Langsamkeit und ein paar bitterböse Songtexte

Comedian Rüdiger Hoffmann mit Tiefgang in der Verdener Stadthalle

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Rüdiger Hoffmann begeisterte in der Verdener Stadthalle mit Comedy und mit Gesang. 

Verden - Mehrere Hundert Zuschauer lieferten am Sonntagabend die perfekte Kulisse für „Hoffmanns Erzählungen“, den Auftritt von Rüdiger Hoffmann in der Verdener Stadthalle. Mit Humor-Salven aus seinem „Best-of-Programm“ rang der wohl stoischste aller Comedians im Lande seinen altersgemischten Fans die Lachtränen ab. Vor einem fast ausverkauften Haus legte er auch die eine oder andere wohlklingende Gesangseinlage hin, zu der er sich selbst am Flügel auch noch virtuos begleiten konnte.

Doch bevor Hoffmann rein unterhaltungstechnisch zur Sache gehen konnte, wurden Handtaschen und Rucksäcke der Besucher kontrolliert. Es galt, die Persönlichkeitsrechte des Künstlers zu wahren. Für Großstadtpublikum oder routinierte Konzertbesucher ein durchaus gewohntes Prozedere. Für viele Verdener Comedyfans indes war das Vorgehen eine eher ungewohnte Maßnahme, auf die sie mit Verstimmung reagierten. Doch Schwamm drüber, denn kaum, dass ihr Idol auf der Bühne stand, waren die Irritationen auch schon vergessen und eine wohlige Erwartungshaltung herrschte vor. Erwartungen, die der aus Paderborn stammende „Entdecker der Langsamkeit“ dann auch vollends zu erfüllen vermochte.

Der Einstieg war musikalisch. Hoffmann bemühte sich mit Kapitänsmütze am Klavier sitzend, die Gäste an Bord der dem Untergang geweihten „MS Astoria“ bei Laune zu halten. Erst danach kam gewohnt temporeduziert das legendäre „Hallo erst mal“. Und das ließ das Publikum erstmals lauthals auflachen, noch bevor die ersten Zoten überhaupt erzählt waren.

Und dann lief Hoffmann, natürlich stets mit der ihm gebotenen Langsamkeit, so richtig schön warm. Er bedankte sich, dass man ihn in Verden erneut so freundlich aufgenommen habe, palaverte über dies und jenes und arbeitete seine Themen mit reichlich Wortwitz und noch mehr verbaler Sprengkraft ab.

Da wurde Alltägliches übertrieben und zwischenmenschliche Geschehnisse durch maßlose Wiederholungen ausgereizt. Jedesmal beim „Ich weiß nicht, ob sie’s schon wussten ...“ war das ein Anlass für das Publikum lauthals loszubrüllen.

Lächelnd und mit Kraft

Aber der Comedian konnte auch richtig böse sein. Fortwährend lächelnd zwar, aber dennoch mit kräftigem verbalen Wums, wenn sich in einem Beitrag etwa augenscheinliche Toleranz ins Gegenteil verkehrte, die „acht Kostbarkeiten“ im chinesischen Restaurant den perfekten Rahmen boten, um Fremdenfeindlichkeit auszuleben, oder der Besuch beim Italiener die Kinderfreundlichkeit ins Gegenteil katapultierte.

Auch Hoffmanns Erzählungen über die Gründung der Selbsthilfegruppe „Anonyme Ausländerfeinde“ im Schützenverein, über das Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau oder Hoffmanns bitterböse Songtexte aus Sicht eines karitativ engagierten Waffenschiebers oder eines in Selbstmitleid ertrinkenden Säufers hatten bei aller Lachgarantie Tiefgang. Sie regten, Comedy hin oder her, Hoffmanns Zuhörer durchaus zum Nachdenken an.

Insgesamt war die Wirkung des Künstlers auf sein Publikum aber ein reiner Selbstläufer. Viele kamen aus dem Lachen nicht heraus, was neben den verbalen auch den besonderen mimischen Fähigkeiten von Hoffmann geschuldet war, da selbst scheinbare Winzigkeiten zu Krachern mutierten. Zwar betonte er mehrmals „Das mach ich nun wirklich nicht, das hat einfach keinen Stil.“ Doch am Ende tat er’s dann doch, was es auch war, und keiner im Publikum nahm es ihm übel; im Gegenteil. Zum Finale gab es dann tobenden Applaus für den Künstler, der die Bühne erst nach Zugaben verlassen durfte.

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