Landkreis Verden: Wirtschaft braucht starken Schulstandort

Betriebe suchen Nachwuchs:
Harter Wettbewerb um jeden Azubi

Jugendliche bearbeiten einen Baumstamm.
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Praktische Ausbildung an den Berufsbildenden Schulen in Verden-Dauelsen: Ein attraktives Angebot sichert den Schulstandort und erhöht die Chance auf Fachkräfte vor Ort.

Azubi verzweifelt gesucht! Viele Betriebe im Landkreis Verden suchen händeringend nach jungem Personal. Woran liegt‘s, dass viele Stellen unbesetzt bleiben...?

Verden – Jung, auf der Suche nach einem Job, kein Problem. Es herrscht freie Auswahl! „Die Betriebe stehen Schlange, sind durchweg auf der Suche nach Auszubildenden“, sagte Siegfried Deutsch, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stade für den Elbe-Weser-Raum am Freitag in einem Pressegespräch. Doch immer mehr Jugendliche winken ab, gehen lieber noch zur Schule – oder drohen bei mangelhaften Angeboten mit Abwanderung.

Auch im Landkreis Verden: Corona hat die berufliche Orientierung erschwert

Es ist bereits das zweite Jahr, in dem Unternehmen und Betriebe einerseits sowie Auszubildende andererseits sich mit der Coronawelle konfrontiert sehen. „Schulschließungen, Homeschooling und Kontaktbeschränkungen haben zeitweise die berufliche Orientierung erschwert“, sagt Christoph Tietje, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Nienburg-Verden. Die Unsicherheit, vor allem bei den Jugendlichen, sei groß. Tietje nannte Zahlen für den Zeitraum von Oktober 2020 bis September 2021. 865 Jugendliche hatten sich bei der Agentur für Arbeit im Landkreis Verden gemeldet, wollten eine Ausbildung machen. 74 Bewerber weniger als im Vorjahr. 788 der Bewerber konnten vermittelt werden, 77 gingen bislang leer aus. „Kaum Praktika möglich, kaum Kontakt zu den Betrieben, oftmals nur Online-Beratung, das macht die Entscheidung nicht leichter“, so Tietje. „Also gehen die Jugendlichen lieber weiter zur Schule.“ Zum Kummer der Unternehmen und Betriebe: „Deren Ausbildungsbereitschaft ist, trotz Corona, weiterhin stabil“, so Tietje. Aber: „Von 1064 Ausbildungsstellen sind noch 140 unbesetzt, 38 mehr als im Vorjahr.“ Ähnliche Tendenzen meldete Natalia Schäfer vom Jobcenter Verden und zuständig für die Umsetzung im SGII. „155 Ausbildungsstellen wurden zwar vermittelt, allerdings ging die Zahl der jugendlichen Bewerber im gleichen Zeitraum um 130 zurück.“

Interessenvertreter aus Wirtschaft, Handel und Agentur für Arbeit stellten – streng nach 2G-Regel – die Ausbildungszahlen vor.

Handwerk im Landkreis stemmt sich gegen Wucht von Corona

Das Handwerk wird nicht müde, sich gegen die Wucht von Corona und den Mangel an Azubis zu stemmen. Engagiert und mit Erfolg, wenn es darum geht, Corona- und Hygienehürden abzuarbeiten, sagt Ante Brekenfeld, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser. „Im Kammerbezirk wurden, trotz Corona, insgesamt vier Prozent mehr Ausbildungsverträge geschlossen als noch im Jahr 2020“, sagt Brekenfeld. Allerdings: Im Landkreis Verden hingegen fiel die Zahl leicht ab: 2020 gab es 290, 2021 sind 286 Eintragungen in die Lehrlingsrolle.

Landkreis Verden: Ausbildungsmarkt vor großen Herausforderungen

Der Ausbildungsmarkt, daran lässt Dirk Immken, Leiter der Aus- und Weiterbildung der IHK Stade, keinen Zweifel, steht vor großen Herausforderungen. „Pandemie, demografische Entwicklung und der fehlende Abitur-Jahrgang haben zu erheblichen Versschiebungen geführt“, so Immken. Nach einem Rückgang von 9,5 Prozent in 2020 (insgesamt 2073 Ausbildungsverträge) zeichne sich zunächst eine Erholung auf niedrigem Niveau ab. Im Elbe-Weser-Raum wird für 2021 ein Zuwachs um 1,2 Prozent erwartet (2098). Die Entwicklung verlaufe jedoch sehr unterschiedlich. Die kaufmännischen Berufe haben Zulauf, verzeichnen einen Zuwachs von drei Prozent (1506 auf 1607 Verträge), während die gewerblich-technischen Berufe nochmals einen Rückgang von 4,2 Prozent hinnehmen mussten (von 513 auf 491).

Gute Bildungsinfrastruktur für Duale Ausbildung

Beispiele für das Auf und Ab liefern, detailliert betrachtet, zwei Bereiche. Die Hotel- und Gaststättenbranche konnte 2021 ein deutliches Plus von 19,5 Prozent Ausbildungsverträgen verzeichnen, war allerdings zuvor durch den Lockdown besonders betroffen. Im Vergleich zu Vor-Corona fehlen aber immer noch 17 Prozent Ausbildungsstellen. Im gewerblich- technischen Bereich hat die Branche Elektrotechnik stark aufgeholt und befindet sich mit einem Plus von 19,7 Prozent wieder auf einem Vorkrisen-Niveau, während die Metalltechnik nochmals ein Minus von 7,6 Prozent hinnehmen musste.

Der Wettbewerb um die Schulabgänger, da sehen sich die Interessenvertreter aus Agentur für Arbeit, von Landkreis sowie der Unternehmen unter Druck, kann nur vor Ort und gemeinsam erfolgreich gemeistert werden. „Wir müssen uns für die Duale Ausbildung um eine gute Bildungsinfrastruktur kümmern“, so Immken.

Interessenvertreter wollen Regionalmanagement aus Kammern, Innungen und Schulen

Ein Weg dorthin: Ein sogenanntes Regionalmanagement, ein verzweigtes Netzwerk, in dem sich Vertreter aus Kammern und Innungen besser mit den allgemeinbildenden Schulen austauschen. Schulen benötigen die notwendigen Mittel, um ihre digitalen Angebote auszubauen sowie durch Kooperationsmodelle die Unterrichtsversorgung im ländlichen Raum aufrecht zu erhalten“, betont Immken.

Denn: „Unabdingbar für einen wirtschaftlich starken Standort ist eine gute und vor allem wohnortnahe Ausbildung von Fachkräften. Nur dann bleiben auch größere Unternehmen und es siedeln sich vor allem auch weitere an“, sagt Siegfried Deutsch.

Von Markus Wienken

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