Kreisbrandmeister Hans-Hermann Fehling zur derzeitigen Feuergefahr

„Diese Häufung von Einsätzen hatten wir Jahre nicht“

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Immer wieder müssen die Feuerwehren im Landkreis in diesen Tagen brennende Erntemaschinen löschen, wie in der vergangenen Woche in Werder. 

Landkreis - Nahezu täglich rückt die Feuerwehr in diesen Wochen zu Flächenbränden aus. Welche Herausforderungen der heiße Sommer für die Einsatzkräfte mit sich bringt, dazu äußert sich Kreisbrandmeister Hans-Hermann Fehling im Interview. Die Fragen stellte Sandra Bischoff.

Die anhaltende Trockenheit und die damit einhergehenden Brände halten die Feuerwehr seit Wochen in Atem. Wodurch entfachen sich die Feuer auf den Feldern?

Hans-Hermann Fehling: In erster Linie entstehen die Brände durch sogenannte Heißläufer. Bei den Erntemaschinen wie Strohpressen oder Mähdreschern entzünden sich durch ständiges Bewegen der Lager kleinste Partikel wie Staub oder Stroh. Daraus wird schnell ein Feuer, das sich durch die Trockenheit sehr schnell ausdehnt. Manchmal kommen auch Steine in die Maschine, aber das passiert eher selten.

Ist die Feuerwehr denn wegen der Wetterlage zurzeit besonders wachsam?

Fehling: Das ist sie generell. Aber diese Häufung von Einsätzen bei der Ernte haben wir seit Jahren nicht gehabt. Es gab in der Vergangenheit immer mal wieder Fälle, aber nicht so wie in diesem Jahr. Man kann auch nicht sagen, dass es an alten Maschinen liegt, im Gegenteil: Bei unseren Einsätzen treffen wir fast nur auf neue und hochwertige Geräte.

Zurzeit prallen die akute Brandgefahr und die Urlaubszeit aufeinander. Mussten Sie schon Urlaubssperren verhängen, um angesichts der Einsatzhäufung auf genügend Personal zurückgreifen zu können?

Fehling: So weit sind wir noch nicht, es handelt sich ja auch ausschließlich um ehrenamtliche Feuerwehrleute. Aber es gibt in jeder Kommune eine Alarm- und Ausrückordnung, und in diesen Tagen und Wochen ziehen wir den Alarmierungskreis größer. Wir verständigen also mehr Wehren, als wir es bei schlechtem Wetter und außerhalb der Ferien tun würden. Aber natürlich ist die Personaldecke momentan dünn.

Hans-Hermann Fehling 

Was können Landwirte tun, um Brände bei der Ernte zu vermeiden?

Fehling: Die Landwirte sind zurzeit hochsensibilisiert. Eigentlich haben alle Feuerlöscher dabei. Zudem sind sie gut vernetzt, und sobald ein Feuer auftritt kommen andere Bauern und bringen mit Wasser gefüllte Güllefässer mit oder Grubber, um Schneisen zu ziehen. Das hilft uns natürlich enorm, denn wenn stehendes Korn brennt, dann rennen wir nur noch hinterher, um die Flammen einzudämmen. Die Landwirte tun schon, was sie können. Sie reinigen und warten die Maschinen, aber die Lager sind ruckzuck wieder dreckig. Die kann man unmöglich während einer Erntefahrt ständig sauberhalten.

Wie sieht es denn allgemein aus mit der Brandgefahr im Kreis?

Fehling: Wir haben zurzeit die höchste Stufe der Waldbrandgefahr. Es kann praktisch alles brennen. Selbst das noch grüne Gras ist extrem trocken, und aus diesem Grund sollte man sich draußen vernünftig benehmen. Grillen sollte man zurzeit gar nicht in der freien Natur, und die Zigarettenkippe aus dem Auto schnippen ist ebenfalls sträflich. Die Leute sollten sehr behutsam mit brennendem Material umgehen, also auch die Grillkohle sehr gut abkühlen lassen bevor sie in die Mülltonne geworfen wird. Das hatten wir auch schon, dass daraus Brände entstanden sind, bei denen die Flammen bis zum Giebel des Hauses loderten. Zwei Flugzeuge des Landesfeuerwehrverbands überfliegen in diesen Tagen außerdem die niedersächsischen Heideflächen und Wälder und überwachen, ob irgendwo Rauch aufsteigt.

Was wünschen Sie sich für den Rest des Sommers?

Fehling: Tja, letztes Jahr war es zu nass, und jetzt haben wir einen richtigen Sommer ... Aber für die Natur ist das so nicht optimal. Regen, der den Boden einmal gründlich durchweicht, wäre ganz gut. Dann könnten wir Feuerwehrleute auch ein bisschen Anspannung ablegen.

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