Tafel freut sich über 130 „Störtebeker Steven“ / Fischgerichte in Seniorenheimen

Verdener Lätare-Spende: Kein Totalausfall

Liane Schulz greift schon einmal prüfend zu. Die stellvertretende Vorsitzende des Tafel-Vereins (2.v.l.) und Beisitzerin Gisela Görz nahmen gestern Mittag 30 „Störtebeker Steven“ von Bäckermeister Michael Baalk und Bürgermeister Lutz Brockmann entgegen. Am Montag kommen 100 weitere der kräftigen Roggenbrote.
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Liane Schulz greift schon einmal prüfend zu. Die stellvertretende Vorsitzende des Tafel-Vereins (2.v.l.) und Beisitzerin Gisela Görz nahmen gestern Mittag 30 „Störtebeker Steven“ von Bäckermeister Michael Baalk und Bürgermeister Lutz Brockmann entgegen. Am Montag kommen 100 weitere der kräftigen Roggenbrote.

Schon zum zweiten Mal in Folge muss die Stadt Verden mit ihrer langjährigen Tradition der Lätare-Spende brechen. Gänzlich übergangen werden soll dieses besondere Brauchtum aber nicht.

  • Die klassische Verdener Lätare-Spende, stets auf den Montag nach dem vierten Fasten-Sonntag terminiert, fällt aus.
  • Um die Tradition aufrecht zu erhalten, haben die Verantwortlichen sich jedoch Alternativen überlegt.
  • Die Verdener Tafel und fünf Seniorenheime in der Allerstadt profitieren vom Vermächtnis des Seeräubers Klaus Störtebeker.

Verden – Die erste Spende zu Lätare ist schon da. 30 „Störtebeker Steven“ übergaben Bäckermeister Michael Baalk und Bürgermeister Lutz Brockmann gestern Mittag an Liane Schulz und Gisela Görz vom Verdener Tafelhaus. Sie werden ab heute an Bedürftige verteilt. Am Montag, dem eigentlichen Tag der Lätare-Spende, liefert Baalk weitere 100 Laibe in die Ulanenstraße.

Vom Bäcker gab’s auch gleich noch einen persönlichen Tipp, wie das kräftige Roggenbrot am besten zu genießen sei: „Klassisch norddeutsch mit Griebenschmalz.“ Bürgermeister Brockmann offenbarte derweil seinen süßen Zahn. „Pflaumenmus geht doch auch“, setzte er hinzu.

Bedürftige kommen zurzeit auch aus Achim und Lunsen

Die Spende ist den Ehrenamtlichen so oder so höchst willkommen. Denn das Tafelhaus suchen aktuell nicht nur Verdener auf, sondern auch Menschen aus Achim und Lunsen. Dort mussten die Ausgabestellen coronabedingt schließen. „Sie kommen sogar mit dem Fahrrad zu uns“, berichtete Liane Schulz, die zweite Vorsitzende, den beiden Männern. Die wiederum lobten die Ehrenamtlichen – „Toll, dass Sie durchhalten“ – und das großzügig bemessene Tafelhaus. Dessen Speisesaal wurde zum Ausgaberaum umfunktioniert. Sogar drei Gäste gleichzeitig können sich dort mit Lebensmitteln eindecken und doch alle Abstands- und Hygieneregeln einhalten.

Die klassische Lätare-Spende, stets auf den Montag nach dem vierten Fasten-Sonntag terminiert, ist unter den gegebenen Umständen nicht durchführbar und musste abgesagt werden. Um die Tradition rund um das Vermächtnis des Seeräubers Klaus Störtebeker aber auch 2021 aufrecht zu erhalten, hat das Orga-Team der Tourist-Information Alternativen ersonnen. Auch wenn es zunächst einmal nicht so klingt.

Idee der dezentralen Verteilung verworfen

„Ich freue mich, mit Ihnen gemeinsam die Traditionen der Lätare-Spende und des Störtebeker-Heringsessens auch in diesem besonderen Jahr zu pflegen und lebendig zu halten.“ Mit diesen Worten schließt Bürgermeister Lutz Brockmann die Einladung zum Heringsessen, die eigentlich eine Ausladung ist. Denn ebenso wie der Auftritt Klaus Störtebekers und seiner Likedeeler auf dem Rathausplatz und die Verteilung von Brot und Heringen an die Bevölkerung findet auch das Festmahl nicht statt.

