz Rom. „ICAR ist eine unabhängige Organisation, die sozusagen die Stiftung Warentest für Tierzüchter darstellt“, erklärt Reents.

Seine Reisen für Interbull und ICAR führten Reents in die Niederlande, nach Italien, Kroatien, Neuseeland, in die USA und viele weitere Länder, wo er Sitzungen leitete, sich mit Wissenschaftlern traf, sich über Forschungsergebnisse der Genetik informierte und Milchviehbetriebe besichtigte. „Es gibt natürlich Länder, wie Irland oder Neuseeland, wo die Tierzucht noch eine größere Rolle spielt als bei uns“, erzählt Reents. Auch bei einem Besuch in Chile war er erstaunt über die schiere Größe der dortigen Betriebe. Es gebe auch deutliche Unterschiede bei den Ländern, was die Rolle des Tierwohls angehe. „Da ist Deutschland, gemeinsam mit Dänemark, Holland und Frankreich schon relativ weit vorne.“

Zu den Gründen seines Ausscheidens sagt Reents: „Ich habe diese Ämter sehr früh schon wahrnehmen können, das heißt, mit 37 Jahren wurde ich in den Interbull-Vorstand gewählt und mit nur 44 Jahren Vorsitzender. Das hat mich seinerzeit sehr geehrt und deshalb möchte ich jetzt jüngeren Leuten die Möglichkeit geben, sich dort ebenso einzubringen.“ Außerdem koste so ein Amt viel Zeit. „Es gibt einige andere, wichtige Aufgaben die ich in den nächsten zehn Jahren im vit noch bearbeiten möchte.“ So soll ein weltweit funktionierendes Austauschsystem von neuen Daten auf Milchviehbetrieben, zum Beispiel von automatischen Melksystemen, entwickelt werden.

Reents Nachfolger als Vorstandsvorsitzender bei Interbull kommt aus Australien, sein Nachfolger als Vertreter der deutschsprachigen Länder aus der Schweiz. „Natürlich werde ich auch künftig an Treffen teilnehmen und unser Unternehmen bei Interbull vertreten“, so Reents.

Die Informationssysteme, die Grundlage der gesamten Arbeit von vit sind, wurden in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter entwickelt. „Ich glaube schon, dass auch dank unseres Engagements die deutsche Rinderzucht immer noch in bäuerlicher Hand ist“, sagt Reents nachdenklich. „Durch die Transparenz, die wir mit unseren Daten herstellen, hat jeder Landwirt die Möglichkeit, seine eigenen Zuchtziele zu definieren. So kann er selbst entscheiden, wie viel Wert er zum Beispiel auf gesunde Kühe legt. Und genau darum machen wir das.“

So viel Leidenschaft für Milchkühe. Und doch hat Reents, der in Kreepen-Brammer wohnt, keine eigenen. Er lächelt: „Niemand hält sich Milchkühe zum Spaß. Die sind viel zu pflegeintensiv. Irgendwann lege ich mir vielleicht mal ein paar Fleischrinder zu.“ Die Tierzucht allerdings spielt auch in seinem Privatleben eine Rolle: Er hat eine kleine Hannoveranerzucht mit zwei Stuten, die er mit viel Freude betreibt.  rei

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