Landgericht Verden stellt Verfahren ein

Strafe: 300 statt 3000 Euro

Verden - An der Kasse eines Discounters hatte im Juni 2015 ein 28 Jahre alter Angeklagter aus Verden der Ex-Freundin seines Bruders einen Faustschlag in die Rippen verpasst und die Frau beleidigt. Vom Amtsgericht Verden wurde er wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 3 000 Euro verurteilt. In einem Berufungsverfahren vor der 5. Kleinen Strafkammer des Landgerichts Verden wurde das Verfahren am Montag gegen die Zahlung von 300 Euro an das Kinderhospiz Löwenherz eingestellt.

Anlass für die Tat war ein Streit um das gemeinsame Kind der Frau und des Bruders des Angeklagten. Die Frau hatte an jenem 24. Juni 2015 einen Termin beim Jugendamt. Auf dem Rückweg kaufte sie bei dem Discounter ein. Die Frau stand bereits an der Kasse, als der Angeklagte und seine Mutter den Markt betraten. Scheinbar gezielt, weil das Opfer sich dort aufhielt. Die Frau wurde als Schlampe beschimpft, dann setzte es den Schlag. Nach einer Untersuchung im Verdener Krankenhaus, dort hatten die Ärzte eine Rippenprellung diagnostiziert, erstattete die Frau Anzeige.

Es erging zunächst ein Strafbefehl gegen den Angeklagten. Dieser wurde nicht akzeptiert. Bei der anschließenden Gerichtsverhandlung in erster Instanz ließ sich der Angeklagte von einem Anwalt vertreten. Selbst war er zu dem Termin nicht erschienen.

Familienfrieden wichtiger als Geldstrafe

Dieser Fall hätte gut über einen Täter-Opfer-Ausgleich geregelt werden können, doch den hatte das Opfer abgelehnt, erläuterte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz am Montag. Die Geschädigte war als Zeugin geladen, konnte aber nicht kommen, weil sie kurz vor der Entbindung steht. Beim Strafmaß sei der Zeitablauf zu berücksichtigen und die damaligen Auseinandersetzungen in der Familie, so Lotz. Klar stellte er zugleich, dass so ein Schlag nicht akzeptabel sei. Mittlerweile scheint aber Frieden eingekehrt zu sein.

„Ich finde den Familienfrieden wichtiger als die Geldstrafe“, pflichtete die Staatsanwältin ihm bei und stimmte der von dem Vorsitzenden angeregten Verfahrenseinstellung zu. Das war ganz im Sinne des Angeklagten, der laut seines Verteidigers einen Schlussstrich unter die Sache ziehen wollte. Zumal sein Bruder das Kind regelmäßig sieht, wie sein Anwalt erklärte. „Dass das Kind nicht darunter leidet, ist das Wichtigste“, merkte Lotz an.

Das Verfahren wurde eingestellt und ein zweiter Verhandlungstag nicht mehr benötigt. Freuen kann sich das Kinderhospiz Löwenherz in Syke über 300 Euro. J wb

Rubriklistenbild: © dpa

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