Landrat: „Keine Ausgangssperre“

Verdens Innenstadt so gut wie leer gefegt: In der Gaststätten-Verfügung wurde festgesetzt, dass Restaurants, Speisegaststätten, Systemgastronomie, Imbisse, Mensen und dergleichen ab sofort für den Publikumsverkehr zu schließen sind. Die Polizei sorgt dafür, dass die Verbote eingehalten werden. Foto: wienken

Der Landkreis Verden wappnet sich weiter gegen die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus. Die Polizei fährt Kontrollen, damit die verhängten Maßnahmen eingehalten werden. Wo Verstöße gemeldet werden, schreiten die Beamten ein. Dass die Menschen infolge der verschärften Anweisungen zunehmend zu Hause bleiben, wertet Landrat Peter Bohlmann als Erfolg. Von einer Ausgangssperre hält er nichts.

VON MARKUS WIENKEN

Landkreis – Der Landkreis Verden hat seit dem vergangenene Wochenende im Zuge der Corona-Pandemie Zusammenkünfte auf zehn Personen beschränkt. In der Gaststätten-Verfügung wurde zudem festgesetzt, dass Restaurants, Speisegaststätten, Systemgastronomie, Imbisse, Mensen und dergleichen ab sofort für den Publikumsverkehr zu schließen sind. Damit die Verordnung eingehalten wird, dafür fahren Beamte der Polizeiinspektion seit dem Wochenende verstärkt Streife. Da, wo Verstöße gemeldet wurden, schritten die Kontrolleure ein. „Betreiber von Restaurants, Speisegaststätten oder ähnlichen Lokalitäten wurden durch die Polizei proaktiv über die neuen Regelungen informiert“, so Pressesprecherin Sarah Humbach.

Gemeldet wurden beispielsweise Personen auf Spielplätzen oder im Bereich von Schulen. Sofern vor Ort Personen angetroffen wurden, intervenierten die Beamten und wiesen auf die Bedeutung der nunmehr geltenden Verhaltensregeln hin. „Hierbei stießen sie auf viel Verständnis“, so Humbach.

Darüber hinaus erreichten die Polizei mehrere Hinweise bezüglich privater Zusammenkünfte. Auch in diesen Fällen hätten sich die angetroffenen Personen meist einsichtig gezeigt. Nur in einem Fall sei ein junger Mann ausfallend geworden. Bei einer privaten Feier in Verden beleidigte ein 20 Jahre alter, alkoholisierter Gast die Polizei. Er wurde zur Dienststelle gebracht. Gegen ihn läuft nun ein Ermittlungsverfahren.

Darüber hinaus suchte die Polizei am Samstag landkreisweit Betriebe auf, die Speisen und/oder Getränke anbieten, und informierte diese über die neuen Regelungen. „Die Lokalitäten waren häufig bereits auf die neuen Regelungen eingestellt“, teilte Humbach mit. Sie kündigte zudem an, dass die Polizei auch weiterhin Präsenz auf den Straßen zeige, die Einhaltung der Regelungen kontrollieren und bei Verstößen intervenieren werde.

Zufrieden äußerte sich Landrat Peter Bohlmann mit der Umsetzung der verschärften Regelungen und sieht den Landkreis auf dem richtigen Weg. „Nach meinem Eindruck werden die Vorgaben berücksichtigt und die Abstandsregeln breit und streng eingehalten“, äußerte er gestern in einem Telefonat mit unserer Zeitung. Zu Beginn der vergangenen Woche habe es noch problematische Ansammlungen gegeben, die dann aber immer seltener geworden seien. „Auch die Verschärfung und Ausweitung der Verbote werden dazu einen Beitrag geleistet haben“, so Bohlmann. „Wir haben uns als Landkreis schon früh für weitere Verschärfungen, wie die Schließung von Friseurläden eingesetzt“, fuhr Bohlmann fort. „Es geht um nachvollziehbare Maßnahmen und nicht darum, ob man die Einschränkungen als Ausgangssperren wie in Bayern oder Ausgangsbeschränkungen wie in Niedersachsen und Bremen bezeichnet“, erklärt der Landrat. Bohlmann weiter: „Die Forderung nach einer Ausgangsperre hat dazu geführt, dass einige Unternehmen dachten, dass ihre Mitarbeiter Montag nicht mehr zur Arbeit gehen dürfen. Auch denken viele Menschen bei ,Ausgangssperre’, dass sie ,eingesperrt’ werden, obwohl gegen einen Spaziergang von zwei Leuten oder der Kleinfamilie nichts spricht.“ Von daher ist es richtig, dass sich Bund und Länder anscheinend auf die weitere Reduzierung von Kontaktverboten verständigt haben. Wichtig ist, dass das, was vorgegeben ist, von den Landkreisen und der Polizei gut kontrollierbar und bei Verstößen ahnbar ist.

