Landessuperintendent Dr. Christian Brandy zum Auftakt der Luther-Lesungen im Dom

Reformator beließ es beim Umtrunk

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Dr. Christian Brandy (r.) im Gespräch mit Pastor Markus Wendebourg.

Verden - „Wie wir Dich grüßen, großer Luther“, so war der Vortrag von Landessuperintendent Dr. Christian Brandy am Freitagabend im Dom überschrieben. 120 Zuhörer ließen sich von Brandy in die Geschichte der Lutherjubiläen entführen. Ein erstes Jubiläum habe dieser selbst veranstaltet, in Form eines Umtrunkes, 1527, also zehn Jahre nach der Reformation. In Folge habe er sich jedoch gegen jede Überhöhung von kirchlichen Ereignissen und Personen gewendet.

Dennoch blieb ein Gedenken an die Reformation in den nächsten Jahrhunderten nicht aus. Als erstes erinnerten sich die Universitäten an das Datum. Das Jubiläum 1617 stand ganz im Zeichen der Ur-Inhalte der Reformation. Im Grunde wurden zweimal gefeiert, gemäß der Spaltung von Reformierten und Lutheranern im Deutschland kurz vor Beginn des 30-jährigen Krieges.

Das lutherische Jubiläum 1617 überzeugte durch seine für damalige Zeit einmalige „logistische Meisterleistung, die schon alle Kennzeichen einer Kampagne trug“, erklärte Brandy. Ab 1668 wurde der Reformationstag zunächst in Sachsen jährlich begangen.

Die Lutherjubiläen seien auch kulturgeschichtlich interessant, so Brandy weiter. Aus ihnen entstand „die Übung, beinahe der Zwang runde Jubiläen zu feiern“. 1717 diente das Gedenken laut Brandy der „protestantischen Selbstvergewisserung“.

Im 19. und 20. Jahrhundert änderte sich dann der Tonfall. Er wurde nationaler, die Person Luthers rückte in den Mittelpunkt der Jubiläen, er wurde als Vater der „Glaubens- und Geystesfreyheit“ gefeiert. Im Dritten Reich habe man Luther als Nationalheld besungen und versucht, „die Reformation und den nationalsozialistischen Aufbruch“ in eine Linie zu setzen. Dazu habe man Luthers späte, ursprünglich politisch motivierte Schriften gegen das Judentum herbeizitiert. Das sei „zweifelsohne ein Tiefpunkt in der Geschichte unserer Kirche“. Das Reformationsjubiläum 2017 gehe darauf bewusst und büßend mit Gottesdiensten unter der Überschrift „healing the memories“ in der Passionszeit ein.

Die Nachkriegsgeschichte habe 1983, zum 500. Geburtstag Luthers, zu einer Anerkennung des Reformators in der DDR geführt, die Bundesrepublik habe seitdem ihre Jubiläen ökumenisch und international geöffnet. Für Brandy geht es 2017 darum, „die Kernbotschaft der Reformation“, die Besinnung auf Gnade und Glauben, „so gut es geht zeitgemäß durchzubuchstabieren“.

Im Anschluss an den Vortrag gab es eine Diskussion, in der es unter anderem darum ging, ob eine Abendmahlsgemeinschaft zwischen der katholischen Kirche und der evangelischen in Sichtweite sei. Brandy sagte, dies sei noch „ein weiter, aber sehr wünschenswerter Weg“.

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