Staatsanwaltschaft spricht von Mord 

Lebenslang für den vermutlichen Brandstifter?

Toni. H. mit seinem Verteidiger, Rechtsanwalt Alexander Grantz, vor dem Landgericht in Verden. - Foto: Bruns

Verden-Riede - Lebenslänglich wegen Mordes hat die Staatsanwaltschaft heute in dem Mord- und Brandstiftungsprozess am Landgericht Verden beantragt. Jedoch nur für den 44 Jahre alten Angeklagten Toni H.. Für dessen ebenfalls angeklagten Halbbruder Aron-Che B. hält Staatsanwalt Joachim Beneke sechs Jahre für angemessen. Der 23-Jährige aus Wiesmoor soll im Auftrag des 44-Jährigen in der Nacht zum 1. Advent 2015 in Thedinghausen-Riede ein Wohnhaus angezündet haben. Eine 56 Jahre alte Mieterin und ihr 61 Jahre alter Lebensgefährte waren bei dem Brand ums Leben gekommen.

Für Staatsanwalt Beneke steht fest, dass der 44-Jährige mit der Tat die Versicherung betrügen wollte. „Toni H. kaufte das Haus in Riede und konnte den Kaufpreis nicht bezahlen. Die Gebäudeversicherung wurde auf ihn übertragen, dann entschloss er sich, in der Erdgeschosswohnung einen Brand legen zu lassen“, so Beneke. Im Gegenzug habe er seinem Halbbruder Geld und ein Auto versprochen sowie Schulden erlassen. Bis zu 375.000 Euro hätte Toni H. aus der Gebäude- und Hausratversicherung zu erwarten gehabt.

Vier Mordmerkmale sieht der Jurist als erfüllt an. Der 44-Jährige habe gehandelt aus Habgier, Heimtücke, mit gemeingefährlichen Mitteln und um eine andere Straftat zu ermöglichen. Er habe sich damit des Mordes sowie der Anstiftung zur besonders schweren Brandstiftung, Anstiftung zur Brandstiftung mit Todesfolge sowie des Betruges im besonders schweren Fall schuldig gemacht. Zur Brandlegung und Beihilfe zum Betrug angestiftet habe er seinen Halbbruder Aron-Che B..

Tod wurde in Kauf genommen 

„Toni H. nahm es billigend in Kauf, dass seine Mieterin durch den Brand sterben würde“, so Beneke. Aron-Che B. sei vorher von Toni H. gesagt worden, dass sich niemand im Haus aufhält. Überprüft hat der 23-Jährige das jedoch nicht. „Wenn B. aber nicht so leichtsinnig vorgegangen wäre, dann hätte er erkannt, dass in dem Haus Menschen lebten“, so Benekes Vorwurf. Zu Gunsten des 23-Jährigen wertete er dessen Geständnis. Über Zeugenhinweise und Indizien war die Polizei bereits auf die Spur der Halbbrüder gekommen. „Der Nachweis der Tatbegehung durch den Angeklagten H. ist vor allem dadurch gelungen, dass der Angeklagte B. umfassend ausgesagt hat und das von Anfang an“, so Beneke.

Toni H. leugnet alles. In seinem Plädoyer nannte sein Verteidiger andere mögliche Auftraggeber. Ein Motiv hätte auch der Ehemann der damaligen Geliebten seines Mandanten gehabt, der zugleich Toni H's. Arbeitgeber war. Die Affäre sei kurz vor dem Brand aufgeflogen, argumentierte Rechtsanwalt Alexander Grantz. Ein Motiv habe auch ein gemeinsamer Bekannter der beiden Angeklagten aus Ostfriesland gehabt. Dieser könnte aus Rache gehandelt haben, weil Toni H. diesen Mann früher einmal wegen Brandstiftung angezeigt habe.

Angeklagter zeigt Reue

Das Leid der Angehörigen der Opfer brachten insbesondere die Anwältinnen der fünf Nebenkläger zum Ausdruck. Darunter die Mutter der getöteten Frau und eine 25 Jahre alte, gemeinsame Tochter des getöteten Paares. Unter Tränen hatte der 23-Jährige Angeklagte in seinem Schlusswort sein Bedauern ausgesprochen und sein Unverständnis über das Prozessverhalten seines Halbbruders geäußert.

Starke Geste

Nach Verhandlungsende zeigten die beiden Frauen eine große Geste: sie gingen zur Anklagebank und dankten dem 23-Jährigen. Nur durch seine Aussage hätten sie erfahren, was in jener Nacht geschehen ist. Nur verzeihen, das könne sie ihm nicht, sagte die 25-Jährige.

Am 19. Oktober, um 13 Uhr, will das Gericht das Urteil verkünden. 

wb

Prozess zum tödlichen Brand in Riede: Finanzierung machte Probleme

Mehr zum Thema:

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Bayern nach Leipzig-Patzer wieder vorn

Riesenjubel in Grün-Weiß

Riesenjubel in Grün-Weiß

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

DHB-Frauen starten mit Sieg in EM-Hauptrunde

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Weihnachtsmarkt in Sankt Hülfe/Heede

Meistgelesene Artikel

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Eine besondere Atmosphäre

Eine besondere Atmosphäre

Einfach abgestellt und abgehauen?

Einfach abgestellt und abgehauen?

Nikolausmarkt in Dörverden - wohltuend und wärmend

Nikolausmarkt in Dörverden - wohltuend und wärmend

Kommentare