Klare Worte schickt Bohlmann in Richtung München: „Zukünftig sollte auf politische Diskussionen verzichtet werden, die die Unsicherheit noch weiter erhöhen. Bei der Bewältigung dieser Krise geht es um die Umsetzung von vernünftigen Verwaltungslösungen und ein hohes Verantwortungsgefühl in der Bevölkerung. Symbolpolitik, politische Überbietungswettbewerbe oder Falschmeldungen in den sozialen Medien sind in Krisen immer Fehl am Platz und können schnell fatale Folgen entfalten“, machte Bohlmann deutlich.

Auch an anderer Stelle arbeiten die Verantwortlichen auf Hochtouren, um der Epidemie wirkungsvoll entgegenzutreten. Die Aller-Weser-Klinik Verden sucht noch nach Freiwilligen, die im Falle einer Zuspitzung der Pandemie die Pflegekräfte unterstützen (wir berichteten). „Unser Personal arbeitet angesichts der zusätzlichen Herausforderung durch Corona in vielen Bereichen in der Nähe der Belastungsgrenze. Das betrifft nicht nur den medizinischen Part, sondern auch andere Berufsgruppen, die bei uns im Haus tätig sind“, erklärt Dr. Peter Ahrens, Ärztlicher Direktor im Krankenhaus Verden. „Wir sind sehr gut aufgestellt und vorbereitet auf unterschiedliche Szenarien, die kommen könnten.“ Jedoch ist er sich sicher, dass die Belastung täglich wachsen wird, in einem noch nicht abschätzbaren Ausmaß. Daher sollen Teams, im Falle einer verschärfteren Lage, von allen nichtpflegerischen Aufgaben entlastet werden, um eine bestmögliche Versorgung der Patienten zu erhalten.

Infrage kommen insbesondere ehemalige Zivildienstleistende/Bufdis, Medizinstudenten und alle, die motiviert sind, in dieser schwierigen Zeit das AWK-Team mit ihren persönlichen Fähigkeiten zu unterstützen. „Die Einsatzgebiete können ganz unterschiedlich sein. Sie reichen vom hausinternen Hol- und Bringedienst, über Telefonate führen, Kopieren, Hilfe bei der administrativen Verwaltung, Reinigungstätigkeiten bis hin zur Essensverteilung, um nur einen Bruchteil der Möglichkeiten zu nennen. Wir freuen uns über jede Kompetenz, die uns zur Verfügung gestellt wird“, betont Ahrens, stellvertretend für die gesamte Krankenhausleitung. „Sichergestellt ist selbstverständlich, dass die Helfer nicht mit isolierten Corona-Patienten arbeiten.“

Interessenten können sich ab sofort unter der E-mailadresse personal@aller-weser-klinik.de melden. Es wird darum gebeten, den Namen, Anschrift, Telefonnummer, Alter und besondere Fähigkeiten, Beruf oder Vorerfahrungen anzugeben, damit das Koordinationsteam Helfer und Aufgaben optimal zusammenbringen kann. „Wir danken allen Bürgern, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen engagieren möchten“, betont Ahrens.

Für Infos steht Interessierten werktags, zwischen 10 und 12 Uhr, ein Mitarbeiter unter der Telefonnummer 04231/103-8002 zur Verfügung. Auch die Website der AWK bietet Informationen unter www.aller-weser-klinik.de.

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