Statt Kompost soll Methangas produziert werden / Ausschuss berät über Bau von Anlage

Landkreis möchte Biomüll besser verwerten

Landkreis – Gemeinsam mit den Kreisen Osterholz und Cuxhaven sowie der Stadt Cuxhaven will der Landkreis Verden neue Wege bei der Verwertung von Biomüll aus Privathaushalten gehen. Statt Kompost soll Biomethangas produziert werden.

Das gehe durchaus mit einem „Zielkonflikt“ einher, betonte Christina Hartmann (CDU). Denn für eine erfolgreiche Verwertung sind vor allem Küchen- und weniger Gartenabfälle nötig. Ein Zwiespalt, „denn wir wollen ja, dass die Leute möglichst wenig wegwerfen“, so die Christdemokratin.

Der zuständige Ausschuss für Wasser-, Energie- und Abfallwirtschaft stimmte am Mittwoch schon mal mehrheitlich dafür, die Planungen zur Umsetzung dieses interkommunalen Kooperationsprojektes weiterzuverfolgen.

Aktuell werden die rund 4  200 Tonnen Bioabfälle, die hier pro Jahr in der Grünen Tonne landen, in einer Anlage in Sandstedt an der Unterweser verwertet, sprich offen kompostiert. Dieses Verfahren sei zwar konkurrenzlos günstig, entspreche aber nicht dem heutigen Stand der Technik und auch nicht den Vorschriften zur Reinhaltung der Luft, war der Beschlussvorlage zu entnehmen.

Der Landkreis Verden strebt deshalb schon seit Längerem eine Vergärung an. Der hier anfallende Biomüll genügt dafür allein aber nicht. So war das Angebot aus Osterholz, gemeinsam eine Gärungsanlage im Gewerbepark A 27 bei Schwanewede zu errichten, mehr als eine Überlegung wert. Da die Fläche in dem Gewerbepark nicht reicht für die erforderliche Nachrottung der Gärreste, ist auch die Ertüchtigung einer Rottehalle in Pennigbüttel Teil der Planungen.

Am Mittwoch votierte die Mehrheit im Ausschuss nun schon für den Start der zweiten Projektphase inklusive der Gründung einer gemeinsamen kommunalen Anstalt öffentlichen Rechts (gkAöR). Diese Gesellschaftsform ermögliche den Beitritt weiterer Partner, so Fachdienstleiter Volker Lück. Kollegin Silke Brünn erklärte, warum der Kreis Verden trotz der geringsten Müllmengen dieselbe Summe investiere: „Wir wollen gleich viel mitbestimmen.“

Die technische Seite des Vorhabens setzte Jochen Springer von der Joma Umwelt-Beratungsgesellschaft aus Hamburg dem Gremium auseinander. Bei der Verwertung des Biomülls ging der Experte dann sogar noch einen Schritt weiter.

Das durch die Vergärung entstehende Biomethan könnte einerseits ins Erdgasnetz eingespeist werden. Es besteht aber andererseits die Möglichkeit, daraus Wasserstoff zu erzeugen. Ein potenzieller Abnehmer sitzt jedenfalls auch im Gewerbepark A 27: Faun Umwelttechnik. Der Hersteller von Abfallsammelfahrzeugen und Kehrmaschinen testet Wasserstoff zum Antrieb seiner Fahrzeuge.

Optimal wäre es, wenn auch die Wagen, die den Biomüll transportierten, mit Wasserstoff angetrieben würden, fand Erich von Hofe (Grüne) grundsätzlich Gefallen an der Idee. Probleme hatte aber nicht nur er damit, dass auch die Gärreste noch einmal weitertransportiert werden müssten. Abgesehen von der fehlenden Fläche in dem Gewerbepark seien die wirtschaftlichen Vorteile, die vorhandene Anlage im gut zehn Kilometer entfernten Pennigbüttel weiter zu nutzen, einfach zu gravierend, beschied Silke Brünn.  kp

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