Maximilian Englisch fordert zur Zivilcourage auf

„Heldengeist“: Kurzfilm mit langem Nachklang

Nach dem Ende des Films präsentierte sich Maximilian Englisch (links) gut gelaunt zusammen mit allen Beteiligten. Der Gymnasiast hat trotz der kurzen Dauer seines Werks die anwesenden Zuschauer kräftig ins Grübeln gebracht. - Foto:Niemann

Verden - Ein junger Flüchtling wird in einem Linienbus von zwei Männern belästigt: Der Kurzfilm „Heldengeist“ ist Aufforderung zu mehr Zivilcourage und politisches Statement zugleich. Am Dienstagabend bewegte der kleine Film bereits bei der Vorab-Premiere das Publikum und sorgte erst für Betroffenheit und dann für Gesprächsbedarf.

„Geh dorthin zurück, wo du hergekommen bist – ins Kanakenland.“ Bei diesem Satz ist schnell klar, welche Richtung der Kurzfilm „Heldengeister“ einschlägt, den Maximilian Englisch mit rund einem Dutzend Beteiligten produziert hat. Unterstützt wurde der 16-jährige Gymnasiast vom Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage (Wabe) sowie mit Mitteln aus dem Bundesprogramm „Demokratie Leben“.

„Heldengeist“ wird in den Herbstferien anlässlich der Jugendfilmwoche im Cine City Verden aufgeführt, Interessierte konnten ihn aber bereits zuvor in den Vereinsräumen von „Verden hilft“ ansehen. Der Film – Idee und Drehbuch stammen ebenfalls von Maximilian Englisch – erzählt eine kleine Geschichte: In einem Linienbus wird ein dunkelhäutiger Fahrgast, der mit seinem Handy beschäftigt ist, vollkommen grundlos von zwei Männern angepöbelt. Dabei bedienen sie sich zunächst bekannter verbaler Klassiker und lassen sich über die modischen Schuhe oder über das Handy des augenscheinlichen Flüchtlings aus. Die Situation droht zu eskalieren, als einer der Männer plötzlich ein Messer zückt.

Die Stimmung bei den übrigen Fahrgästen ist von Ignoranz geprägt. Nur eine Frau mischt sich beherzt ein. Lautstark und wild gestikulierend stellt sie sich den Angreifern entgegen. Das Finale mutet dann fast schon komisch an: Der Bus stoppt, eine Fahrzeugkontrolleurin steigt zu und die beiden Aggressoren – folglich Schwarzfahrer – machen sich in aller Eile davon.

Volle Konzentration: Der Jung-Regisseur ist bei den Dreharbeiten zu seinem Kurzfilm hochkonzentriert.

Trotz seines jugendlichen Alters versteht Maximilian Englisch bereits sein Handwerk. Kurze Einstellungen, schnelle Schnitte, der Einsatz einer Drohne für Luftaufnahmen sowie der Wechsel von Schwarz-Weiß (Böse) zu Farbe (Gut) befördern die Botschaft des Filmes: Tu was, misch dich ein, wenn anderen Unrecht geschieht.

Arne von Brill unterlegte den Film mit Musik. Mit Ausnahme von Christian Walther sind die Rollen mit Laien aus dem Bekanntenkreis von Englisch und dem Umfeld von „Verden hilft“ besetzt. Auch das klappt gut, sodass der Film des Gymnasiasten gerade mal fünf Minuten braucht, um den Blick auf etwas zu richten, von dem man in den Medien nahezu täglich sieht und hört: der Mangel an Zivilcourage, der zu einem gesellschaftlichen Problem geworden ist.

Mit „Heldengeist“ wollen Englisch und alle vor und hinter der Kamera Beteiligten Akzente setzen und bei den Zuschauern das Bewusstsein dafür schärfen, dass man nicht wegschauen darf.

Als auch der Abspann von „Heldengeist“ gelaufen war, setzte zunächst verhaltener, dann kräftiger Applaus ein. Bei aller Kürze: Der Film lässt keinen kalt und es war spürbar, dass die fünf Leinwandminuten die Zuschauer berührt hatten und vermutlich noch nachwirken werden, wenn sie längst wieder zu Hause sind.  

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