So ganz mochten die Verantwortlichen aber nicht auf des Seeräubers raue Sitten verzichten. Die Idee, Fische und Brote an dezentralen Punkten unters Volk zu bringen, wurde wieder verworfen. „Die Leute kommen ja auch wegen des Schauspiels“, betonte Mitorganisatorin Angelika Revermann.

Die Bäckerei Baalk liefert seit 20 Jahren die Brote für die Lätare-Spende.

Relativ schnell sei dann der Gedanke da gewesen, den Menschen in den fünf Verdener Alten- und Seniorenheimen Gutes zu tun, so die Leiterin Stadtmarketing und Tourismus weiter. „Aber keine Küche freut sich, wenn wir ihr 15 Kilo Salzheringe vor die Füße werfen“, setzte Revermann lachend hinzu. So waren Stadt und Heime übereingekommen, den jeweiligen Küchenteams die Wahl für ein Gericht zu überlassen. Die Kosten für den Fisch werden aus dem Stadtsäckel bestritten.

350 Senioren bekommen Fisch serviert

Statt der Honoratioren kommen zu Lätare rund 350 Senioren in den Genuss leckerer Fischgerichte. Je nach Vorliebe der Bewohner kredenzen St. Johannisheim, Caritasstift St. Josef, Cura Seniorencentrum und die beiden Residenzen K&S sowie Burgberg am Montagmittag Matjesfilet, Atlantikzunge. Lachs oder Scholle. Es ist ein kleiner Ersatz für den Ausflug zum Rathausplatz. „Da sind wir sonst regelmäßig hingegangen“, sagte Ulla Jakob, Leiterin der Einrichtung am Burgberg.

Und wer wissen möchte, was Störtebeker alias Bernd Maas und die Ehrengäste, die Bremer Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt, die Staatssekretärin und Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung, Anke Pörksen, sowie Norbert Brackmann als Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums zur Lätare-Spende zu sagen haben, sollte am 15. März auf die Internetseite der Stadt gehen. Unter www.verden.de/laetare2021 werden die vier zu hören und zu sehen sein.

Von Katrin Preuss

Drei Vereine freuen sich über finanzielle Zuwendungen

Das Heringsessen mit geladenen Gästen anlässlich der Lätare-Spende muss zwar ausfallen. Den karitativen Zweck dieser Veranstaltung möchte die Stadt dennoch nicht aus den Augen verlieren. In den vergangenen Jahren seien stets zwischen 5 000 und 6 000 Euro zusammengekommen, berichtet Mitorganisatorin Angelika Revermann, Leiterin Stadtmarketing und Tourismus. 2020, als das festliche Mahl erstmals aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, seien es noch 3 000 Euro gewesen, die an Vereine und Institutionen in der Stadt weitergegeben werden konnten. „Von daher bin ich jetzt mal gespannt“, sagt Revermann mit Blick auf die diesjährige Spendenbereitschaft. Gedacht ist das Geld für drei Vereine, die gesamtstädtisch wirken.

• Die Ehrenamtlichen der Verdener Tafel sammeln überschüssige Nahrungsmittel und geben diese gegen einen symbolischen Betrag an bedürftige Mitbürger und Familien weiter. Spendenkonto IBAN DE52 2915 2670 0010 0660 33, Kreissparkasse Verden.

• Der Förderkreis Aller-Weser-Klinik unterstüzt große und kleine Projekte am Verdener Krankenhaus, speziell solche, die durch eine öffentliche Förderung von Land, Kreis und Stadt nicht abgedeckt sind. Spendenkonto IBAN DE67 2915 2670 0020 5451 58, Kreissparkasse Verden.

• Die Wohnungslosenhilfe Verden im Verein Lebensraum Diakonie hilft Menschen in sozialer Notlage bei der Beschaffung oder Erhaltung von Wohnraum, berät und begleitet, unterhält einen Tagestreff, wo sich Betroffene aufwärmen, duschen oder sich austauschen können und betreut Menschen, die aufgrund einer chronischen Suchterkrankung Unterstützung im alltäglichen Leben benötigen. Spendenkonto IBAN DE86 2915 2670 0010 0065 42, Kreissparkasse Verden. kp

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