„Ein Leben in Büchern“

Das kulturelle Erbe von Pfannkuche

Das „Enchiridion seu Breviarium...Verdensis“ zählt zu den wertvollsten Schätzen, die Bürgermeister Christoph Gottlieb Pfannkuche nach seinem Tod der Historischen Bibliothek des Domgymnasiums hinterließ. Fotos: wienken
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Das „Enchiridion seu Breviarium...Verdensis“ zählt zu den wertvollsten Schätzen, die Bürgermeister Christoph Gottlieb Pfannkuche nach seinem Tod der Historischen Bibliothek des Domgymnasiums hinterließ. Fotos: Wienken

Es war „Ein Leben in Büchern“, das Christoph Gottlieb Pfannkuche geführt hat. Über 2 000 Exemplare unterschiedlischster Formate hat Verdens Bürgermeister nach seinem Tod im Jahre 1868 dem Domgymnasium hinterlassen. Die Schenkung des 83-Jährigen, so sein Wunsch, sollte in einem Katalog übersichtlich dargestellt werden. 150 Jahre später ist das Vermächtnis erfüllt worden, nun liegt das Werk vor.

Die Historische Bibliothek des Domgymnasiums birgt in ihren Regalen Werke von unschätzbaren Wert. 25 000 Titel sind es insgesamt. „Kern dieser Sammlung ist die Schenkung von Christoph Gottlieb Pfannkuche“, erklärt Reinhard Nitsche, Oberstudienrat am Domgymnasium und zugleich Betreuer der Bibliothek.

Was Pfannkuche zu Lebzeiten zusammengetragen hat, verschlägt beim Durchgang durch die Räumlichkeit dem Bücherfreund buchstäblich den Atem. Nitsche schreibt dazu im Vorwort zum Buch: Die Schenkung Pfannkuches habe für die Historische Bibliothek eine herausragende Bedeutung. Das gelte einmal für die Genese der Bibliothek, dann für den Wert besonderer Exemplare sowie ebenso bezüglich der regional- und geistesgeschichtlichen Perspektiven, die sich daraus erschließen lassen.

Doch wie war der Wunsch Pfannkuches, sämtliche Werke der Schenkung aufzulisten und übersichtlich in einem Katalog zu führen, überhaupt umzusetzen? Nitsche versammelte dazu ein Team von Ehrenamtlichen um sich, die ein kaum denkbares Engagement an den Tag legten. Allen voran Historiker Hartmut Bösche, der sich der Person Pfannkuche mit großer Ausdauer und Fachkenntnis näherte. 

Christoph Gottlieb Pfannkuche wie ihn ein Foto im Domherrenhaus zeigt.

Bösche sortierte, sichtete und interpretierte nicht nur die Schenkungen, sondern auch persönliche Notizen des hochgebildeten Verdener Bürgermeisters. Weitere Mitglieder des Teams, darunter Juliane Böcker-Storch, Gisela Henning-Strobel, Thomas Müller und Dietrich Haselbach halfen bei Forschung, Kommentierung und Katalogisierung. Auch Kilian Lührs, ehemals Schüler des Dog, nahm sich Zeit für einen Beitrag.

Was die Leser erwartet? „Es ist ein Nachschlagewerk, das Auskunft über einen bedeutenden Verdener Bürger, aber auch über einen Menschen gibt, der ein schier unbändiges Interesse hatte, die damaligen Zusammenhänge zu verstehen, und zu kommentieren“, so Nitsche.

Pfannkuche besorgte sich dafür seltene Werke aus der ganzen Welt. Und auch davon handelt das Buch. Hartmut Bösche schreibt dazu: „Es entwickelte sich....der Bücherjäger und Büchersammler Pfannkuche, dessen Werk und Nachlass uns hier beschäftigen. Der wünschte den schnellen Zugriff, das leichte Nachschlagen, der wollte die Texte im Hause haben. In umfassender Bücherliebe erwarb er besondere Stücke klassischer Philologie, auch deutscher und ausländischer Literatur, dazu seltene Manuskripte, philosophische und poltische Schriften, wissenschaftliche Werke.“

Freuten sich über das gelungene Werk: Die Autoren mit Unterstützern und Förderern vom Verein ehemaliger Domgymnasiasten, der KSK-Stiftung, vom Wirtschaftsförderkreis Domherrenhaus sowie vom Verein Musik und Kultur am Domgymnasium.

Wer das Buch über Pfannkuche aufschlägt, der bekommt nicht nur eine detaillierte Liste, was der studierte Jurist zusammengetragen hat. Die Autoren haben sich zudem die Mühe gemacht, die herausragenden Werke dem Leser in Kurzform zu beschreiben und so ein Gefühl dafür zu vermitteln, um welche Werte es sich handelt. Dazu zählt das „Enchiridion seu Breviarium...Verdensis“. 

Das „Handbuch oder Brevier nach der Regel der Verdener Kirche“ gehört zu den seltensten und kostbarsten Stücken der Bibliothek und wurde 1516 in Basel gedruckt. Oder „Homeri, Opera Greacolatina“, 33 Preislieder auf griechische Götter, 1567 in Basel erschienen. Oder das prächtige, mit Gold beschlagene Werk „Flavius Josephus, Historien und Bücher“, eine gedruckte Ausgabe einer jüdischen Familiengeschichte. 

Und dann noch eine Originalausgabe von Thomas Hobbes „Leviathan“, der zu den berühmtesten und bis heute meistgelesenen Werken der politischen Theorie der frühen Neuzeit gehört. „Die Reihe wertvoller Schriften ließe sich fortsetzen“, so Nitsche. Bibliografische Daten zu den einzelnen Tieln können im Internet in den Verbundkatalogen GVK und KVK abgerufen werden. Viele aktive und passive Bücherfreunde haben zum Gelingen des Projektes beigetragen. Wissenschaftliche Unterstützung gab es von Prof. W.N. Kühn-Velten. Finanziell engagierten sich Stiftung, Fördervereine und private Spender.

Das Buch „Die Bibliothek des Verdener Bürgermeisters Pfannkuche“ ist im örtlichen Buchhandel sowie im Sekretariat des Domgymnasiums erhältlich und kostet 25 Euro.

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