Grundsätzliche Risiken erkannt

Trinkwasserverband fordert Bohr-Verbot in sämtlichen Schutzzonen

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Bürger fürchten um die Qualität ihres Trinkwassers.

Landkreis - „Die Vorhaben der Unternehmen der Erdgas- und Erdölförderindustrie in den Wasserschutzgebieten unserer Wasserwerke sind geeignet, das Vertrauen der Bevölkerung in die Qualität des gelieferten Trinkwassers nachhaltig zu beeinträchtigen“, so der Verbandsvorsteher des Trinkwasserverbandes Verden, Harald Hesse, in Schreiben an die Dea Deutsche Erdöl AG sowie den genehmigenden behördlichen Stellen beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Verden.

Beides, der vorsorgende Grundwasserschutz und der Erhalt des Vertrauens der Abnehmer in die Wasserqualität hätten den Verband veranlasst, die Genehmigungsbehörden um Prüfung der Möglichkeit der Versagung einer Genehmigung für das aktuelle Vorhaben der Deutschen Erdöl AG (Dea), ersatzweise die Erhebung einer Forderung zur Durchführung einer verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfung, zu bitten, heißt es weiter in einer Pressemitteilung des Verbandes.

Darüber hinaus fordert der Verband, den grundsätzlichen Vorrang der Trinkwassergewinnung vor der weiteren wirtschaftlichen Nutzung einzuräumen, und keine Erdgasgewinnung in Trinkwasserschutz- und Trinkwassereinzugsgebieten zuzulassen.

Der Trinkwasserverband versorgt in seinem Zuständigkeitsbereich circa 115.000 Einwohner mit qualitätsgerechtem Trinkwasser und deckt rund ein Drittel des Trinkwasserbedarfes der Stadt Bremen. Hierfür betreibt der Verband drei Wasserwerke einschließlich der zugehörigen Wasserfassungen. Zur Aufrechterhaltung der sehr guten Trinkwasserqualität und vor allem hinsichtlich des vorsorgenden Grundwasserschutzes engagiert sich der Verband bereits langjährig in seiner Kooperation mit den in seinen Schutzgebieten wirtschaftenden Landwirten.

Bezüglich der geförderten Menge an Grundwasser ist die Wasserfassung Panzenberg das größte Gewinnungsgebiet des Verbandes. Insbesondere die Stadt Bremen und mit ihr wichtige Unternehmen der Lebensmittelindustrie beziehen das im Wasserwerk Panzenberg geförderte und aufbereitete Trinkwasser.

Seit 2011 sei die mögliche Gefährdung des Grundwassers durch risikobehaftete Vorfälle bei den für die Erdgasexploration genutzten Technologien verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gelangt und habe auch den Verband seinerzeit veranlasst, die Risiken zu bewerten. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung werde dem Schutz des Trinkwassers absoluten Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen eingeräumt. Die Regierungsparteien seien bestrebt, ein generelles Verbot des Bohrens nach Erdgas in sämtlichen Schutzzonen der Wasserschutzgebiete in die „Verordnung über Schutzbestimmungen in Wasserschutzgebieten“ aufzunehmen. Der Trinkwasserverband Verden unterstütze diese Ziele.

Die Gewinnung von Erdgas berge grundsätzlich Risiken für das Grundwasser. Dies insbesondere an dem gewählten Standort aufgrund der beabsichtigten Durchbohrung grundwasserschützender und -führender Leiter sowie durch Schichten mit bereits verpresstem Lagerstättenwasser.

Auch die oberirdischen Anlagen und deren Umfeld stellten immer wieder ein Sicherheitsrisiko dar. Die niedersächsische Landesregierung habe über das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die Schadstoffbelastungen von Böden und Sedimenten untersucht. Auch bei Förderanlagen in hiesigen Wasserschutzgebieten seien im Rahmen dieser Untersuchungen auffällige Werte ermittelt worden, schreibt der Verband.

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