Kulinarischer Rundgang „Köstliche VERführung“ durch Verden

Geschichte der süßen Versuchung

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Sybille Jackl (r.), Inhaberin der Konditorei Erasmie, erzählte die Geschichte der süßen Versuchung. Natürlich durften die Teilnehmer der Tour auch zahlreiche Pralinen naschen.

Verden - Die Heimatstadt neu entdecken oder sie als Besucher kennenlernen, das kann man mit „Verden aufgeschlossen“. In diesem Jahr wird die beliebte Veranstaltungsreihe durch den kulinarischen Rundgang „Köstliche VERführung“ ergänzt. Bei der Premiere waren mehr als 20 Teilnehmer dabei.

Gemeinsam mit dem Tourismusbüro der Stadt Verden hat Gästeführerin Sabine Lühring die kulinarische Stadtführung entwickelt. Der Start der Tour war am Lugenstein. „Wir haben in den nächsten zwei Stunden einiges vor“, kündigte Lühring gleich an.

Als erstes steuerte die Gruppe die Fleischerei Kaufhold an der Grünen Straße an. Dort gab es Kartoffelsalat, Bratwursthappen und Topfsülze. Zudem erfuhren die Teilnehmer viel über die Gepflogenheiten der Altvorderen bezüglich Ernährungsgewohnheiten oder Tierhaltung. Lühring: „Wo heute das Pferd an erster Stelle steht, war es früher das Schwein. Die liefen frei umher. Was die Borstentiere vorne hineinfraßen, fiel hinten wieder raus, und zwar einfach auf die Straße.“ Gestört habe das keinen. Wer ein Schwein oder sogar mehrere besaß, habe sich glücklich schätzen können. Er habe schließlich „Schwein gehabt“.

Nicht minder interessant war der Zwischenstopp vor dem Haus Grüne Straße 24. Dort hatte im August 1946 Hans Freitag eine Bäckerei und Konditorei – den Vorläufer der Keks- und Waffelfabrik – gegründet.

Weiter ging es zur Freifläche am Dom, wo Lühring an den Seeräuber Klaus Störtebeker und dessen Vermächtnis, die Lätare Spende, erinnerte. Die Teilnehmer bekamen Fische aus Schokolade gereicht.

Die Gruppe wanderte anschließend zur Konditorei Erasmie. Inhaberin Sybille Jackl erzählte die , berichtete über Transport und Handel des Kakaos und erklärte, wie aus Kakaobohnen Schokolade in den unterschiedlichsten Geschmacksvarianten hergestellt wird. „Sie können kosten, so viel Sie wollen. Wenn die Schokolade und die Pralinen alle sind, hole ich neue“, forderte sie die Besucher auf, während die süßen Kostproben kreisten.

Einen kräftigen Schluck wussten unsere Vorfahren natürlich auch zu schätzen. Den gab es in Glanders alter Kornbrennerei, wo Lühring auch über den Verdener Gesundbrunnen plauderte, durch den die Stadt fast zu einem mondänen Heilbad avanciert wäre. Lühring erzählte von der Legende, nach der ein an Magenkrämpfen leidender Mann seinen Durst an dem damals aus einem Sandhügel sprudelnden Rinnsal stillte, so dass seine Leiden verschwanden.

Kammer: Wasser hat

heilende Wirkung

Nachdem die Königliche Großbritannische Kammer in Hannover die heilende Wirkung und die chemische Zusammensetzung des Wassers bestätigt hatte, habe man die Quelle eingefasst und 1784 erste Übernachtungsmöglichkeiten errichtet. Lühring: „Der Badebetrieb nahm zu und es wurde sogar ein Casino eröffnet, das sich gerade unter den Offizieren der benachbarten Garnisonskaserne großer Beliebtheit erfreute.“ Doch wie gewonnen so zerronnen. Fakt ist, dass den Offizieren ab 1837 der Aufenthalt in den Anlagen des Gesundbrunnens untersagt worden war, was zur Schließung des Casinos und zum Verkauf des Areals geführt habe. Heute steht auf dem Grundstück das Schullandheim Verdener Brunnen.

Nächstes Ziel der Stadtführung war Pades Restaurant, ein Gebäude, das mit seinen Nachbarhäusern zu den sogenannten „Domherrenhäusern“ gehört und urkundlich erstmals um 1500 erwähnt wurde. Folglich ungläubiges Staunen in den Augen der Gruppe, die durch die Gästeführerin erfuhr, dass die Stadt in den 80er-Jahren die Absicht hatte, im Garten von Pades ein großes Parkhaus zu bauen.

Endpunkt der Stadtführung war im „Sottis“, wo Lühring allerhand über die Verdener Bevölkerung anno 1700, über ihre Gesundheit, ihr Bier und ihre Essensvorlieben erzählte. „In Verden waren kleine Bohnensorten in Gebrauch, die man andernorts nur Schweinen vorwarf“, hieß es zum Vergnügen der Teilnehmer.

Die Stadtführung „Köstliche VERführung“ wird noch dreimal angeboten. Weitere Informationen gibt es im Internet.

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www.verden.de/aufgeschlossen

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