Musikschule und Volkshochschule arbeiten an Konzepten

Kultur im Landkreis Verden noch tief in der Corona-Krise

Der Krisenmodus bestimmt vieles, was in der Veranstaltungsförderung, für die Kreismusikschule und die Kreisvolkshochschule für das kommende Jahr geplant wird. Die Kultur im Landkreis Verden kämpft weiter.

Die Corona-Krise ist noch nicht überstanden. Dörte Lübkemann (r.) und Stephanie Fries müssen weiter gegen die Folgen ankämpfen. Zum Beispiel mit dem Konzept „Neue Wege gehen!“.

Verden – Die Corona-Pandemie hat nicht nur in der Wirtschaft nachhaltige Spuren hinterlassen. Auch die Kultur ist zeitweise völlig zum Erliegen gekommen. Erholt hat sich die Branche noch nicht von Lockdowns und Einschränkungen. Die Folgen des corona-bedingten Stillstands sind auch bei der Kultur im Landkreis noch lange nicht überwunden.

„Die Corona-Spuren sind in den Einrichtungen ebenso wie im Kreishaus nachhaltig spürbar“, fasste Landrat Peter Bohlmann das zusammen, was die Zahlen im Haushaltsentwurf belegten. Und Fachdienstleiterin Dörte Lübkemann konnte das in der ersten Sitzung des Kulturausschusses nur bestätigen: „Als wir im vergangenen Jahr die Einrichtungen schließen mussten, haben wir noch gedacht, 2021 wird alles wieder gut. Jetzt wissen wir, das wird uns noch länger begleiten.“

Die Planungen der Budgetveranwortlichen waren denn auch schon für das laufende Jahr zurückhaltend gewesen. Und das war auch gut so, denn viele Strukturen, wie Online-Formate in Kreismusikschule und Kreisvolkshochschule mussten erst einmal entwickelt, technische Voraussetzungen und Know-how geschaffen werden.

Fitness und Handwerk online ist schwierig

Für den Instrumentalunterricht auf Distanz übers Internet seien relativ schnell Mittel und Wege gefunden worden, sodass Lübkemann in der kreiseigenen Einrichtung heute die großen Probleme für den Betrieb nicht mehr sieht. In der Erwachsenenbildungseinrichtung dagegen seien die Verhältnisse komplexer. Die Angebote sind immer für Gruppen mit mehreren Teilnehmenden vorgesehen und lassen sich wie Fitness- oder handwerkliche Kurse nicht oder nur schwer in die virtuelle Welt verlegen.

Kein Wunder also, dass die Zahl der Teilnehmer von 12 000 auf 4000 zurückging. Ein weiteres Problem sei die schwierigere Planung, vor allem bei den Veranstaltungen, die die Kreisvolkshochschule im Auftrag von Unternehmen oder externen Einrichtungen entwickelt und anbietet. Wann sie angefordert werden, sei nicht absehbar und die häufig damit verbundene Förderung ebenso wenig. Zumindest die technischen Voraussetzungen für die Digitalisierung der Einrichtung seien mittlerweile weit gediehen.

Es habe sich aber auch gezeigt, dass die Teilnehmer vor allem in den klassischen Angeboten der Erwachsenenbildung klar die Präsenzveranstaltungen vorziehen. Sie habe sich deshalb für eine vorsichtig optimistische Planung entschieden, erklärte Lübkemann den Kreistagsabgeordneten im Ausschuss, der zugleich Beirat für die KVHS und die Musikschule ist. Mit 2,7 Millionen Euro setzt sie die Einnahmen, die überwiegend aus Kursgebühren und Gebühreneinnahmen bestehen. Ausgaben von 5,48 Millionen Euro stehen dem gegenüber. Auch hier liegt das Gros bei den Personalkosten für die 46 Vollzeitstellen, die sich auf 75 Teilzeitkräfte verteilen und für die Honorare von freien Instrumentallehrkräften und VHS-Dozenten.

Dabei entsteht ein Zuschussbedarf von 2,7 Millionen Euro. Und dass der um 360 000 Euro über dem Bedarf im vergangenen Jahr liegt, so erklärte Lübkemann, dass wegen Corona weniger Kurse in der Kreismusikschule wie auch in den Häusern der KVHS angeboten werden können. Die Gebühreneinnahmen liegen darum deutlich hinter denen vor Corona. Die Fachdienstleiterin befürchtet, dass das auch noch eine Zeit lang so anhalten wird. Landrat Bohlmann sieht das ebenso: „G2 plus ist für die Teilnehmer ein Lockdown durch die Hintertür.“

Und offenbar geht auch die neue Leiterin Dr. Stephanie Fries, die sich in der Sitzung vorstellte, zurückhaltend an die Planung des nächsten Semesters heran. Die Zahl der Veranstaltungen, die im vergangenen Jahr stattgefunden haben, hätte sich im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 halbiert. Mit dem Marketing-Konzept „Neue Wege gehen!“, dass verstärkt die Digitalisierung einbeziehen will, hofft sie, Teilnehmergruppen zurückzugewinnen.

Fördergrundsätze für Museen müssen neu festgelegt werden

Mit der Fachdienstleitung ist Dörte Lübkemann nicht nur für die beiden Einrichtungen, sondern auch für die Museumsförderung und die allgemeine Kulturförderung zuständig. Spielraum bei den Kreis-Beiträgen zum Deutschen Pferdemuseum (DPM) und dem Domherrenhaus in Verden sowie dem Heimathaus Irmintraut in Fischerhude hat sie nicht. Bis 2023, so erklärte sie den neuen Abgeordneten im Gremium, seien die Fördersätze mit den Trägern festgelegt. Danach werde der Landkreis 185 000 Euro an den Trägerverein des DPM zahlen, Das Domherrenhaus erhalte 63 000 Euro und das Heimathaus 22500 Euro. Aufgabe in dieser Wahlperiode werde also sein, die Fördergrundsätze neu festzulegen, wusste die Fachdienstleiterin schon eine Aufgabe für die Kulturpolitiker.

Die allgemeine Kulturförderung hatte der Kreistag in der zurückliegenden Wahlperiode bereits überarbeitet. Ein Etat von 30 000 Euro steht danach jährlich für die Förderung von überörtlich bedeutsamen Kulturveranstaltungen zur Verfügung.

Der Kreistag hatte sich vorbehalten, für einen Teil davon einen inhaltlichen Schwerpunkt festzulegen. Die Sitzung des Ausschusses vor der Verabschiedung des Haushalts wäre der passende Zeitpunkt dafür gewesen. Die Abgeordneten gingen aber auf Lübkemanns Vorschlag ein, einmal die gesamte Summe für die Unterstützung von Veranstaltungen zu verwenden. Die Corona-Krise habe so viele Auftritte verhindert, dass die Kreis-Zuschüsse zu neuen Veranstaltungen gut verwendet seien..  kle

Rubriklistenbild: © Klee

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