Kurzarbeit: Jeden Vierten trifft’s

Die Sieben-Tage-Statistik bleibt kreisweit rückläufig.
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Die Sieben-Tage-Statistik bleibt kreisweit rückläufig.
  • Heinrich Kracke
    vonHeinrich Kracke
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Das Ringen um den Erhalt von Arbeitsplätzen in Corona-Zeiten grenzt an schiere Verzweiflung. Um nicht zum letzten Mittel zu greifen, zur Entlassung von Mitarbeitern, setzten im Mai rund 60 weitere Firmen aus dem Kreis Verden auf Kurzarbeit. Gleichzeitig pendelten sich die Patientenzahlen auf gleichbleibendem Niveau ein.

Verden/Achim – Die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Unternehmen stieg damit laut Arbeitsagentur auf den kreisweiten Negativrekord von 1 247. Bis zu 15 800 Arbeitnehmer seien davon erfasst, gut ein Viertel der kreisweit rund 48 000 Beschäftigten. Besonders betroffen weiterhin Beschäftigte in der Gastronomie und dem Handel, zumindest jenem Handel, in dem es nicht um Lebensmittel geht. „Diese Branchen trifft es am härtesten“, sagt Daniel Bestvater von der Arbeitsagentur Verden. Aber auch im eigentlich unvermindert weiterarbeitenden Baugewerbe zeichnen sich zunehmend dramatische Tendenzen ab. „Eigentlich sind meine Auftragsbücher für Monate gefüllt“, berichtet beispielsweise ein Tischler. Allerdings seien die von ihm gefertigten Gegenstände am Ende zu Hause bei den Kunden einzubauen, und da beginne das Problem. „Aufgrund der Abstandsverordnungen ist einigen unwohl beim Gedanken, fremde Menschen in der Wohnung zu haben. Sie sagen den Einbau-Termin ab.“ Zusätzlich stornierte mancher den Auftrag. „Sie sagen, es sei unklar, ob es ihnen weiterhin finanziell gutgehe.“ In beiden Fällen stürzte die Einnahme auf Null, während die Kosten bleiben.

Völlig unklar indes, wie es mit der Kurzarbeit weitergeht. „Alles spekulativ“, sagt Bestvater. Seine Begründung: „Die Firmen, die im Mai auf dieses Arbeitsmarktinstrument umschwenkten, betrachten wir noch als Nachzügler.“ Verschlimmert habe sich die Lage nicht sonderlich. „Eine wirkliche Tendenz ist erst nach drei oder vier Monaten erkennbar.“ Einerseits stelle man schon fest, dank der gelockerten Kontaktbeschränkungen beginne das Arbeitsleben sich zu erholen, andererseits bestehe Sorge vor einer zweiten Welle. Gegenwärtig präsentiert sich der Verdener Arbeitsmarkt im Vergleich mit den anderen beiden Regionen des Agenturbezirks, im Vergleich mit dem Kreis Nienburg und dem Kreis Diepholz, auch bei der Kurzarbeit am robustesten.

Gleichzeitig bleiben die Corona-Zahlen im Landkreis auf einem Niveau, das weder Alarmzustände noch Entwarnungstendenzen auslöst. Mit Stand von gestern Mittag wurden drei weitere Menschen als positiv getestet eingestuft. Das Trio, eine Frau und zwei Männer, lebt im nördlichen Landkreis. Zwei Personen konnten die häusliche Quarantäne als genesen verlassen. Unverändert befinden sich vier Patienten in stationärer Behandlung.

Insgesamt präsentierte sich der Arbeitsmarkt des Landkreises Verden nach Angaben der Arbeitsagentur in robuster Verfassung. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Prozentpunkte, von 4,1 Prozent aus dem Vormonat auf nun 4,4 Prozent, aber alles in allem blieb sie nahezu stabil. Damit nimmt die Region eine Sonderposition südlich Bremens ein. Im Landkreis Nienburg ist die Quote auf 5,6 Prozent gestiegen, im Landkreis Diepholz auf 4,7 Prozent. Allerdings ging auch im Raum zwischen Dörverden und Ottersberg die Zahl der freien Arbeitsstellen spürbar zurück. Die Arbeitgeber im Landkreis Verden haben der Arbeitsagentur im Mai 288 neue Jobs gemeldet. Vor einem Jahr wurden 73 oder 20,2 Prozent mehr Beschäftigungsmöglichkeiten mitgeteilt.

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