Spargelbauern geben Entwartung

Landwirte in der Corona-Krise: „Jahresgewinn weg“ mehrere Betriebe im Kreis Verden betroffen

„Milch- und Kartoffel-Betriebe sind besonders unter Druck“: Landvolkvorsitzender Christian Intemann auf seinem Hof.
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„Milch- und Kartoffel-Betriebe sind besonders unter Druck“: Landvolkvorsitzender Christian Intemann auf seinem Hof.

Verden/Achim – Die Regale leergefegt. Milch plötzlich Mangelware. Vor sechs Wochen noch waren die Tetrapacks mit dem weißen Inhalt palettenweise in die Einkaufswagen gewandert, und es fehlte der Nachschub. Da rollt der Rubel auch in der Landwirtschaft? „Die Realität sieht leider anders aus“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Landvolkverbandes Rotenburg-Verden, Christian Intemann. „Milchbauern gehören zu den Leidtragenden der Corona-Krise.“ Und nicht nur sie. Schwer treffe es auch Kartoffelanbauer. „Da steht jetzt schon fest: In einer Reihe von Betrieben ist der Jahresgewinn weg.“ Spargelanbauer indes geben vorsichtig Entwarnung.

Eigentlich hat die Großmolkerei in Zeven, zu der viele Landwirte der Region liefern, alles richtig gemacht. Sie produziert unter anderem H-Milch im großen Stil. Beim Milchpreis nimmt sie dennoch keine Inselrolle ein. „Andere Milchabnehmer sind weggebrochen. Die Gastronomie zum Beispiel, die Produzenten von Kaffeesahne in Kleinportionen, die internationalen Käseabnehmer“, sagt Intemann. Klartext: Es komme zum Überangebot. Und da Milch eben nicht unbegrenzt lagerfähig ist, zum Preisverfall. „Gegenwärtig liegen wir bei 30 bis 31 Cent, die pro Liter in die Kasse der Landwirte fließen“, so der stellvertretende Vorsitzende: „Inzwischen mehren sich die Hinweise, die Preise könnten auf 25 Cent absinken.“ Um gut 20 Prozent mit fatalen Folgen. „Die Familienbetriebe in der Region nennen im Schnitt 100 bis 120 Kühe ihr eigen. Das heißt, sie haben eine Jahresabgabe von einer Million Kilogramm Milch. Stürzt der Preis tatsächlich ab, fehlen 50. 000 Euro in der Kasse.“ Jedermann könne sich anhand seiner eigenen Gehaltsabrechnung ausmalen, was das bedeute. „Das geht an die Substanz.“

Schon in den vergangenen Monaten haben die Milchviehhalter abwartend reagiert, wie Intemann feststellt. „Rund 30 Cent je Liter reichen offenbar nicht, um sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.“ Maßnahmen etwa im Rahmen der Düngemittelverordnung, alles mit hohen Investitionen verbunden, seien jedenfalls nur sehr zurückhaltend ergriffen worden.

Kartoffelanbauer besonders schwer von Corona-Krise betroffen

Schwer treffe es Kartoffelanbauer, vor allem jene, die sich als Lieferanten für Pommes Frites oder Chips positioniert haben. „Der ganze Markt ist weggebrochen, die Gastronomie genauso wie die Imbiss-Betriebe“, so Intemann. Einige Landwirte seien dazu übergegangen, die Erdäpfel an Rinder zu verfüttern oder sie Biogas-Anlagen zuzuführen. Intemann: „Da werden echte Werte vernichtet.“

Zu Beginn der Corona-Krise hatten vor allem Anbauer des weißen Gemüses schwarz gesehen. Erntehelfer fehlten in der Spargelernte, die Gastronomie breche als Abnehmer komplett weg, hieß es vor acht Wochen noch. Inzwischen beginnt man sich mit der Lage zu arrangieren. „Der Verkauf auf Wochenmärkten und an den Spargel-Hütten hat deutlich zugenommen“, sagt Intemann. „Mit diesem Anstieg wird der Ausfall der Gastronomie nahezu kompensiert.“ Und auch auf die fehlenden Erntehelfer fanden die Landwirte eine Antwort: „Sie setzen häufiger Erntemaschinen ein.“ Der stählerne Kollege könne zwar nicht so gut zwischen erntefähigem und noch zu schonendem Stangengemüse unterscheiden, aber fürs Erste müsse es reichen. Wegen des gegenwärtigen kalten Wetters sei nicht mit einem Überangebot zu rechnen, insgesamt erwarte man einen durchschnittlichen Saisonverlauf. 

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