„Brot und Heringe für alle“

Lätare-Spende: Gepöbelt und fair geteilt

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Nach seinem Rundumschlag gegen die Pfeffersäcke gönnt sich Klaus Störtebeker alias Bernd Maas einen Krug Bier.

Verden - Von Markus Wienken. Piraten haben ein gutes Herz und die Botschaft Montag auf dem Rathausplatz in Verden konnte nicht besser sein: „Brot und Heringe für alle, unabhängig von Herkunft und Nationalität“, tönte Klaus Störtebeker und machte dem Namen Likedeeler alle Ehre. Sogar einen bekannten Ökonomen hatte er aus dem Jenseits mitgebracht: Karl Marx, von Duz-Freund Klaus ganz lässig mit „Kalle“ begrüßt, fand nur lobende Worte für die Taten des Piraten.

Es war ein farbenfrohes und wortreiches Schauspiel, was sich am Fuße der Rathaustreppe abspielte. Begrüßt von Bürgermeister Lutz Brockmann, rückte der Pirat, gespielt von Bernd Maas, mit seinen Kumpanen an, um sich Vertreter aus Politik und Wirtschaft ordentlich zur Brust zu nehmen. Das Fußvolk durfte sich über Gemeinheiten aus dem Munde des Seeräubers freuen, darunter Äußerungen, bei denen im wahren Leben umgehend so mancher Anwalt bemüht werden würde.

Der vergleichsweise junge Kultusminister der neuen Landesregierung in Hannover, Grant-Hendrik Tonne, kam zu Beginn noch gut weg. „Mit dem Namen könntest du sofort bei mir anfangen“, legte Störtebeker los. Doch warum tue er sich im Alter von nur 41 Jahren den Job des Kultusministers an? Wahre den Schulfrieden, laute stets die Aufforderung des obersten Dienstherren. „Aber das ist doch genauso unmöglich, wie eine Sau vom Quieken abzuhalten“, ätzte der Likedeeler. „Keine Lehrer und die Schulen verrotten wie die Kogge im Winterhafen“, setzte Störtebeker nach, um dann mit den Worten zu enden: „Tonne, rette die Welt, lass Hirn vom Himmel regnen.“

Mehr Kult als milde Gabe: In Verden gehört es dazu, sich für Brot und Heringe anzustellen, wenn Störtebekers Vermächtnis erfüllt wird.

Soweit sollte es nicht kommen. Vielmehr bedankte sich Tonne artig. Er habe mit wüsten Beschimpfungen gerechnet, nun sei er froh über die doch halbwegs freundliche Begrüßung. „Das ist das Maximum, was ich auf meinem Posten erreichen kann“, betonte er. Dank galt auch den Gastgebern für die Einladung, doch zweifelte er im Gegenzug allerdings an deren Weitsicht. Kurze Rede und lustig solle er sein, so die Arbeitsbeschreibung für seinen Auftritt bei der Lätarespende. „Und ausgerechnet dafür sucht ihr euch einen Volljuristen und Kultusminister aus. Euren Humor möchte ich haben“, schloss Tonne.

Kalauer über Verkehrspolitiker

Ein Schwabe aus dem Süden zu Gast im hohen Norden, für Störtebeker ein gefundenes Fressen. Norbert Barthle, Parlamentarischer Geschäftsführer beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, passte ins „Feindbild“ des Piraten. Der hatte in der Akte des Politikers geblättert und war auf eine ganze Liste von Tätigkeiten gestoßen. „Wenn einer mehr Berufe hat, als man in einer Nacht auf den Arsch tätowieren kann, dann ist er zweifellos ehrgeizig“, polterte Klaus Störtebeker. Er kalauerte über die Verkehrspolitiker, die der Autoindustrie soweit in die Auspuffrohre kriechen würden, um sich dann ihren Schopf mit Rußpartikeln zu frisieren. Der Schwabe blieb gelassen, freute sich über seine erste Reise „jenseits des Weißwurstäquators“ und über die Teilnahme an der Spende: „Es heißt, wir Schwaben gebbe nix, doch wir geben immer gerne, wenn es uns nichts kostet“, so Barthle unter dem Beifall der Zuschauer.

Der Klerus bereichert sich erst einmal selbst, bevor die Bedürftigen zugreifen können.

Und noch einen „armen Gast“ nahm der Pirat aufs Korn. Karoline Linnert, Finanzsenatorin aus Bremen, „dem deutschen Griechenland mit einem Hafen voller Sand“, dichtete Störtebeker. Die Senatorin nahm es mit Gleichmut und Humor: Als „amtierende Spaßbremse“ lobte sie vielmehr das Engagement ihres Kontrahenten. „Heringe für alle, unabhängig von der Staatsangehörigkeit, das finde ich sehr gut“, so Linnert. Und noch eines schrieb sie dem Piraten ins Logbuch. Nachhaltig solle er fischen und sich dafür einsetzen. „Im Sinne von Natur- und Umweltschutz.“

Lätare-Spende in Verden

Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold
Mit viel Tamtam ist die Lätare-Spende gestern vor dem Verdener Rathaus verteilt worden. © Mediengruppe Kreiszeitung/Erika Wennhold

Der Pirat nickte zustimmend, packte seinen Bierkrug und stürzte den Liter auf Ex. Danach gab’s Heringe und Brot für’s Volk. Politiker und geladene Gäste wechselten in die Stadthalle, wo sie sich, gegen eine ordentliche Spende, Fischspezialitäten und mehr schmecken ließen.

Nachwuchspiraten erobern sich mit lautem Gebrüll den Rathausplatz. Abstecher des Jahrgangs vier der Nicolaischule ins Mittelalter.

Der Verdener Shantychor, die Bigband des Domgymnasiums und die Schüler der Nicolaischule sorgten für die Unterhaltung des Publikums. Auch dafür gab’s viel Beifall der Zuschauer.

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