Illegale Wetten?

„Kuckuck“ an der Sportsbar

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Seit einigen Jahren wird die Sportsbar in einem Haus an der Großen Straße in Verden betrieben – auch mit illegalen Wetten?

Verden - Von Volkmar Koy. Merkwürdig ist das Ganze allemal. Und für den Außenstehenden kaum noch zu durchschauen. Jahrelang lockte eine so genannte Sportsbar seine Kundschaft in die Räumlichkeiten an der Großen Straße. Kennzeichen: Rot beklebte Scheiben mit allerlei Sportlern drauf. Jetzt ist aber erst mal Schluss. Die Eingangstür zieren zwei gelbe Siegel des niedersächsischen Innenministeriums.

Der bei der Stadt für Sicherheit und Ordnung zuständige Fachbereichsleiter Rüdiger Nodorp schob den „schwarzen Peter“ (der Begriff passt in diesem Fall wie die Faust aufs Auge) an das Innenministerium in Hannover weiter. Dieses habe schließlich die Versiegelung veranlasst. Offenbar war – durch welchen Zufall auch immer – der Betreiber beim Angebot der rechtlich umstrittenen Sportwetten ertappt worden. Umgehend wurde der gelbfarbene „Kuckuck“ am 20. Dezember 2017 an die Tür geheftet.

Damit nicht genug: Das Siegel bedeutet jedem möglichen „Besucher“ der Sportsbar, dass sich derjenige strafbar mache, der das gelbe Schriftstück beschädigt. Der Betreiber der Bar war im übrigen gestern nicht ausfindig zu machen. Auch eine Antwort auf eine Anfrage dieser Zeitung zu dem Vorgang bei der Pressestelle des Innenministeriums war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Mit Hilfe dieses Siegels hat das Innenministerium in Hannover die Verdener Sportbar dicht gemacht.

Offenbar steht Verden nicht allein da in dieser Frage. Besonders in Niedersachsen stünden die örtlichen Behörden vor schwierigsten Entscheidungen, da durch das Fehlen der erforderlichen Genehmigungen nicht zwingend die Untersagung einer solchen Gewerbstätigkeit einhergehe, schreibt beispielsweise der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke auf seiner Homepage. Besonders die Stadt Buchholz, aber auch die Stadt Buxtehude, stünden in solchen Verfahren.

Die Stadt Buchholz habe mit dem ihr zur Verfügung stehenden Instrumentarien kein Verbot eines Wettbüros durchsetzen können, so Schönecke. Bei Nachfragen der Stadt, in den zuständigen Ministerien, habe es die Aussage aus dem Wirtschaftsministerium gegeben: „Zu Ihrer Anfrage teile ich Ihnen mit, dass ein solches Wettbüro der Firma tipico illegal ist. Im Rahmen der derzeit bestehenden Möglichkeiten geht die Glücksspielaufsicht gegen solche Wettbüros vor. Eine inoffizielle Duldung findet mithin nicht statt.“

Wettbüros als Franchiseunternehmen

Niedersachsenweit führe dieser „rechtlose Zustand“ dazu, dass in innerstädtischen Lagen Wettbüros als Franchiseunternehmen eingerichtet würden. Es gäbe Gerichtsentscheidungen, dass die Behörden gegen Sportwettenanbieter, die sich um eine Konzession bewerben würden, nicht einschreiten dürften, wenn diese bereits vor Konzessionserhalt ihr Geschäft aufgenommen oder fortgesetzt hätten. Die Wett-anbieter nutzten diese ungeklärte Rechtslage gnadenlos aus und schafften auch in Niedersachsen Fakten, sagt der CDU-Politiker.

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