Bericht der Barmer/Psyche und Rückenschmerzen

Im Landkreis fehlt jeder Arbeitnehmer durchschnittlich 17,4 Tage pro Jahr

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Regionaldirektor Wolfgang Kommnick (li.) und Landespressesprecher Michael Erdmann stellten den Gesundheitsreport der Barmer in einem Gespräch vor. 

Landkreis Verden- Vielfältig sind die Krankheitsbilder, wenn Menschen ihrer täglichen Arbeit nicht nachgehen können. Reicht im Landkreis Verden ein Arbeitnehmer ein Attest ein, steht meist „Probleme mit der Psyche“ oder „Schmerzen im Rücken“ auf dem gelben Schein. „Fast 50 Prozent aller Krankschreibungen“, berichtet Michael Erdmann, Pressesprecher der Barmer, Landesvertretung Niedersachsen Bremen, in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Barmer legt in ihrem Gesundheitsreport für das Jahr 2017 zudem konkrete Zahlen vor. Danach war im Landkreis Verden im vergangenen Jahr jeder Erwerbstätige statistisch betrachtet insgesamt 17,4 Tage krankgeschrieben, in 2016 waren es noch 17,1 Tage. „Die Berufstätigen bei uns hatten 0,2 Tage weniger Fehlzeiten als im Bundesdurchschnitt, aber die Tendenz ist steigend“, so Regionalgeschäftsführer Wolfgang Kommnick. Vor allem psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Probleme sorgten bei den Beschäftigten für längere Abwesenheiten vom Arbeitsplatz.

Zum Vergleich: Die Spannbreite der ermittelten Fehlzeiten in Niedersachsen reicht von 13,9 Tagen im Kreis Vechta bis 21,6 AU-Tagen in Wilhelmshaven. Landesweit liegt der Durchschnitt bei 17,7 Tage.

Beim Blick auf die vier ärztlichen Hauptdiagnosen für Arbeitsunfähigkeiten (AU) entsteht folgendes Bild:

Psychische und Verhaltensstörungen gab es in Verden 3,1 Prozent öfter als im Bund. „Das entspricht insgesamt 3,5 AU-Tagen je erwerbstätigem Versicherten“, erklärte Erdmann. Krankheiten des Atmungssystems wurden in Verden 13,2 Prozent weniger als im Bund diagnostiziert, insgesamt 2,2 AU-Tage. Bei Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems lag Verden 2,2 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, insgesamt kamen 3,8 AU-Tage zusammen.

Bei Verletzungen, Vergiftungen und bestimmten anderen Folgen äußerer Umstände liegt Verden um zwei Prozent höher als im Bund, insgesamt 2,2 AU-Tage.

Doch was sagen die Statistiken aus? „Die Interpretation der Ergebnisse ist keinesfalls einfach“, gibt Erdmann zu. Es gelte, viele Einflüsse zu bedenken. Das Alter spiele eine große Rolle. „Bei Erwerbspersonen mit Hinweisen auf einen geringeren sozioökonomischen Status können häufigere gesundheitliche Probleme und Einschränkungen auftreten, als bei Personen mit höheren Schul- und Ausbildungsabschlüssen sowie mit größeren finanziellen Ressourcen.“ Zudem könnten sich gesundheitliche Einschränkungen erst ab einer bestimmten Schwelle auswirken. „Ein Arbeitnehmer kann beispielsweise durchaus schon lange unter leichteren Kopfschmerzen gelitten haben, ehe er sich wegen zunehmender Beschwerden krankschreiben lässt“, betont Kommnick.

Aber auch das Klima am Arbeitsplatz dürfte unterschiedliche Auswirkungen haben. Höhere Krankenstände können Folge eines schlechten Betriebsklimas oder allgemein hoher Belastungen sein. Umgekehrt könne die Angst um den Erhalt des Arbeitsplatzes jedoch auch zur Vermeidung von berechtigten Fehlzeiten führen. „Doch mit dem Kopf unter dem Arm zur Arbeit gehen, mache keinen Sinn“, so Erdmann. Sein Ratschlag: „Bei entsprechenden Symptomen unbedingt rechtzeitig Hilfe in Anspruch nehmen. Ein weiterer Tipp: „Prävention wird überall angeboten, ob bei Krankenkassen, Vereinen oder Bildungsstätten. Wir empfehlen, solche Kurse unbedingt in Anspruch zu nehmen“, sagte der Pressesprecher.

mw

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