Richter bezeichnet Schlusswort als grenzwertig

Landgericht spricht 44-jährigen Lehrer frei

Rotenburg/Verden - Von Wiebke Bruns. Ein Pädagoge aus Tostedt ist gestern in einem Berufungsverfahren am Landgericht Verden vom Vorwurf der Körperverletzung im Amt „aus tatsächlichen Gründen“ freigesprochen worden.

Das Amtsgericht Rotenburg hatte den 44-Jährigen zuvor zu einer Geldstrafe in Höhe von 5 400 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hat bis zuletzt an ihren Vorwürfen festgehalten, scheiterte aber mit ihrem Antrag, die Berufung zu verwerfen.

Die 12. Kleine Strafkammer ist nach dreitägiger Hauptverhandlung nicht zu der Überzeugung gelangt, dass der Angeklagte am 2. Dezember 2015 als Lehrer des Rotenburger Ratsgymnasiums einen Schüler so fest am Arm gepackt hatte, dass Rötungen und Schmerzen die Folge waren. Der Angeklagte hatte in dem Berufungsverfahren behauptet, den Schüler nur am Ärmel gepackt zu haben, weil dieser und weitere Schüler mit ihrem Lärm an einem Tischkicker der Pausenhalle den Unterricht in benachbarten Räumen gestört hätten. Er habe seiner Forderung nach mehr Ruhe Nachdruck verleihen wollen.

„Eklatante Widersprüche“

In der mündlichen Urteilsbegründung sprach Richter Lars Engelke von „massiv überschießenden Belastungstendenzen“ und „eklatanten Widersprüchen“ bei dem Schüler. Unter anderem habe sich ein anfänglich geschildertes Boxen nicht bestätigt und Angaben zu seinem Arbeits- und Sozialverhalten würden nicht mit der Benotung übereinstimmen. Der Verteidiger hatte in seinem Plädoyer den Schüler als Lügner dargestellt, doch so weit wollte die Kammer nicht gehen. Es bestünden jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit. „Wir haben eine deutliche Verunsicherung des Zeugen verspürt“, so der Vorsitzende und wies darauf hin, dass es sich um einen erst zwölf Jahre alten Jungen handelte. Zudem gebe es Widersprüche zu den Aussagen zwei damaliger Schulkameraden, die ebenfalls als Zeugen gehört worden waren. Die Kammer habe auch den Selbstversuch unternommen, wie schnell bei einem Kniff in den Oberarm eine Rötung entsteht. Die drei Jungs waren unmittelbar nach dem Vorfall zu der Schulleiterin gegangen, die eine Rötung fotografiert hatte. Doch diese könnte eine ganz andere Ursache gehabt haben.

Grenzwertiges Schlusswort

Deutlich machte der Vorsitzende zu Beginn seiner Urteilsverkündung, dass die Kammer nicht zu beurteilen hatte, ob es sich bei dem Angeklagten um einen „guten und fähigen Pädagogen“ handelt. Als der 44-Jährige sein Schlusswort hielt, habe er mehrfach überlegt einzuschreiten. Die Aussagen des Angeklagten seien grenzwertig gewesen, was eine Beleidigung der Oberstaatsanwältin betrifft. „Sie fordern Respekt, aber dann müssen sie auch respektieren, wenn andere eine andere Meinung haben“, sagte der Jurist. Der mit sechs Eintragungen im Bundeszentralregister vorbelastete Angeklagte, darunter Trunkenheit im Straßenverkehr, Beleidigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten, hatte in seinem Schlusswort betont, dass er noch immer Lehrer am Ratsgymnasium sei. Seit Dezember 2015 ist er dort aber nicht mehr tätig, betont indes die Schulleitung.

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